Herausforderung im Marketing Accenture-Manager Balensiefer: „Mehr Daten in Echtzeit nutzen"

Montag, 13. Februar 2017
Rainer Balensiefer, Geschäftsführer Accenture Interactive
Rainer Balensiefer, Geschäftsführer Accenture Interactive
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Accenture SAP IBM Werbungtreibende


Unternehmen wie Adobe, SAP, Accenture und IBM haben tiefe Einblicke in das, was große Werbungtreibende umtreibt. Sie gelten als die neuen Angreifer im Mediabusiness. In einer Serie stellt HORIZONT die wichtigsten Akteure und ihre Geschäftsmodelle vor. Rainer Balensiefer, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Accenture Interactive, spricht im Interview über den Wettbewerb und Trendthemen 2017.

Herr Balensiefer, in wieweit haben sich die Erwartungen Ihrer Kunden in den vergangenen Jahren verändert? Viele großen Unternehmen haben geschaut, wo sie in der Kundeninteraktion stärker automatisieren können, um besser zu skalieren. Automatisieren erfordert in dem Fall, die Datenpunkte über die Kanäle Digital, Social, Mobile oder Loyality-Programme hinweg zu kombinieren, um Kunden besser zu verstehen. Es geht nicht immer darum zu wissen, ob Frau Schmidt in München wohnt, sondern was sie für ein Typ ist und wie man sie am besten erreichen kann. Dies haben CMOs in ihre Anforderungen an die Dienstleister übersetzt: Es geht darum, mehr Daten in Echtzeit nutzen zu können und einheitliche technische Lösungen zu schaffen, so dass man nicht in jedem Land oder jedem Geschäftsfeld eine andere baut, um Daten zu nutzen – Stichwort Skalierung. Dadurch entsteht eine viel höhere Effektivität im Marketing.

Zu wem steht Accenture Interactive aus Ihrer Sicht am ehesten im Wettbewerb? Wie bieten das komplette Spektrum an, von der Strategie- und Managementberatung über Technologieberatung und -umsetzung, bis hin zum Outsourcing und in allen digitalen Themen. Im Markt gibt es dafür vier Segmente an Dienstleistern: Die klassischen Strategie- und Managementberatungen, die zum Teil Marketing- und Saleskompetenz aufgebaut haben. Dann die Anbieter aus der Technologie, also die klassischen Systemintegratoren oder technologiebasierten Beratungsunternehmen. Drittens Outsourcingdienstleister, die auf den Betrieb von Services fokussiert sind. Und zuletzt die digitalen Unternehmen und Agenturen, die eher aus der Kreativszene kommen.

In welchem der vier Bereiche ist für Sie am meisten zu holen? Für uns gibt es nicht den einen Wettbewerber. Wir konkurrieren je nach Kundensituation mit verschiedenen Dienstleistern aus jedem der vier Cluster.

Beratung haben auch die Mediaagenturen wieder für sich entdeckt. Wie sehen Sie deren Rolle in der Zukunft? Natürlich kann die Beratungskompetenz auch von Agenturen kommen. Die Mediaagenturen müssen für sich beantworten, wo ihr USP in Zukunft liegt und wofür ein CMO in fünf Jahren in großem Stil eine Mediaagentur engagieren soll. Wenn man Programmatic und Automatisierung und den Trend Direct-to-Customer zusammenfasst, dann ist die Frage, was das Geschäftsmodell der Mediaagenturen in der Zukunft ist, durchaus berechtigt.

Machen Sie auch Mediaeinkauf? Nein. Wir haben ein starkes Media Audit Team und sind damit weltweit einer der Top Player. Die Kollegen arbeiten eng mit Unternehmen und Mediaagenturen zusammen und prüfen die Qualität von Einkauf und Leistungswerten. Das Auditing muss unabhängig und autark funktionieren. Daher wollen wir auch in Zukunft nicht im Einkauf tätig werden.

Welche Themen sehen Sie als zentral an im Jahr 2017? Wir sehen weitere Wachstumsfelder im Bereich Artificial Intelligence und Virtual Reality, wie auch aus unseren Studien "Fjord Trends 2017" und "Technology Vision 2017" hervorgeht. Artificial Intelligence wird ein großes Thema sein, das die Kundenerlebnisse verändert. Mit Chatbots haben wir selbstlernende Systeme im Kundenservice, die schnell erkennen, ob sie das Problem lösen oder an einen Menschen weitergeben müssen. bei Augmented Reality und Virtual Reality verschmelzen digitale und reale Welt. Das wird ein großer Touchpoint, der Kundenerlebnisse ebenfalls fundamental verändern wird.

Müssen Sie erst noch Teams aufbauen? Nein. Wir betreiben weltweit ungefähr 40 Techlabs und Studios. Wir verfügen damit über umfassendes Knowhow, das wir für konkrete Fragen von Kunden aus der DACH-Region jederzeit nutzen können. Interview: pap

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