Hoeneß-Prozess Spott und mediale Schnappatmung

Donnerstag, 13. März 2014
Mit diesem Motiv nimmt Blush Uli Hoeneß aufs Korn (Bild: Glow)
Mit diesem Motiv nimmt Blush Uli Hoeneß aufs Korn (Bild: Glow)


Der Steuer-Prozess gegen Uli Hoeneß beherrscht nach wie vor die Nachrichtenseiten in Print und Online. Dass der Präsident des FC Bayern München viel mehr Geld am Fiskus vorbeigeschleust haben soll als zunächst angegeben, ließ die mediale Welle nur noch mehr anschwellen. Hinzu gesellt sich der Spott im Netz. Die "Bild" hat schon vor dem offiziellen Urteil klare Vorstellungen davon, wie der Richterspruch zu lauten hat: "Verknackt Hoeneß!" titelt die Boulevardzeitung in gewohnt plakativer Art heute. Das ist insofern bemerkenswert, als für den Angeklagten zwischen Freispruch und 10 Jahren Haft noch alles drin ist. Ob Hoeneß am Ende gar freikoomt, wird davon abhängen, ob das Gericht seine Selbstanzeige aus dem vergangenen Jahr für gültig erklärt. "Die Steuerschuld plus Zinsen müsste er aber in jedem Fall bezahlen", schreibt Spiegel Online, das den Prozess nach wie vor mit einem Live-Ticker begleitet. Auf der Facebook-Fanpage der "Bild" sorgt das Titelbild denn auch für heftige Diskussion: Bis dato liefen mehr als 1.500 Kommentare dazu auf.

Andernorts begegnet man den exorbitanten Summen, mit denen im Hoeneß-Prozess mittlerweile hantiert wird (die verhandelte Steuerschuld lag zunächst bei 3,5 Millionen Euro und sprang durch die Enthüllungen während des Verfahrens schließlich auf 27,2 Millionen Euro hoch) mit Sarkasmus. Immer schnell dabei, wenn es um die werbliche Ausschlachtung aktueller Ereignisse geht, ist Blush. Das Berliner Modelabel reagierte auch diesmal fix und ließ von seiner Stammagentur Glow ein neues Motiv entwerfen: "Während Uli Hoeneß durch die Papiere aus dem Wäschekorb der Steuerfahnderin keine gute Figur macht, umschmeichelt die Wäsche von Blush das Model perfekt", erläutert die Agentur ihr Motiv, das den Titel trägt "Lieber Uli, so lässt man die Hosen runter."

Häme regiert derweil auch auf diversen Websiten, manche wurden eigens dafür aufgesetzt. Die "Titanic" etwa hat ein Selbstanzeige-Formular ins Netz gestellt, das mit Fragetsellungen daher kommt wie "Von meiner Selbstanzeige erfahren soll... "niemand", "der Focus, die Süddeutsche und Günther Jauch", "die Flitzerin im schwarzen BH (Bayern-Freiburg)". Die Website wievielschuldetuli.de etwa listet auf, was man alles für 27,2 Millionen Euro bekommt (zum Beispiel 9.066.666 Stadionwürsten). Auf wie-viel-hat-uli-hinterzogen.de werden die Meldungen über aktuelle Entwicklungen im Prozess aggregiert, eine Steueruhr im Kopfbereich der Seite zeigt die aktuelle Summe, um die es geht. ire
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