"Handelsblatt" contra "FAZ" Die Auflagenentwicklung der beiden Streithähne im Vergleich

Donnerstag, 21. August 2014
"FAZ" und "Handelsblatt" verzeichnen wie fast alle Zeitungen sinkende Auflagen
"FAZ" und "Handelsblatt" verzeichnen wie fast alle Zeitungen sinkende Auflagen


Das "Handelsblatt" und die "Frankfurter Allgemeine" liefern sich wegen der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt einen publizistischen Kleinkrieg. Der Kampf um die journalistische Lufthoheit ist womöglich auch ein Ergebnis der Auflagenentwicklung der beiden Tageszeitungen: Beide Blätter haben in den vergangenen Jahren deutlich an Auflage eingebüßt. Bei beiden Tageszeitungen hat sich der schleichende Auflagenverlust der vergangenen Jahre zuletzt spürbar beschleunigt. So konnte das "Handelsblatt" seine Auflage in der Ära von Gabor Steingart als Chefredakteur (April 2010 bis Dezember 2012) weitgehend stabil halten und sogar leicht ausbauen: Im 2. Quartal 2010 lag die verkaufte Auflage des "Handelsblatt" bei 136.892 Exemplaren, im 4. Quartal 2012 bei 138.645 Exemplaren. 2013 kam dann allerdings der Knick: Während die Wirtschaftszeitung im 1. Quartal 2013 offensichtlich noch von der Einstellung der "Financial Times Deutschland" profitieren und seine verkaufte Auflage auf über 140.000 Exemplare ausbauen konnte, brachen die Verkaufszahlen danach förmlich ein: Im 2. und 3. Quartal 2013 lag die verkaufte Auflage nur noch bei rund 115.000 Exemplaren. Zuletzt ging es wieder etwas aufwärts: Für das 2. Quartal weist die IVW für das "Handelsblatt" eine Auflage von 121.334 Exemplaren aus.

Noch dramatischer verlief die Entwicklung zuletzt bei der altehrwürdigen "Frankfurter Allgemeinen": Die konservative Zeitung aus der Mainmetropole hat seit Anfang 2013 über zehn Prozent ihrer verkauften Auflage eingebüßt: Im 1. Quartal 2013 rutschte sie mit 335.524 Exemplaren (Mo.-Fr.) erstmals unter die Marke von 350.000 verkauften Exemplaren. Zuletzt hat sich die Auflagenerosion sogar noch einmal beschleunigt: Im 2. Quartal näherte sich die Auflage mit 302.813 Exemplaren bedrohlich der Marke von 300.000 Exemplaren.

Die "FAZ", lange auch wirtschaftlich ein Fels in der Brandung der deutschen Zeitungslandschaft, stehen unruhige Zeiten bevor. Der neue Geschäftsführer Thomas Lindner hat bereits angekündigt, dass der "FAZ" ein grundlegender Wandel bevorstehe, der "nicht ohne Härten" abgehen wird. Vielleicht auch das ein Grund, warum die "FAZ" ungewohnt harsch auf die Kritik von Gabor Steingart reagiert. dh

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