Handelsblatt Orange im HORIZONT-Check Süffig und süß wie Orangenlimonade

Mittwoch, 28. Oktober 2015
Bildstark: Die Startseite von Handelsblatt Orange
Bildstark: Die Startseite von Handelsblatt Orange
Foto: Orange.handelsblatt.com
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Handelsblatt Layout Verlagsgruppe Handelsblatt


Mit Orange ist am heutigen Mittwoch ein weiteres Online-Angebot für junge Nutzer an den Star gegangen. Das Portal aus der Verlagsgruppe Handelsblatt will jungen, wirtschaftsinteressierten Lesern "Wirtschafts-Updates" ohne langweiliges Blabla bieten. Der erste Eindruck ist zweispältig. Das Layout ist passend zur Zielgruppe schick und bildlastig, die Texte dürften aber auch für junge Leser ruhig etwas länger und gehaltvoller sein.
Der erste Eindruck zählt. Das war wohl auch der Leitgedanke bei der Gestaltung der Orange-Homepage. Die Seite braucht zunächst etwas Anlauf, dann erscheint ein bildschirmfüllendes Foto, dazu eine kurze Headline, ein Hashtag, ein Autorenkürzel sowie der Link zum eigentlichen Artikel. Fünf dieser raumgreifenden Aufmacher gibt es auf der Homepage. Zumindest optisch könnte der Abstand zur Mutter, dem altehrwürdigen "Handelsblatt" mit seinem mitunter etwas kleinteiligen Online-Auftritt Handelsblatt.com nicht größer sein. Wer es etwas übersichtlicher haben möchte, kann sich die Artikel auch nach Themen sortiert anzeigen lassen. Die vier Ressorts sind im Gegensatz zum Layout recht klassisch geraten: "Unternehmen und Finanzen", "Politik", "Buntes" und "Netzthemen". Chichi wie Lifestyle-Themen oder reine Promi-News gibt es nicht. Bereits gelesene Artikel werden durch ein Häkchen markiert.
Häkchen markieren bereits gelesene Texte
Häkchen markieren bereits gelesene Texte (Bild: Orange.handelsblatt.com)
Während das Layout nach einer kurzen Eingewöhnungszeit durchaus überzeugen kann - abgesehen von den anachronistisch langen Ladezeiten - hinterlässt der Inhalt ein paar Fragezeichen. Man wolle "nicht lange rumschwurbeln, sondern sagen, was ist", betonen die zum Start vier Redakteure und Mitarbeiter von Orange (Alter: 16 bis 22) in einem Video. Allerdings sind viele Texte mit gerade einmal zwei bis drei knappen Absätzen doch sehr kurz geraten. Hier dürfte Orange seinen Lesern sicher etwas mehr zutrauen.

Der Duktus von Überschriften und Texten hingegen dürfte den richtigen Ton treffen - so weit der Autor dieser Zeilen, der längst nicht mehr zur Zielgruppe von Orange zählt, das beurteilen kann. Zumindest begeht das Portal nicht den Fehler, sich mit einer allzu bemüht-jugendlichen Sprache bei den Lesern anzubiedern, wie es zum Beispiel der Spiegel-Ableger Bento zu Anfang getan hat.
Zwischen 16 und 22 Jahre alt: Die Macher von Orange
Zwischen 16 und 22 Jahre alt: Die Macher von Orange (Bild: Verlagsgruppe Handelsblatt)
Thematisch bietet Orange zum Start neben Texten zu aktuellen Wirtschaftsthemen wie der VW-Krise, der Flüchtlingsproblematik oder den neuen Regeln zu Roaming-Gebühren auch buntere Stücke wie zum Beispiel über Zimmerservice per Smartphone oder der lukrative Beziehung zwischen Jay-Z und Beyoncé. Orange bemüht sich sichtlich, Wirtschaftsthemen zu besetzen, die sowohl aktuell als auch für Jugendliche relevant sind - ein sicher nicht immer leichter Spagat, der aber alles in allem gut gelingt.

Die in sich sehr heterogene Zielgruppe dürfte die größte Unbekannte und damit zugleich die größte Herausforderung für die Macher von Orange darstellen. Jüngeren Teens bietet die Website einen einfachen Zugang zu Wirtschaftsthemen. Älteren Jugendlichen oder Abiturienten könnte Orange dagegen bereits zu wenig substanziell sein. Aber zum Glück ist die große Schwester Handelsblatt.com ja nur einen Klick entfernt. dh

Verlage im Jugendwahn

In den vergangenen Wochen haben mehrere Verlage Angebote für junge Leser bzw. Nutzer gestartet: Bento ist der junge Ableger von Spiegel Online, "Die Zeit" umgarnt den Nachwuchs mit Ze.tt. Bild.de hat mit Byou eine eigene Rubrik für Jugendliche eingeführt.

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