"Harper's Bazaar" im Check Ein Stück Print als Barometer des Zeitgeists

Freitag, 30. August 2013
"Harper's Bazaar" steht ab 31. August am Kiosk
"Harper's Bazaar" steht ab 31. August am Kiosk

Es ist sicherlich nicht vermessen zu behaupten, dass es sich bei „Harper's Bazaar" nicht um irgendeinen Launch im Zeitschriftenmarkt handelt. Mit dem Titel bringt Hubert Burda am morgigen Samstag nicht nur eine der international bekanntesten Marken an den deutschen Kiosk, das Münchner Medienhaus unterstreicht damit auch seinen Glauben an die Zukunft von Print - und das in opulenter Form. 280 Seiten Mode, Porträts und Eleganz finden sich in dem Heft, das am Samstag wie der Burda-Titel „Elle" in einem Joint Venture mit dem US-Verlag Hearst erscheint und in einer Druckauflage von 150.000 Exemplaren zu einem Copypreis von 5 Euro erhältlich sein wird. Gleich zur Startausgabe hat Burda Branchengrößen an Bord: Die Herbstmodestrecke stammt von der früheren Chefredakteurin der französischen „Vogue", Carine Roitfeld, die seit Oktober 2012 als Global Fashion Director für die internationale Ausgabe von „Bazaar" zur Verfügung steht. Fotografiert wurden die 25 Damen dabei von keinem Geringeren als Karl Lagerfeld.

Eleganter Inhalt: Carmen Dell'Orefice (oben) und Ondria Hardin
Eleganter Inhalt: Carmen Dell'Orefice (oben) und Ondria Hardin
Ein paar Seiten weiter berichtet Katja Eichinger über ihre Erfahrungen mit Punk und Grunge und die rebellische Seite der Mode. Doch neben der historischen Betrachtung des Titels und einem großen Interview mit dem Designer-Duo Viktor und Rolf gibt es zum Start vor allem: Anzeigen. Mit über 100 gebuchten Seiten ist die deutsche Ausgabe von „Harper's Bazaar" für Burda schon jetzt ein riesiger Erfolg: Keine andere Markteinführung sei je erfolgreicher gewesen, so ein Sprecher. Dementsprechend stolz zeigt sich Manuela Kampp-Wirtz, Geschäftsführerin der Burda Style Group („Elle", „Instyle", „Freundin", „Bunte"): „Das bestärkt uns in unserem Glauben an die Kraft von Zeitschriften und in unserem Mut, Neues zu wagen. Wir sind überzeugt, dass ,Harper's Bazaar‘ die deutsche Medienlandschaft bereichern wird."

Ein Optimismus, der vor allem von Burda-Vorstand Philipp Welte befeuert wird. Seit dessen Amtsantritt hat der Konzern 29 Zeitschriften auf den deutschen Markt gebracht, zuletzt unter anderem den Frauentitel „Cover", der lange Zeit als Platzhalter für „Bazaar" galt. Der Mut zahlt sich noch immer aus, was im schwierigen und überfrachteten deutschen Magazinmarkt bei weitem keine Selbstverständlichkeit darstellt. Mit 645,5 Millionen Euro war der Umsatz im Bereich der Zeitschriften im vergangenen Jahr 2012 nahezu stabil (minus 1,7 Prozent).
Schauspielerin Dakota Fanning
Schauspielerin Dakota Fanning
Der Umsatzanteil der Neugründungen liegt Insidern zufolge immerhin im niedrigen zweistelligen Bereich. Bei „Bazaar" ist jetzt vor allem Chefredakteurin Margit J. Mayer gefordert, die den Start des Luxustitels leidenschaftlich bewirbt: „,Harper's Bazaar‘ war immer mehr als ein Modemagazin: dies war und ist eine Zeitschrift im Wortsinn - Barometer des Zeitgeists, Katalysator der Lebenskultur und des gesellschaftlichen Wandels."

Im Zeitschriftenmarkt muss sich das Luxusmagazin, dessen zweite Ausgabe am 15. Januar 2014 erscheinen soll, vor allem gegen die Konkurrenz der deutschen „Vogue" positionieren. Und das wird nicht allzu leicht: Natürlich überzeugt "Bazaar" mit ästhetischer Modefotografie, herausragenden Fotografen und den Zugriff auf die Größen aus Mode, Kunst und Kultur. Doch das tut die "Vogue" auch. Mit seiner aktuellen Ausgabe hat der Titel aus dem Haus Condé Nast auch gleich ordentlich vorgelegt: Die Septemberausgabe ist mit 215 Anzeigenseiten und einem Gesamtumfang von 416 Seiten die stärkste Septemberausgabe seit mehr als 20 Jahren. Ein herzliches Willkommen für Burdas Neuling ist das nicht gerade - aber auch einer, der zeigt, in welcher Liga "Harper's Bazaar" ab morgen mitspielen wird. kl
Meist gelesen
stats