House of Cards Warum Netflix bei seiner Erfolgsserie den Stecker zieht

Mittwoch, 01. November 2017
Kevin Spacey als US-Präsident Frank Underwood in "House of Cards"
Kevin Spacey als US-Präsident Frank Underwood in "House of Cards"
© David Giesbrecht / Netflix

Das Spiel ist bald aus für Frank Underwood. Der kalt berechnende Spitzenpolitiker aus der Serie "House of Cards" wird sich kommendes Jahr zum letzten Mal mit verschmitzter Miene an das Publikum wenden. Denn nach dann sechs Staffeln läuft das beliebte Netflix-Drama 2018 aus - und selbst ob es zu dieser Staffel kommt, ist nicht mehr sicher. Die Ankündigungen sind eine Überraschung - doch wie genau kam es dazu? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Worum geht es bei "House of Cards"?

Die 2013 gestartete Serie des Streaming-Anbieters Netflix ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Michael Dobbs und einer britischen TV-Serie. Sie dreht sich um den skrupellosen US-Politiker Frank Underwood (Kevin Spacey) und seine abgebrühte Frau Claire (Robin Wright). Intrigen, taktisches Geschacher und geheime Deals beherrschen die bisherigen fünf Staffeln. Underwood bringt es im Washingtoner Polit-Betrieb vom Kongressmitglied zum Präsidenten und wird dabei von seiner ebenso hinterlistigen Frau und ihren eigenen politischen Ambitionen in Schach gehalten.

Wie wichtig ist "House of Cards" für Netflix?

Die Serie war vor allem mit den ersten Staffeln ein Flaggschiff des Unternehmens. "House of Cards" war die erste eigens von Netflix produzierte und verbreitete Serie - und nach viereinhalb Jahren zugleich die dort am längsten laufende. Zusammen mit "Tote Mädchen lügen nicht", "Stranger Things" und "Black Mirror" zählte sie auch zu den erfolgreichsten Serien bei Netflix. In Deutschland wird sie auf Sky und ProSieben Maxx ausgestrahlt. Die Serie wurde unter anderem mit sieben Emmys und zwei Golden Globes ausgezeichnet.
Kevin Spacey Frank Underwood House of Cards
Bild: David Giesbrecht / Netflix

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Warum lässt Netflix die Serie dann auslaufen?

Netflix hat laut US-Medien erklärt, die Entscheidung sei schon vor Monaten gefallen. Nach einer sehr starken ersten Staffel nahm das Niveau der Serie ab, trotz großer Szenen war die eigentliche Geschichte bald erzählt. Wie so viele Serien erlitt auch "House of Cards" das Schicksal, irgendwie weitergehen zu müssen. Es wird aber vermutet, dass bei dem Entschluss auch nun bekannt gewordene Vorwürfe gegen Spacey eine Rolle gespielt haben könnten.

Worum geht es bei diesen Vorwürfen?

Der 46-jährige Schauspieler Anthony Rapp ("A Beautiful Mind", "Star Trek: Discovery") hat Spacey eines sexuellen Übergriffs vor rund 30 Jahren beschuldigt. Er selbst sei bei den Vorgängen erst 14 Jahre alt gewesen, Spacey 26 Jahre. Rapp wirft Spacey vor, ihn 1986 nach einer Party in seinem Apartment in New York auf sein Bett gelegt zu haben und auf ihn gestiegen zu sein. Der Oscar-Preisträger Spacey outete sich kurz nach den Vorwürfen als schwul.

Hat Netflix zu Rapps Vorwürfen Stellung bezogen?

Ja, Netflix und die "House of Cards"-Produktionsfirma Media Rights Capital erklärten laut "New York Times", sie seien "zutiefst beunruhigt" von den Nachrichten. Vertreter beider Unternehmen hätten in Baltimore die Crew und die Schauspieler der Serie getroffen, um ihnen Unterstützung zuzusichern. Selbst wenn der Entschluss zum "House of Cards"-Ende also schon längst gefallen war, könnten Rapps Vorwürfe Netflix dazu bewogen haben, das Ende jetzt auch öffentlich zu verkünden und sich damit von Spacey zu distanzieren.
Kevin Spacey
Bild: Bits & Pretzels

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Wie könnte "House of Cards" enden?

In den 13 Folgen der sechsten und dann letzten Staffel wäre viel Raum für unerwartete dramaturgische Wendungen. Allerdings hat Netflix am Dienstag angekündigt, diese Produktion "bis auf Weiteres" zu stoppen, um "die derzeitige Situation" zu prüfen. Kommt es hart auf hart, müssen sich Fans also vielleicht sogar mit der fünften Staffel als Schlusspunkt zufrieden geben. Dem Magazin "Variety" zufolge sind aber mindestens drei sogenannte Spinoff-Projekte im Gespräch, von denen sich eines um Underwoods Berater Doug Stamper (Michael Kelly) dreht. Selbst nach dem Aus der Serie könnten einige Figuren also fortleben. Johannes Schmitt-Tegge, dpa

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