IOC-Präsident Thomas Bach "Wir wollen 365 Tage im Jahr präsent sein"

Donnerstag, 08. Oktober 2015
Thomas Bach
Thomas Bach
Foto: IOC/Alexander Hassenstein

Thomas Bach ist als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees einer einflussreichsten Sport-Manager der Welt. Für seinen Reformkurs und die Weiterentwicklung der Marke Olympia zeichnet HORIZONT ihn nun als "Player des Jahres" aus. Im Interview erläutert er seine Strategie, wie die Olympischen Spiele zu einer ganzjährig präsenten Marke werden sollen, die Attraktivität der Spiele für die Sponsoren und die Bewerbung Hamburgs um Olympia 2024.
Das Interview mit Thomas Bach führen wir in seinem Amtssitz, dem Château de Vidy in Lausanne, direkt am Ufer des Genfer Sees gelegen. Hier residiert das IOC seit 1968. Neben der historischen Villa wurde in den 80er Jahren ein Neubau errichtet, der demnächst bereits wieder einem deutlich größeren Neu-Neubau weichen muss. Bisher sind die mehr als 500 Mitarbeiter des IOC in Lausanne auf mehrere Standorte verteilt. Olympia ist ein wachsendes Unternehmen, Thomas Bach ein ambitionierter CEO der traditionsreichen Bewegung.

Thomas Bach über...

...über die bisherige mediale Verbreitung der Olympischen Spiele: "Wir waren zu sehr auf das klassische lineare Fernsehen konzentriert. In London haben wir aber die jugendlichen Zuschauer schon viel besser erreicht, über Apps und auf mobilen Endgeräten. Wir haben eine interessante Marktuntersuchung aus den Vereinigten Staaten. Dort sind die Olympischen Spiele tatsächlich das letzte verbliebene Programm für die ganze Familie. Aber während die Eltern fernsehen, verfolgen die Kinder die Wettbewerbe digital. Und sie klären die Eltern darüber auf, woher der Athlet kommt und was er unmittelbar nach dem Gewinn der Goldmedaille getwittert hat."

... den geplanten olympischen Online-Sender: "Wir wollen 365 Tage im Jahr mit olympischem Sport präsent sein. Das ist nötig, um die Relevanz unserer Sportarten zu erhalten und die Athleten in der jungen Zielgruppe zu verankern."

...und dessen thematische Ausrichtung: "Das wird ein bunter Mix. Sportveranstaltungen natürlich, zum Teil live. Geschichten über Athleten, über Freiwillige, über die olympische Geschichte. Hintergrundinformationen also, dazu aktuelle Nachrichten. Ein umfassendes digitales olympisches Programm für die ganze Welt."
Player des Jahres 2015
Bild: IOC/Alexander Hassenstein / Commerzbank / Sky

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...die Kernwerte der Reformagenda 2020: "Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit, Jugend. Diese drei Punkte adressieren wir in einer neuen Offenheit. Wir lassen uns beraten, hören zu, ziehen dann die Schlüsse."

...die Entscheidung, die Senderechte an den Olympischen Spielen 2018 bis 2024 an Discovery zu vergeben - und nicht an ARD und ZDF: "Wir haben im Anschluss an die Entscheidung gute Gespräche geführt. Unsere Partner bei ARD und ZDF wissen, dass wir mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden sind. Doch die Vielzahl an Plattformen, die wir künftig brauchen, kann uns Discovery bieten, nicht aber die öffentlich-rechtlichen Sender. Das liegt auch an gesetzlichen Einschränkungen, und das wissen ARD und ZDF."

Der Manager:

Das Florett war sein Sportgerät, als Fechter gewann Thomas Bach 1976 bei Sommerspielen in Montreal mit der deutschen Mannschaft die Goldmedaille. Die Planche hat der promovierte Jurist, Jahrgang 1953, geboren in Würzburg, aufgewachsen in Tauberbischofsheim, inzwischen mit dem diplomatischen Parkett getauscht – beim Florett ist er geblieben. Bach beherrscht die Konsenssuche im internationalen Sport ebenso perfekt wie die Mehrheitsbildung. Mit einem bemerkenswerten Reformprogramm und viel Geschick gelang ihm vor zwei Jahren der Sprung an die Spitze des IOC.
...die Attraktivität der Olympischen Spiele als Sponsoring-Plattform für Weltkonzerne: "Die Präsenz in 206 Ländern, die wir bieten, kann nur ein Weltkonzern aktivieren. Dass diese Unternehmen mit uns zusammenarbeiten, belegt die hohe Attraktivität der Marke Olympia. Unsere Partner haben keinen Nachholbedarf im Bekanntheitsgrad, sie identifizieren sich mit unseren Inhalten und Werten. Die langfristigen Verträge sowohl mit Fernsehsendern als auch mit Sponsoren sind Ausdruck des Vertrauens in die Olympischen Spiele, unsere Werte und die Good Governance des IOC."

...wie er die Hamburger überzeugen würde, für die Bewerbung ihrer Stadt um die Olympischen Spiele 2024 zu stimmen: "Mit dem Argument, dass die Spiele ihre Stadt positiv verändern werden. Wie in London kann in Hamburg ein ganz neues Stadtviertel im Hafen entstehen. Und im Olympischen Dorf entstehen Wohnungen. Olympia ermöglicht die Entwicklung der Stadt in einem Zeitraum, wie er niemals möglich wäre ohne den Druck des Datums, an dem die Eröffnungsfeier stattfindet." uv
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