"Hell's Kitchen" im HORIZONT-Check Harte Schale, weicher Kern

Donnerstag, 08. Mai 2014
Frank Rosin und seine Kochlehrlinge (Foto: Sat 1)
Frank Rosin und seine Kochlehrlinge (Foto: Sat 1)


Ganze neun Jahre, nachdem sich RTL mit einer deutschen Version der britischen Kochshow "Hell's Kitchen" die Finger verbrannte, unternimmt Sat 1 noch einmal einen neuen Anlauf. Statt Christian Rach, für den "Teufels Küche" immerhin zum Ausgangspunkt seiner TV-Karriere wurde, gibt bei Sat 1 Sternekoch Frank Rosin den gestrengen Küchenmeister. In punkto Aggressivität kann der TV-Koch aus dem Pott "Küchen-Ninja" Gordon Ramsay aus dem britischen Original zwar nicht das Wasser reichen - allerdings drückt Rosin dem Format seinen ganz eigenen Stempel auf.
Am Ende konnte Frank Rosin der Versuchung, den legendären Wutausbrüchen von Gordon Ramsay nachzueifern, dann doch nicht widerstehen. Nachdem seine elf prominenten Küchenlehrlinge drei Stunden lang vergeblich versucht hatten, die Rezepte des Sternekochs für 60 Gäste nachzukochen, räumte Rosin die verhunzten Teller kurzerhand ab und beendete das Trauerspiel. "So eine Blamage habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. Ihr habt als Team versagt", blaffte er die verdatterten Promis an, nachdem die Gäste "Hell's Kitchen" mit knurrendem Magen wieder verlassen mussten. Als er seine Schützlinge zum Rapport bestellte, kam allerdings schon wieder der echte Frank Rosin zum Vorschein: Anders als angedroht, musste am Ende der ersten Sendung kein Kandidat die Show verlassen. "Respekt vor dem Herrn Rosin", kommentierte der ehemalige Fußball-Profi Thorsten Legat die Entscheidung des Küchenchefs.

Frank Rosin ist eben nicht Gordon Ramsay - und dass er nicht versucht, den Küchenberserker aus Schottland einfach nachzuahmen, ist schon einmal ein großer Pluspunkt. Denn ansonsten orientiert sich die deutsche Neuauflage von "Hell's Kitchen" sehr stark an der erfolgreichen Vorlage aus Großbritannien und den USA: Elf Prominente müssen sich unter Anleitung von Küchenchef Rosin in einer Profiküche beweisen und möglichst schnell auf Top-Niveau kochen lernen. Wer nicht mithalten kann, fliegt raus. Jeden Tag muss ein Promi das Team verlassen. Das Tempo ist hoch, der Ton rau. Die Originalversion der Show genießt dank der Wutausbrüche und markigen Sprüche des schottischen Spitzenkochs Gordon Ramsay Kultstatus. In Deutschland versuchte sich RTL bereits 2005 an einer deutschen Umsetzung mit Christian Rach - die allerdings floppte.

Insofern ist es zumindest mutig von Sat 1, mit "Hell's Kitchen" neun Jahre später noch einmal einen neuen Anlauf zu wagen. Das Konzept ist ebenso bekannt wie das Original-Format, das in Deutschland bei Viva zu sehen war. Insofern muss die Neuauflage vor allem durch ihre Besetzung überzeugen.

Die Mischung der Promis erinnert fatal an "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus": Neben alternden Stars wie Schauspielerin Christine Kaufmann, Ex-Bundesliga-Profi Thorsten Legat oder Ex-Viva-Moderator Niels Ruf tummeln sich vor allem TV-Sternchen wie "GNTM"-Kandidatin Kasia Lenhard, Schauspieler Manuel Cortez ("Verliebt in Berlin"), Rapperin Lady Bitch Ray, Schlagersänger Mickie Krause, Volleyballer Julius Brink, Moderatorin und Ex-Miss-Tuning Katharina Kuhlmann sowie das aus "TV Total" bekannte Ehepaar Ingrid und Klaus in "Hell's Kitchen". Alle wohnen während der Aufzeichnung der Show acht Tage lang direkt über dem Restaurant - Zoff und Lagerkoller inklusive. Die Mischung birgt Zündstoff: In der ersten Folge gifteten sich Lady Bitch Ray und Thorsten Legat in der Küche schon mal ordentlich an.

Stehen und fallen dürfte das Format allerdings vor allem mit Restaurantchef Frank Rosin. Und der kann als sprücheklopfendes Küchenraubein mit Herz durchaus überzeugen. "Das kannst du nur besoffen essen", kanzelte er die Bulette von Schlagerbarde Mickie Krause beim ersten Kochtest ab. Wer den Sternekoch aus dem Ruhrpott aus Formaten wie "Rosins Restaurant" oder "The Taste" kennt, weiß, dass der Sternekoch das Herz auf der Zunge trägt und sich für "Hell's Kitchen" nicht verbiegen musste - auch wenn die eine oder andere Szene etwas inszeniert wirkte.

Dem Publikum mundete der erneute Aufguss der Küchenshow aber trotzdem nicht besonders gut: Die erste Folge lockte gerade einmal 1,63 Millionen Zuschauer in "Hell's Kitchen", in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kam die Sendung mit gerade einmal 840.000 Zuschauern nur für einen lauwarmen Marktanteil von 7,9 Prozent. Auch die Reaktionen im Netz fielen durchwachsen aus. Im Gegensatz zu den großen Küchenklassikern, die einfach immer wieder gut schmecken, haben die meisten TV-Formate eben ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. Das von "Hell's Kitchen" scheint bereits abgelaufen zu sein. dh

Ex-Fußball-Profi Thorsten Legat und Lady Bitch Ray (Foto: Sat 1)
Ex-Fußball-Profi Thorsten Legat und Lady Bitch Ray (Foto: Sat 1)
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