Horizont Medienmann Manfred Braun „Wir brauchen eine mentale Schubumkehr“

Mittwoch, 23. Dezember 2015
Funke-Chef Manfred Braun
Funke-Chef Manfred Braun
Foto: Funke
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Es war einer der spektakulärsten Deals der vergangenen Jahre: 2014 übernahm die Funke Mediengruppe Zeitungen und Zeitschriften von Axel Springer - und legte dafür satte 920 Millionen Euro auf den Tisch. Viele fanden das damals tollkühn bis abenteuerlich, zwei Jahre später wählt eine hochkarätige Jury Funke-Chef Manfred Braun zum HORIZONT Medienmann des Jahres.

Unter seiner Führung stiegen die Essener von einem regionalen Zeitungshaus zu einem der wichtigsten Medienhäuser Deutschlands auf. Und die Geschichte geht weiter: Zusammen mit Axel Springer will Funke mit dem gemeinsamen Vermarkter Media Impact eine echte Wachstumsgeschichte hinlegen - und bei der sich abzeichnenden Konsolidierung eine zentrale Rolle spielen. Auch bei der Gründung des nationalen Zeitungsvermarkters „Lotus“ sind die Essener einer der entscheidenden Protagnosten.

Den Preis bekommt Braun nicht nur für seine unternehmerische Leistung, sondern auch für seine Rolle als einer der wichtigsten intellektuellen Taktgeber der Branche.  Braun gilt als großer Verfechter von Print und appelliert an einen neuen Innovationsgeist in der Branche. Im Interview mit HORIZONT Online sagt er: „Es gibt noch genügend Platz für klassischen Journalismus, allerdings werden wir uns anpassen müssen. Und wissen Sie was? Das wird sogar zu Verbesserungen führen! Dafür müssen viele von uns runter von der Wolke. Ein bisschen mehr Selbstkritik würde uns allen gut tun. Was wir brauchen, ist eine mentale Schubumkehr.“

Im Interview mit HORIZONT Online spricht Braun auch über sein Führungsverständnis und die Managementqualität in der deutschen Verlagsbranche.

Manfred Braun über:

… das weit verbreitete Bild von zynischen Chefs

Zynismus und Sarkasmus sind absolut tödlich in Führungspositionen. Es gibt Manager - ich nenne jetzt keine Namen, aber ich habe solche zur Genüge erlebt -, die die Welt von oben sehen, sich überlegen fühlen, glauben, sie könnten alles allein. Das ist ein Irrglaube, man ist immer auf andere angewiesen. Mir gefällt am besten das Bild des Dirigenten. Können Sie sich einen Dirigenten ohne Orchester vorstellen?“

… die Managementqualität früher und heute

„Sie müssen heute mit viel mehr Fakten viel schneller umgehen können. Insofern ist die Arbeit sicher anspruchsvoller geworden. Auf der anderen Seite gab es früher eine größere Produktorientierung. Wenn ich heute Manager der jüngeren Generation nach ein paar Standards wie die Positionierung eines Titels oder Vertriebszahlen frage, erfahre ich nicht immer Überzeugendes. Stattdessen höre ich viel Managementjargon in Endlosschleifen. Die Breite an Wissen ist heute zwar enorm, dafür fehlt es aber hier und da an Tiefe. Ich glaube, es genügt nicht, sich nur in Assistenzjobs für höhere Aufgaben zu empfehlen. Wenn Sie ein guter Manager sein wollen, müssen Sie schon einmal im Vertrieb, im Anzeigengeschäft oder in einer Redaktion einen Job gemacht haben. Sie müssen das Tagesgeschäft aus nächster Nähe miterlebt und gestaltet haben.“

… seinen Werdegang in der Verlagsbranche

Ich glaube, mich hat die Leidenschaft für Zeitschriften und Zeitungen geleitet. Während meiner Ausbildung in Hamburg habe ich bei Bauer gearbeitet und schnell gemerkt: Das ist meine Branche. Ich bin über Vertriebsbereiche in den Verlag gewachsen und bekam in sehr jungen Jahren schon Führungsaufgaben. Für mich gibt es keine interessantere Branche - und vor allem keine mit so vielen interessanten Menschen.“

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 … die Zukunft von klassischem Journalismus in Zeiten von Facebook

Kommunikation hat so viele Aspekte: Information, Unterhaltung - und das mit ganz unterschiedlichen Tiefenwirkungen. Natürlich ist Facebook wichtig, wobei das auch erst noch den „test of time“ bestehen muss. Aber daneben gibt es noch genügend Platz für klassischen Journalismus. Allerdings werden wir uns anpassen müssen. Und wissen Sie was? Das wird sogar zu Verbesserungen führen! Dafür müssen viele von uns runter von der Wolke. Wir dürfen nicht mehr von oben runter gucken und uns fragen: Was geben wir den Lesern denn heute? Sondern wir müssen erspüren, was sie wirklich haben wollen. Ein bisschen mehr Selbstkritik würde uns allen gut tun. Was wir brauchen, ist eine mentale Schubumkehr.“

… die Entwicklung bei Funke

Wir haben aus einem Regionalverlag ein nationales Medienunternehmen geformt und werden als solches auch zunehmend wahrgenommen. Wir haben unsere Wurzeln im Ruhrgebiet, und das werden wir auch nie vergessen. Aber wir sind inzwischen eben auch aus Niedersachsen, Thüringen, Hamburg, Berlin und München nicht mehr wegzudenken. Auch intern hat sich sehr viel verändert. Wir hatten hier früher Blöcke wie Nord- und Südkorea. Heute ist die Stimmung eine ganz andere - wir haben bei aller Arbeit hier Spaß, es wird viel gelacht, offen diskutiert und das Zusammenspiel zwischen Michael Wüller und mir klappt hervorragend. Wir alle wollen Funke weiterentwickeln und in eine gute Zukunft führen.“

 … das Jahr nach der Übernahme der Springer-Titel

Ich war schon unruhig. Ich nehme die Verantwortung gegenüber den Gesellschaftern sehr ernst. Petra Grotkamp und die anderen Gesellschafter haben viel Geld in die Zukunft des Unternehmens investiert. Umso glücklicher bin ich, dass sich die Dinge in eine gute Richtung entwickeln.“

Der Deutsche Medienkongress

Das Event zum Jahresauftakt ist der Deutsche Medienkongress, der am 20. und 21. Januar 2016 rund um die Verleihung des HORIZONT Award stattfindet. Keynote-Speaker beim Award ist Gordon Crovitz, ehemaliger Vice President von Dow Jones und einer der Top-US-Internetberater und -Unternehmer. Das Motto des Medienkongresses lautet: „Wandeln oder weichen – Zukunftsstrategien der disruptiven Medienwelt“. Redner sind unter anderem Jean-Marie Dru, TBWA; Christian Krug, „Stern“; Steven Althaus, BMW; Marianne Dölz, Facebook; Katharina Borchert, Mozilla; Jan Bayer, Axel Springer; und Tina Beuchler, Nestlé. Zur Anmeldung

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