IVW-Auflagen 2/2017 E-Paper mildern Minus der News-Presse / "Bild" kann Talfahrt nicht stoppen

Donnerstag, 20. Juli 2017
Die klassischen Print-Auflagen sinken
Die klassischen Print-Auflagen sinken
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Die Temperaturen steigen, die Print-Auflagen kaum: Auch fürs 2. Quartal kann die IVW meist nur sinkende Verkäufe melden. Doch es gibt Lichtblicke, mehr als sonst zuletzt. Die Sinkgeschwindigkeit scheint bei etlichen Titeln gebremst, bei den Zeitungen, „Spiegel“ und „Zeit“ vor allem durch steigende E-Paper-Verkäufe. Und so manches größere Minus ist eher hausgemacht – durchs Zurückschrauben wenig rentabler Auflagensparten.

Bei den großen Wochentiteln büßt „Bild am Sonntag“ im Vergleich zum Vorjahr vor allem wegen sinkender Einzelverkäufe (EV) 9,3 Prozent ihrer Gesamtabsätze ein und landet im Frühjahr 2017 bei 914.379 Heften. Der Springer-Schwestertitel „Welt am Sonntag“ erleidet wegen deutlich sinkender EV und Bordverkäufe ein Minus von 8 Prozent auf 351.243 Stück. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ gleicht sinkende EV und Abos durch mehr Sonstige Verkäufe aus und hält den Gesamtabsatz somit recht stabil bei 251.011 Exemplaren.

Der "Spiegel" hält die Gesamtauflage stabil
Der "Spiegel" hält die Gesamtauflage stabil (© Spiegel)
Der „Spiegel“ schafft dank zart steigender EV und sonstiger Verkäufe trotz leicht rückläufiger Abos unterm Strich eine fast stabile (minus 0,8 Prozent) Gesamtauflage von 765.178 Heften; bereits 8 Prozent davon sind E-Papers. Beim „Stern“ drücken eine halbierte Bordauflage, aber auch stark sinkende Abos und Lesezirkel die Gesamtverkäufe (597.027) in ein Minus von 15,3 Prozent; die EV bleiben stabil. Die „Zeit“ muss nur wegen gesenkter Bordauflagen ein Mini-Minus von 1,3 Prozent auf 498.439 Stück verbuchen – Abo und EV liegen stabil. Und der „Focus“ handelt sich durch stark sinkende Bord- und sonstige Verkäufe ein Gesamtminus von 8,4 Prozent auf 438.055 Hefte ein; die Sinkraten von Abo und EV sind deutlich geringer.

Die „FAZ" verliert 6,1 Prozent
Die „FAZ" verliert 6,1 Prozent (© FAZ)
Unter den großen Tageszeitungen kann die „Süddeutsche Zeitung“ (340.333 Verkäufe) wegen nur leicht sinkender EV das Gesamtminus auf 2,9 Prozent begrenzen. Die „FAZ“ (237.120 Stück) verliert dagegen 6,1 Prozent, hauptsächlich wegen mit derselben Rate sinkender Abos. Die „Welt“ büßt vor allem wegen der starken Reduzierung der Bordexemplare knapp 5 Prozent ihrer Verkäufe (jetzt 171.433 Hefte) ein. Das „Handelsblatt“ erzielt durch abermals mehr E-Paper-Abos (wohl oft im Rahmen von Firmenpaketen) und mehr Sonstige Verkäufe eine stabile Gesamtauflage von 126.107 Stück (plus 0,2 Prozent). Über ein Drittel davon sind mittlerweile E-Papers. Dagegen verliert Deutschlands größte Zeitung „Bild“ (inklusive „BZ“) trotz Addition nun auch von „Fußball Bild“ 8,6 Prozent und verkauft täglich 1,8 Millionen Exemplare.

Beim Blick auf die größten Gewinner und Verlierer ist der Vorjahresvergleich der „harten“ Auflage (Abo plus EV) aussagekräftiger. Bei den absoluten Zugewinnen fallen hier neben Spiel- und Spezialtiteln etwa die Kombi „Nur TV plus“ (plus 79.500 auf 770.702 Hefte) auf, außerdem „Landidee“ (plus 31.768 auf 283.822), „Alles Gute“ (31.216 / 100.297) und „Freizeit Heute“ (27.546 / 171.548). Nach prozentualem Wachstum der „harten“ Verkäufe führen dieselben Titel, allen voran „Lego Ninjago“ (plus 48 Prozent auf 217.675 Hefte).

Die "Bild" muss Federn lassen
Die "Bild" muss Federn lassen (© Bild)
Und die Verlierer? Absolut gesehen führen wegen ihrer nach wie vor riesigen Auflagen die Programmies das Ranking der größten „harten“ Stückverluste an, etwa „TV 14“ (minus 128.305 Hefte auf immer noch sagenhafte 2,1 Millionen Hefte) und „TV Digital“ (minus 89.128 / 1,4 Millionen). Aber auch „Bild der Frau“ (minus 66.550 / 615.860) und „Meins“ (minus 57.649 / 86.199) verlieren deutlich – letzterem Best-Ager-Frauenmagazin scheint die Verdopplung der Erscheinungsfrequenz auf 14-täglich zumindest IVW-zähltechnisch bisher nicht gut bekommen zu sein.

Zu den großen prozentualen Verlierern bei der harten Auflage zählen neben „Meins“ (minus 40 Prozent) weitere Bauer-Titel wie „Cosmopolitan“ (minus 18 Prozent auf 115.999 Hefte), „Welt der Wunder“ (minus 17 Prozent / 147.147), „Intouch“ (minus 15 Prozent / 145.707) und „Closer“ (minus 14 Prozent / 111.203) – doch auch die G+J-Titel „Neon“ (minus 31 Prozent / 82.743) und „Brigitte Woman“ (minus 16 Prozent / 135.087) verlieren massiv, ebenso wie „Für Sie“ (minus 16 Prozent / 123.883) aus dem Jahreszeiten Verlag.

Der Blick auf die Segmente: Die Tageszeitungen insgesamt verlieren 4,3 Prozent verkaufte Auflage – allerdings weist die IVW mit 334 Titeln diesmal sechs weniger aus als noch im Vorjahresquartal. Der in den Verkaufszahlen enthaltene Anteil der E-Papers steigt von 5,2 auf 6,7 Prozent. Die 21 Wochenzeitungen halten sich dagegen wacker (minus 0,4 Prozent); ihr E-Papers-Anteil der Verkäufe steigt von 3,9 auf 5,4 Prozent. Die Publikumsmagazine verlieren mit 4,7 Prozent am stärksten, mit 755 gemeldeten Titeln zählt die Statistik diesmal jedoch 23 weniger als im Vorjahr. Der E-Papers-Anteil verharrt im homöopathischen 1-Prozent-Bereich – Zeitschriftennutzung scheint weiterhin vor allem von Papierhaptik zu leben.

Unter den Publikumsmagazinen bleiben die 28 IVW-gemeldeten Programmies im 2. Quartal mit durchschnittlich pro Erscheinungstakt insgesamt über 13,2 Millionen verkauften Heften das größte Segment*, verlieren gegenüber dem Vorjahr allerdings 4,1 Prozent. Die 76 meist seltener erscheinenden Wohn- und Gartentitel bilden mit 9,9 Millionen Heften nach Frequenz ungewichtet das zweitgrößte Segment (minus 5,1 Prozent). Auf Platz 3 folgen die monatlichen Frauenzeitschriften, die mit 9,1 Millionen Heften sogar ein dickes Plus von 7,6 Prozent schaffen – allerdings zählt die IVW hier diesmal 79 Titel anstatt nur 64.

In absteigender Auflagen-Reihenfolge ausgewählte weitere große* Segmente:
(4) Das nach Gesamtauflage viertgrößte Segment bilden die 31 aktuellen Magazine – von „Gala“ bis „Spiegel“ – mit insgesamt 8 Millionen Verkäufen. Sie verlieren leicht (minus 3,8 Prozent)
(5) Die fünftmeisten Hefte verkaufen die 33 Women's Weeklys: 7,1 Millionen Stück, und das Woche für Woche. Sie verlieren allerdings deutlich stärker (minus 7,1 Prozent)
(6) Gesundheitsmagazine leiden unter Schwindsucht: Ihre Verkäufe sinken binnen Jahresfrist um 28,9 Prozent auf 2,9 Millionen Stück – allerdings mit verminderter Titelzahl (15 statt 17)
(7) Nur noch 62 statt 66 Sporttitel erreichen 2,9 Millionen Verkäufe (minus 4,8 Prozent)
(8) Die 30 Food-Zeitschriften müssen trotz drei neu ausgewiesener Titel mit 2,5 Millionen Verkäufen ein Minus von 5,2 Prozent verdauen
(9) Kinderzeitschriften (2,4 Millionen Verkäufe) quengeln über ein dickes Minus von 17 Prozent – allerdings erfasst die IVW hier nur noch 49 statt 61 Titel. Auf deutlich niedrigerem Niveau (rund 600.000 Verkäufe) verlieren 16 Jugendtitel (Vorjahr: 18) mit minus 8,4 Prozent
(10) Auch die 29 IVW-gemeldeten Wirtschaftstitel bilanzieren trotz einer Neuanmeldung ein Minus von 3,2 Prozent auf 2,1 Millionen Hefte
(11) Die 30 Lifestyle-Magazine kommen auf 1,6 Millionen Hefte (minus 8,6 Prozent)
(12) Nur noch 27 statt 29 Wissenstitel erreichen 1,6 Millionen Verkäufe (minus 8,6 Prozent)
(13) Die 20 Elternzeitschriften kommen nur noch auf 1,2 Millionen Verkäufe (minus 5,2 Prozent)
(14) Zehn Reisemagazine bleiben wegen eines neuen Titels stabil bei 1,2 Millionen Heften
(15) Die nunmehr fünf 14-täglichen Frauenmagazine bleiben dank des Segment-Neuzugangs „Meins“ (bis 2/2016 monatlich) mit 1,1 Millionen Verkäufen fast stabil
(16) Leicht im Plus (1,4 Prozent) liegen die 16 Naturzeitschriften mit gut 1 Million Verkäufen

* Das größte Segment bilden die 41 Autotitel (16,9 Millionen Verkäufe; minus 1,4 Prozent). Der Großteil dieser Auflage entfällt allerdings auf die Mitgliederzeitschrift „ADAC Motorwelt“ (13,5 Millionen Hefte). rp

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