Heldenhafter Neuer, angriffslustiger Mertesacker So reagieren Netz und Medien auf den deutschen Zittersieg

Dienstag, 01. Juli 2014
Per Mertesackers Interview nach dem Spiel schaffte es in die Twitter-Trends (Bild: ZDF)
Per Mertesackers Interview nach dem Spiel schaffte es in die Twitter-Trends (Bild: ZDF)


Nein, ein Vergnügen war es wahrlich nicht, der deutschen Mannschaft dabei zuzusehen, wie sie sich gegen Algerien zu einem hart erkämpften 2:1 Sieg mühte. Abgesehen von der Erkenntnis, dass Deutschland es bei der WM ins Viertelfinale geschafft hat: was bleibt von diesem Spiel? Selbst die deutschen Medien klingen am Tag nach dem Spiel seltsam ratlos. Zwei Namen werden derweil intensiv diskutiert: Manuel Neuer und Per Mertesacker.

Twitter-Reaktionen auf Manuel Neuers Wahnsinnsspiel:

Nicht nur die Medien attestieren Manuel Neuer eine titanengleiche Leistung - vor allem auf Twitter wird der Nationaltorhüter von den Nutzern für sein beherztes Eingreifen ins Spiel gefeiert, darunter sind natürlich auf fußballinteressierte Vertreter aus der Werbebranche. Hier einige ausgewählte Twitter-Reaktionen:























Ganz andere Sorgen haben derweil Amir Kassaei und Thomas Knüwer: Den weltweiten Kreativchef von DDB treibt vor allem das schwache Spiel der deutschen Mannschaft um, für das er Bundestrainer Joachim Löw verantwortlich macht. Knüwer sorgt sich um dem Abwärtstrend im Spiel der DFB-Elf.


Per Mertesackers Interview-Ausraster:


Unmittelbar nach Abpfiff etwas zu einem derart schwachen und knappen Spiel sagen zu müssen, ist wirklich eine undankbare Aufgabe. Wie Verteidiger Per Mertesacker aber ZDF-Mann Boris Büchler für dessen Fragen abkanzelte, wird auf Twitter auch kritisch gesehen. Dort schaffte es der Hashtag #Mertesacker sogar in die Top-Trends und liegt momentan noch auf Rang zwei.

Während die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sich an das legendäre Interview von ZDF-Anchorwoman Marietta Slomka mit SPD-Mann Sigmar Gabriel erinnert fühlte, werfen einige User Mertesacker fehlenden Anstand vor:




Ein Twitter-Nutzer vermutet als Grund fürs Mertesackers Ausraster, dass die deutschen Nationalspieler von den deutschen Medien ansonsten zu sehr in Watte gepackt werden:


Als Ultima Ratio für den ansonstens so besonnenen Blondschopf bleibe wohl nur ein Werbevertrag mit Snickers, witzelt ein User. Auch in den Werbespots der Schokoriegel-Marke geht es um Menschen, die gegen ihre Natur die Contenance verlieren:

Ausgewählte Pressestimmen zum Spiel:

Lars Wallrodt, Welt Online
So nicht, meine Herren! Was die deutsche Mannschaft in der ersten Halbzeit gezeigt hat, ist mit schwach noch nett umschrieben. Wer gegen Algerien drei, vier Mal in Konter rennt, weil der Ball im Mittelfeld durch Unkonzentriertheiten vertändelt wird, ist nicht mit der richtigen Einstellung ins Spiel gegangen. Und das kann bei einer Weltmeisterschaft tödlich sein.

Peter Ahrens und Rafael Buschmann, Spiegel Online
Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat das Viertelfinale erreicht. Aber die Art und Weise, wie die DFB-Elf dem Turnier-Aus entkommen ist, wird in den nächsten Tagen noch viel diskutiert werden. Eine über weite Strecken an der Grenze zur Überforderung agierende Verteidigung und eine Offensive, die hochkarätige Chancen ausließ - wie ein Turnierfavorit präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Joachim Löw gegen die leidenschaftlich kämpfenden und spielenden Algerier nur in einigen Passagen.

Klaus Hoeltzenbein, Süddeutsche.de
Warum fand diese begabte Elf wie schon gegen Ghana (2:2), gegen die USA (1:0) erst spät aus dem Siesta-Modus heraus ins Spiel? Warum wandelte sie so lange am Abgrund? Warum tauchten Algeriens Konterspitzen so oft solo vor Torwart Neuer auf, der den Libero alter Schule, den Beckenbauer, den Franz geben musste, um seine Elf überhaupt im Spiel zu halten? Gewiss, WM-Spiele sind oft zähe Geduldsspiele, aber Löws Auswahl trieb es in Porto Alegre auf die Spitze.

Christian Kamp, faz.net
Es war so oft von Spezialkräften im deutschen Team die Rede bei dieser WM. Die größte aber war dabei noch nicht einmal gemeint: Ein Torwart, der nicht nur seinen Strafraum, sondern als zusätzlicher Abwehrspieler fast die ganze eigene Hälfte beherrscht. Gegen Algerien war er in dieser Doppelrolle nicht weniger als der zwölfte Mann.

Oliver Fritsch, Zeit Online
Man soll ja vorsichtig sein mit solchen Prognosen. Aber Neuer dürfte beim deutschen Sieg gegen Algerien ein epochales Spiel geboten haben, das künftige Generationen beeinflussen wird. Kinder, die das Spiel gesehen haben, wollen ab sofort Tormann werden und zwar so wie Neuer.
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