Handelsblatt Magazin Chefredakteur Thomas Tuma: "Eine ganz eigene, andere Art"

Donnerstag, 02. Oktober 2014
Chefredakteur Thomas Tuma
Chefredakteur Thomas Tuma
Foto: Handelsblatt

Selbst flüchtigen Betrachtern der "Handelsblatt"-Titelseite dürfte nicht entgangen sein, was auf sie zukommt. "Handelsblatt Magazin - noch zehn Tage bis zur Premiere am 2. Oktober" verkündete vor kurzem ein kleiner Anzeigenblock - und kehrte als Countdown-Hilfe in den folgenden Ausgaben wieder. So weckt man Erwartungen. Was im "Handelsblatt Magazin" steckt, wie es entstanden ist und was es bewirken soll, verrät Chefredakteur Thomas Tuma im HORIZONT-Interview.

Herr Tuma, sagt Ihnen "Five to nine" etwas?
Ja, klar. Das war das Lifestyle-Magazin der "Wirtschaftswoche". Gut gemacht und mit lebendigen Geschichten.

Hat nichts genutzt: Nach sechs Jahren erschien im April 2009 die letzte Ausgabe. Warum wagt sich die Verlagsgruppe Handelsblatt nun erneut aufs Hochglanzparkett?
Als ich im November vergangenen Jahres vom "Spiegel" in die Chefredaktion des "Handelsblatts" wechselte, kam Herausgeber Gabor Steingart bald mit einer Idee auf mich zu. Es ging darum, Wirtschaft aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Dann habe ich mit Freude den Auftrag übernommen, ein neues Magazin zu entwickeln. Im Frühsommer konnten wir eine erste Nullnummer präsentieren.

In der Präsentation versprechen Sie: "So viel Stil hatte Wirtschaft noch nie". Klingt kräftig nach Lifestyle.
Aber das "Handelsblatt Magazin" passt garantiert nicht ins klassische Lifestyle-Segment. Unser Thema ist Wirtschaft, die wir in unterschiedlichsten Facetten beleuchten. Wir wollen die schönen und spannenden Seiten der Wirtschaft zeigen, unterhaltsam erzählt, neue Perspektiven eröffnend. Dabei verbinden wir die traditionelle Kompetenz unserer Zeitung mit der Eleganz eines modernen Magazins. Wirtschaft auf Hochglanz, aber mit Tiefgang: Wir beweisen, dass beides zusammen sich nicht ausschließen muss.

Was ist Ihr Lieblingsstück in der Premierenausgabe?
Das Interview mit Josef Ackermann und seiner Tochter Catherine, das wir in Zürich geführt haben. Monatelang haben wir uns darum bemüht. Das war für alle Beteiligten eine ganz neue Situation: Journalisten, die den langjährigen Deutsche-Bank-Chef sonst über Börse und Bilanzen befragen, moderieren nun ein Gespräch zwischen Vater und Tochter. Beide waren offen, es wurde sehr privat, sie sprachen über Familie und Werte ebenso wie über Ängste und Niederlagen. Das war auch für mich ein besonderes Erlebnis. Ich hoffe, dass es unseren Lesern ähnlich geht.

Ist das "Handelsblatt Magazin" nebenbei ein Versuch, Wirtschaft neu zu definieren und sie anders zu vermitteln?
Durchaus. Es gibt schließlich keinen Mangel an hochwertigen Wirtschaftsmedien, allein schon deshalb geht es nicht darum, irgendetwas zu verdrängen oder ersetzen zu wollen. Das "Handelsblatt Magazin" ist eher ein Beispiel dafür, wie man Wirtschaftsjournalismus weiterentwickeln und vorantreiben kann – in Ergänzung zum bestehenden Angebot.

Zugleich stellt man fest, dass Wirtschaft von vielen als kompliziert und schwer zugänglich empfunden wird. Können Sie mit dem "Handelsblatt Magazin" auch Berührungsängste abbauen?
Zumindest wollen wir noch mehr Interesse an Wirtschaft wecken. Das kann gelingen, indem man Geschichten so dreht, dass man sie auch ohne zuvor absolviertes BWL-Studium versteht und mit Freude liest. Ich glaube, dass wir mit dem "Handelsblatt Magazin" auch Menschen erreichen, die die Zeitung vielleicht nicht regelmäßig lesen, hoffentlich auch jüngere und weibliche Zielgruppen.
Das Titelblatt des ersten Handelsblatt-Magazins
Das Titelblatt des ersten Handelsblatt-Magazins (Bild: Handelsblatt)
Ist es ein Nachteil, dass das Heft als Supplement dem "Handelsblatt" beiliegt statt gleich ein eigenes Leben zu führen?
Wir sehen doch an so großartigen Supplements wie dem "Zeit Magazin" und dem "SZ Magazin", dass dieser Vertriebsweg die Experimentierfreude und den Erfolg im Werbemarkt in keiner Weise beschränkt – eher im Gegenteil. Das Magazin soll für sich stehen und zugleich auf die Marke "Handelsblatt" abstrahlen.

Wie lauten Ihre drei Sätze, mit denen Sie beschreiben, was das "Handelsblatt Magazin" auszeichnet?
So viele Sätze brauche ich dafür gar nicht. Das „Handelsblatt Magazin“ prägt, vor allem durch seine ungewohnte Mischung, eine ganz eigene, andere Art von Wirtschaftsjournalismus.

Sie arbeiten mit einem Kernteam von rund zehn Leuten, das sich aus Ihrer Zeitungsredaktion rekrutiert. Kann sich der Verlag keine eigene Magazin-Mannschaft leisten oder sind Ihre Kollegen nicht ausgelastet?
Weder noch. Es ist doch wunderbar, dass wir die enormen Ressourcen und Fähigkeiten unseres rund 180 Personen starken "Handelsblatt"-Teams nutzen können - inklusive des in der Wirtschaftspresse einzigartigen Korrespondenten-Netzes. Das Magazin bietet uns allen eine zusätzliche Chance, sich kreativ auszutoben.

Das gilt auch für Sie?
Natürlich. So ein Magazin von Grund auf zu entwickeln, das ist ein großer Spaß und eine tolle Sache in Zeiten, da unsere Branche so ausdauernd ihre vermeintliche Krise bejammert.

Inwieweit sind Sie auch in die Vermarktung eingespannt?
Meine Aufgabe ist es, das Magazin zu machen – eine lustvolle Nebenbeschäftigung parallel zur täglichen Arbeit in der "Handelsblatt"-Chefredaktion. Dass ich als Zeitschriftenentwickler und Blattmacher auch bei manchen Präsentationen in Mediaagenturen und bei Werbungtreibenden dabei bin, gehört zum Job. Und ich will nicht verhehlen, dass mir solche Termine durchaus Spaß machen.

Woran liegt's?
Es ist spannend, in den Dialog einzusteigen - und zwar für beide Seiten. Da sitzen einem oft deutlich jüngere Menschen gegenüber, die darüber entscheiden, wo das Werbegeld landet. Als unser Vermarktungschef Martin Fischer und ich das Konzept des "Handelsblatt Magazins" vorgestellt haben, kamen viele Fragen auf den Tisch: von der Papierqualität über die Arbeitsweise in Redaktionen bis zu einzelnen Geschichten aus dem Heft. Ich glaube, es ist wichtig, dass ich als Blattmacher erkläre, was wir tun und was dahintersteckt. Zugleich lasse ich mich gern auf die Perspektive junger Mediaentscheider ein. Das bringt ja auch mich weiter.

Interview: Roland Karle

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