Handball WM 2015 ARD und ZDF verzichten auf Übertragung

Dienstag, 02. Dezember 2014
ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz
ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz
Foto: ZDF / Rico Rossival
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Die Spiele der Handball WM 2015 in Katar werden nicht bei ARD und ZDF zu sehen sein. Das teilten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mit. Zwar habe man durch die eigene Sportrechteagentur SportA bereits im August 2014 ein marktgerechtes Angebot abgegeben, eine Antwort des Rechteinhabers BeIn sei jedoch erst jetzt erfolgt. Noch dazu eine, "auf deren Basis jedoch keine Verhandlungen aufgenommen werden können", heißt es in der Verzichtsbegründung von ARD und ZDF.
"Da wir trotz wiederholter Aufforderungen erst gestern eine nicht akzeptable Antwort auf unser Angebot erhalten haben, müssen wir von einer großflächigen Übertragung der Handball-WM in unseren Programmen Abstand nehmen. Programmplanerisch müssen wir jetzt die Sendeplanung für Januar 2015 final festlegen. Gleichzeitig ist hinsichtlich Organisation und Logistik ein Zeitpunkt erreicht, an dem nicht mehr gewährleistet ist, dass Live-Übertragungen aus Katar in der von ARD und ZDF gewohnten Qualität garantiert werden könnten", so ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft nimmt an der WM 2015 in Katar teil
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft nimmt an der WM 2015 in Katar teil (Bild: DHB)
Auch ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz zeigt sich enttäuscht: "Wir bedauern, dass wir von diesem Großereignis in einer bei den deutschen Fernsehzuschauern beliebten Sportart aufgrund der mangelnden Gesprächsbereitschaft und der Nichteinhaltung bereits vor Monaten gegebener schriftlicher Zusagen seitens des Rechtegebers nicht werden berichten können." Die Sportart Handball solle aber auch künftig einen festen Programmplatz im Sportangebot von ARD und ZDF haben.

Für die deutschen Handball-Fans sowie den Deutschen Handball Bund (DHB) und den Weltverband IHF, für den Deutschland einen sehr wichtigen Markt darstellt, ist das ein schwerer Schlag. Zumal die deutsche Nationalmannschaft in der sportlichen Qualifikation für das Turnier gescheitert war und nur aufgrund einer Wildcard teilnehmen darf.

„Wenn das das letzte Wort ist, ist das ein Schlag in den Nacken.“
Frank Bohmann
Der Freude über die Qualifikation durch die Hintertür folgt nun also große Ernüchterung. "Wenn das das letzte Wort ist, ist das ein Schlag in den Nacken", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL, der Nachrichtenagentur dpa. Auch DHB-Präsident Bernhard Bauer zeigt sich "massiv enttäuscht und geschockt": "Fände die Handball-Weltmeisterschaft nun nicht im deutschen Fernsehen statt, wäre dies schmerzhaft mit Blick auf die Popularität unseres Sports. Wir hoffen im Interesse von Fans und Sponsoren weiter darauf, dass sich noch eine Lösung mit einem deutschen TV-Sender ergibt."

Laut Spiegel Online ging es im den Diskussionen zwischen SportA und BeIn, dem Sportableger des in Katar beheimateten Nachrichtensenders Al Jazeera, nicht um Kosten. "Vielmehr scheiterte der Deal an der Frage, ob die Satelliten, die ARD und ZDF nutzen, unverschlüsselt senden dürfen oder nicht", heißt es bei SpOn. BeIn habe auf verschlüsselte Bilder bestanden, während SportA angeboten habe, einen der zwei genutzten Satelliten verschlüsseln zu lassen.

Der Kontrakt der IHF mit BeIn Sports war zu Beginn des Jahres geschlossen worden und galt als echter Coup: Die Al-Jazeera-Tochter ließ sich das Rechtepaket, das zwei Weltmeisterschaften bei den Männern (2015 in Katar und 2017 in Frankreich) und bei den Frauen (2015 in Dänemark und 2017 in Deutschland) umfasst, rund 80 Millionen Euro kosten. Das sind 66 Prozent mehr, als der vormalige Partner Ufa Sports auf den Tisch gelegt hatte. ire
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