Handball WM 2015 DOSB-Sender Sportdeutschland.tv will für ARD und ZDF einspringen

Mittwoch, 03. Dezember 2014
Die Spiele der Handball-WM sind möglicherweise im Internet zu sehen
Die Spiele der Handball-WM sind möglicherweise im Internet zu sehen
Foto: Handball Bundesliga
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Am Dienstag verkündeten ARD und ZDF ihren Verzicht auf die Übertragung der Handball WM 2015, weil man sich nicht mit dem Rechteinhaber über die Modalitäten einigen konnte. Nun steht mit der DOSB-Internetplattform Sportdeutschland.tv möglicherweise eine Alternative bereit.
"Wir sind in Gesprächen mit dem Rechteinhaber", sagte ein Sprecher des Senders auf Anfrage von HORIZONT Online und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur dpa. Welche Spiele dann zu sehen wären - alle, oder nur jene mit deutscher Beteiligung - ist derzeit Gegenstand der Verhandlungen. Sportdeutschland.tv, das Internetfernsehen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), führt dabei die Gespräche mit der englischen Agentur Pitch, die ihrerseits mit dem Rechteinhaber BeIn Sports zusammenarbeitet. Mit den Briten arbeitete Sportdeutschland.tv auch im Rahmen der Volleyball-Weltmeisterschaft zusammen, die der Sender im September übertrug und dabei nach eigenen Angaben bis zu einer Million Nutzer erreichte. Die nötige Sendelizenz wurde im Oktober 2014 von der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) erteilt. Sportdeutschland.tv soll auch eine Anlaufstelle für Sportfans sein, deren Liebslingssportarten nicht oder nur selten im TV stattfinden. Eine Übertragung der Handball-WM würde zu diesem Selbstverständnis gut passen.

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz
Bild: ZDF / Rico Rossival

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Handball WM 2015 ARD und ZDF verzichten auf Übertragung

ARD und ZDF hatten sich zuvor nicht mit BeIn Sports einigen können. Die Sendeanstalten hatten nach eigenen Angaben im August 2014 "ein marktgerechtes Angebot" abgegeben. Laut Spiegel Online dürfte das Gebot der Sportrechteagentur SportA, die zu ARD und ZDF gehört, bei etwa 2 Millionen Euro gelegen haben. Der Preis soll allerdings gar nicht der Knackpunkt gewesen sein. Der "SZ" zufolge habe BeIn, eine Tochter des in Katar beheimateten Sendernetzwerks Al Jazeera, vielmehr darauf bestanden, dass die deutschen Sender ihr Programm nicht ins Ausland übertragen und stattdessen verschlüsselt senden - um damit andere Medienpartner nicht zu brüskieren.

Von deutscher Seite war man jedoch nicht bereit, auf die Verschlüsselung zu verzichten - zumal der Rechtehalter nach ARD-Angaben wortbrüchig geworden sei: "Diese Voraussetzung der unverschlüsselten Ausstrahlung war der Rechtegeber bzw. die beauftragte Rechteagentur entgegen einer schriftlichen Zusage im August am Ende nicht zu akzeptieren bereit", so ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf Anfrage von HORIZONT Online.

Für Handball-Fans, die Bilder von dem Turnier aus Katar sehen wollen, könnte sich Sportdeutschland.tv als letzte Hoffnung erweisen. Denn der Internetsender hat das Problem der Verschlüsselung nicht: Eine Übertragung ins Ausland könnte per Geoblocking unterbunden werden. Als ein Problem könnte sich der Preis erweisen - denn ein Angebot vergleichbar mit dem von SportA wird der DOSB kaum stemmen können. Allerdings verhandelt Sportdeutschland.tv auch um ein Internetpaket, das preislich möglicherweise anders gelagert ist als ein TV-Paket.

BeIn ist nun unter Zugzwang, wenn die Agentur nicht auf Geld aus Deutschland verzichten möchte. Denn andere TV-Sender, die für ARD und ZDF einspringen könnten, sind derzeit nicht in Sicht. Sport 1, das die Spiele der Handball-Bundesliga überträgt, wäre eine denkbare Alternative. Aber: "Wir haben die gleichen Probleme wie ARD, ZDF und alle anderen Free-TV-Sender, die unverschlüsselt über den Astra-Satelliten ausgestrahlt werden", so Sport1-Chefredakteur Olaf Schröder gegenüber "Sport Bild". "Daher können auch wir die Handball-WM nicht übertragen." Auch Sky, das sich kürzlich die Rechte an der handball-Champions-League gesichert hatte, scheidet wohl aus: "Sky plant derzeit nicht die Handball WM zu übertragen", heißt es aus Unterföhring. ire
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