"Handelsblatt Live" App als Enthüllungskanal / Sönke Iwersen wird Chefredakteur

Freitag, 17. Januar 2014
Sönke Iwersen leitet die Redaktion von "Handelsblatt Live"
Sönke Iwersen leitet die Redaktion von "Handelsblatt Live"


Das "Handelsblatt" möbelt seine Bezahl-App "Handelsblatt Live" mit neuem Konzept und neuem Chef auf, um die bisher wohl eher mauen Verkaufszahlen zu steigern. Die digitale Zeitung, die bisher dreimal am Tag erscheint, soll künftig laufend aktualisiert werden - vor allem mit eigenen Enthüllungsgeschichten. Chefredakteur wird kein Unbekannter: Sönke Iwersen, Leiter des "Handelsblatt"-Investigativteams. Damit wird klar, wohin die Reise gehen soll.
Die App soll künftig durch mehr Enthüllungsgeschichten bei den Kunden punkten
Die App soll künftig durch mehr Enthüllungsgeschichten bei den Kunden punkten
Am Donnerstagabend wurde nach Informationen von HORIZONT.NET die Redaktion informiert: Sönke Iwersen wird zum 1. Februar Chefredakteur von "Handelsblatt Live". Der 42-Jährige folgt damit auf Katrin Elger, die das Düsseldorfer Haus "aus privaten Gründen" verlässt und zurück zum "Spiegel" nach Hamburg wechselt.

Iwersen soll die Tablet-App zum Erstveröffentlichungskanal für exklusive Nachrichten, eigene Enthüllungsgeschichten und weiterführendes Recherchematerial ausbauen. Sobald eine Story fertig produziert ist, soll sie in der App erscheinen, neben den neuesten Nachrichten und Analysen auch zu anderen Themen. Bisher gibt es drei Ausgaben pro Tag: um 6 Uhr (erstellt vom Redaktionsteam in New York), um 12 Uhr (bestückt auch von den Korrespondenten in Asien) und um 20 Uhr (aus der Zentrale in Düsseldorf); letztere ist inhaltlich identisch mit dem gedruckten "Handelsblatt" des kommenden Tages. Das heißt: Künftig werden Exklusivgeschichten nicht mehr fürs Blatt aufgehoben.

Durch die Rund-um-die-Uhr-Bestückung wollen "Handelsblatt"-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs und Herausgeber Gabor Steingart die App aufwerten. Im März 2013 gestartet, hat "Handelsblatt Live" die Verkaufs- und Umsatzerwartungen wohl noch nicht erfüllt - trotz Preissenkung: Anfangs kostete das Monatsabo 39,99 Euro (Print-Abonnenten mussten 9,99 Euro im Monat zusätzlich zahlen) - derzeit kostet es nur 29,99 Euro. Der Preis für ein Wochenabo blieb konstant (9,99 Euro). Bisherige Verkaufszahlen nennt der Verlag nicht. Nur soviel: Bis Ende 2014 sollen es 10.000 Monatsabos sein.

Man kann die Pläne aber auch noch anders beschreiben: Eine Bezahl-App, die laufend aktualisiert wird, avanciert zum zweiten "Live"-Produkt neben dem Internetportal - nur eben als Paid Content. Die Rollen sind klar: Die App für Exklusives, das Netz dagegen für allgemein zugängliche News - und als Teaser- und Werbemedium für die App, die es beim "Handelsblatt" bisher fürs iPad und für Android-Geräte gibt. Die Version fürs iPhone soll bald folgen. Und damit das Klicken vom Web in die Bezahlwelt leichter wird, bastelt das "Handelsblatt" dem Vernehmen nach an einer Software, mit der sich der Nutzer nur einmal anmelden muss - und fortan Zugang zu allen digitalen Bezahlprodukten hat, ob nun E-Paper, App, kostenpflichtige Artikel auf der Website oder Archivinhalte.

Exklusive Inhalte als Treibstoff für Paid Content - dieses Kalkül zeigt sich auch bei der personellen Ausstattung von Iwersens Investigativteam: Nach Infos von HORIZONT.NET soll es von bisher vier auf acht Köpfe aufgestockt werden, teils durch interne Umbesetzungen. Iwersen, mehrfach mit Journalistenpreisen ausgezeichnet, ist seit 2006 beim "Handelsblatt" und leitet das Enthüllungsteam seit 2012. rp
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