Homeless Media Google News und Facebook sind die wichtigsten Nachrichtenlieferanten

Donnerstag, 21. April 2016
Die Google-Suche ist ein wichtiger Nachrichtenlieferant
Die Google-Suche ist ein wichtiger Nachrichtenlieferant
Foto: Claudio/Colourbox

Wenn Internetnutzer Nachrichten suchen, tun sei das eher über die Google-Suche als direkt auf den Homepages der Medienunternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von Next media Hamburg. Dafür wurden 1000 Internetnutzer zwischen 18 und 60 Jahren in Deutschland befragt. Die Studie hält noch eine weitere interessante Einsicht bereit: Snapchat hat, trotz all dem Hype um die App, als Nachrichtenlieferant in Deutschland keine Bedeutung.
60 Prozent der Deutschen kommen über die Google-Suche an Nachrichten. Die weltgrößte Suchmaschine hat dabei für Nutzer aller Altersschichten eine große Bedeutung. Allerdings setzen die Ü50-User (66 Prozent) stärker auf die Google-Suche als die unter 30-Jährigen (54 Prozent). Immerhin fast jeder Zweite (48 Prozent) steuert Nachrichtenwebsites direkt an. Der drittwichtigste Weg zu Nachrichten sind soziale Netzwerke: Über Social-Media-Präsenzen von Medienhäusern gelangen bereits 28 Prozent der Deutschen an News. Hier zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede in den einzelnen Altersgruppen: Während immerhin 48 Prozent der jungen User (18 bis 29 Jahre) in sozialen Netzwerken auf Nachrichteninhalte von Medien stoßen, sind es bei den 50- bis 60-Jährigen gerade einmal 18 Prozent. Als wichtigste Nachrichtenlieferanten folgen Hinweise von Freunden und Bekannten auf Social Media-Plattformen (23 Prozent), Messenger-Dienste von Medien (18 Prozent) und Messenger-Nachrichten von Freunden und Bekannten (14 Prozent). Diese Ausdifferenzierung der Nachrichtenverbreitung macht derzeit unter dem Schlagwort "Homeless Media" die Runde - auch Next Media Hamburg hat die Studie in einem Digitalmagazin zu diesem Thema veröffentlicht.
(Bild: Next Media Hamburg)
Schaut man auf die Bedeutung der einzelnen sozialen Netzwerke bei der Nachrichtenverbreitung, macht Facebook einmal mehr seine überragende Stellung deutlich: Fast jeder Zweite (45 Prozent) stößt dort auf Nachrichten. Das Darstellungsformat Instant Articles, mit dem Facebook verstärkt zur Heimat von Nachrichteninhalten werden will, wird dabei allerdings offensichtlich noch nicht wirklich wahrgenommen: 28 Prozent der Befragten kennen das Tool überhaupt nicht, 38 Prozent haben es noch nicht genutzt und nur rund jeder Dritte (34 Prozent) hat schon einmal Instant Articles gelesen.

Dennoch finden es 41 Prozent der Social-Media-Nutzer sehr wichtig oder wichtig, dass Nachrichteninhalte plattformspezifisch aufbereitet werden – wie eben mit Instant Articles. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar mehr als die Hälfte (52 Prozent). Auswirkungen auf Nutzung und Bekanntheit von Instant Articles dürfte die Demokratisierung des Formats haben: Seit dem 12. April können alle Publisher weltweit Instant Articles nutzen.
(Bild: Next Media Hamburg)
Youtube, Google+ und Twitter werden jeweils von nicht einmal zehn Prozent der Befragten als Nachrichtenquelle genannt. Auf sage und schreibe 0 Prozent kommt Snapchat: Die Hype-App zieht derzeit immer mehr Werbungtreibende an, die Medien haben die Instant-Messaging-Anwendung bereits entdeckt, seit das Discover-Tool das Licht der Welt erblickte. Dass Snapchat als Nachrichtenkanal hierzulande praktisch inexistent ist, dürfte auch mit den noch spärlichen Nutzerzahlen zusammenhängen. Der Journalist und Blogger Christian Buggisch schätzt, das Snapchat in Deutschland etwa 3 Millionen Nutzer hat - bei 200 Millionen weltweit. Steigt die Nutzerzahl weiter an - und darauf deutet derzeit vieles hin -, dürfte die App auch bei uns an Relevanz gewinnen.
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Bild: HORIZONT-Screenshot

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Schon allein deshalb, weil Social Media als Nachrichtenlieferant von den Nutzern explizit nachgefragt wird: Durchschnittlich 27 Prozent wünschen sich, dass Medienhäuser den Kontaktweg über soziale Netzwerke auch weiter ausbauen, um die User zukünftig besser mit Nachrichten zu versorgen. Ähnlich beliebt sind Newsletter per Mail (26 Prozent) und Messenger-Dienste, etwa über Whatsapp (21 Prozent). Spitzenreiter sind jedoch Push-Benachrichtigungen wie Eilmeldungen, bei denen sich knapp ein Drittel (32 Prozent) sogar noch mehr Aktivitäten wünscht.

Außerdem ist den Usern durchaus wichtig, woher eine Nachricht kommt: 
Für 63 Prozent der Befragten spielt der Anbieter von Nachrichten eine große oder sehr große Rolle, nur für neun Prozent ist dieser irrelevant. ire
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