"Henssler hinter Gittern" LKA Niedersachsen kritisiert RTL für Gefängnis-Kochshow

Mittwoch, 16. Juli 2014
Steffen Henssler will Häftlingen Perspektiven für die Zeit nach dem Gefängnis aufzeigen (Foto: RTL)
Steffen Henssler will Häftlingen Perspektiven für die Zeit nach dem Gefängnis aufzeigen (Foto: RTL)

Rüffel für RTL: Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat den TV-Sender für sein neues Dokuformat "Henssler hinter Gittern" scharf kritisiert. In der Kochshow, bei der Starkoch Steffen Henssler Häftlinge zu Küchenhilfen machen will, tritt unter anderem ein Gefängnisinsasse auf, der 2007 an einem siebenfachen Mord in einem Restaurant beteiligt war. RTL selbst weist die Vorwürfe zurück. Als eines "der schlimmsten Verbrechen, das es nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat", bezeichnet das LKA in Niedersachsen die Tat aus dem Februar 2007, bei der sieben Menschen in einem Sittensener China-Restaurant ums Leben kamen. Und jetzt tritt einer der Haupttäter auch noch in dem neuen RTL-Format auf.

Henssler mit den Teilnehmern des TV-Formats - links neben ihm Van Hiep V. (Foto: RTL)
Henssler mit den Teilnehmern des TV-Formats - links neben ihm Van Hiep V. (Foto: RTL)
Für Uwe Kolmey, Präsident des LKA Niedersachsen, ist das ein absolutes "No-Go": "Resozialisierung ist bewiesenermaßen der richtige Weg für inhaftierte Straftäter. Aber Resozialisierung auf diesem Wege über Massenmedien? Welche Signale wirken auf die Familienangehörigen der Opfer? Welche Botschaft kommt bei immer noch Trauernden, insbesondere bei der neunjährigen Tochter des Betreiberehepaares an?", so Kolmey, der klarstellt: "Die Ermittler und die Behördenleitung des Landeskriminalamtes Niedersachsen distanzieren sich von dieser Form der öffentlichen Darstellung eines verurteilten Straftäters".

Der TV-Sender distanziert sich unterdessen von den Vorwürfen des LKA: "Es geht bei 'Henssler hinter Gittern' nicht darum, Straftätern eine Bühne zu geben, sondern darum, inhaftierten Straftätern eine Chance auf Resozialisierung zu bieten", so RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer in einem Statement gegenüber "Express.de". "Die Strafgefangenen und ihre Taten werden in keinster Weise glorifiziert. Es wird nichts beschönigt oder gerechtfertigt. Die Dokumentation wurde in enger Absprache mit der JVA Bremen erstellt."

Das LKA hatte die Tat seinerzeit mit einer über 100-köpfigen Sonderkommission aufgeklärt. Van Hiep V., der als einer von elf Teilnehmern in dem TV-Format auftritt, wurde schließlich wegen Raubes mit Todesfolge zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt - und kocht jetzt vor einem Millionenpublikum mit Steffen Henssler. tt
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