„Hamburger Morgenpost“ Content Marketing statt Paid Content / 2017 drohen Stellenstreichungen

Freitag, 16. Dezember 2016
Suan Molzow, Geschäftsführerin der "Mopo"
Suan Molzow, Geschäftsführerin der "Mopo"
Foto: Hamburger Morgenpost

Vor der Betriebsversammlung der „Hamburger Morgenpost“ am heutigen Freitag dämpft Geschäftsführerin Susan Molzow die Erwartungen klarer Ansagen zum Redaktionsumbau und Personalabbau. Dagegen erklärt sie, warum die „Mopo“ ihre Paid-Content-Initiative beendet hat und wie sie die Redaktion ans Thema Content Marketing heranführt.

„Wir sind noch mitten in der Arbeit, es gibt keine Entscheidungen“, sagt Molzow im Pressegespräch mit Blick auf mögliche Stellenstreichungen in der Redaktion. Zuvor hatte der Betriebsrat die Gerüchtetrommel gerührt und behauptet, der Verlag wolle 16 Stellen abbauen, in ein neues Gebäude umziehen, die „Mopo“ in eine andere Firma überführen (um wie beim DuMont-Schwestertitel „Berliner Zeitung“ einfacher betriebsbedingt kündigen zu können) und den Haustarifvertrag über Bord werfen.

Letzterer stehe nicht zur Debatte, Auslagerungen seien nicht geplant und ein Umzug sei noch kein Thema, da der aktuelle Mietvertrag bis 2020 laufe, so Molzow. Und der Stellenabbau? „Es ist kein Geheimnis, dass wir die Zahl der Mitarbeiter in der Redaktion nicht erhöhen können“, bestätigt die „Mopo“-Chefin anstehende „Personalanpassungen“ nach unten. So wolle man etwa beim Seitenbauen künftig stärker mit vorgefertigten Layout-Schablonen (Templates) arbeiten und mehr Synergien mit den übrigen DuMont-Boulevardtiteln („Berliner Kurier“, Kölner „Express“) nutzen. Wie viele Stellen in Hamburg zur Disposition stehen, wollte Molzow nicht sagen. Man rede derzeit mit Kollegen über Altersteilzeitmodelle.

Entschieden hat sie sich dagegen beim Thema Paid Content. Den im Herbst 2014 gestarteten Versuch mit dem Bezahldienst Laterpay (der gerade als Spiegel-Online-Dienstleister im Gerede ist) hat sie in diesem Sommer gestoppt – seitdem setzt Mopo.de wieder auf werbefinanzierte Gratisinhalte. Zum einen, weil besonders die regionale Digitalvermarktung gerade gut laufe; bereits fast ein Viertel seiner Werbeerlöse erziele der Verlag digital. Zum anderen, weil Laterpay zwar gute Nutzerzahlen und Konversionsraten gebracht habe – doch zu wenige User hätten die 5-Euro-Zahlgrenze überschritten. Mehr als ein paar Tausend Euro pro Jahr dürfte Mopo.de dadurch nicht erlöst haben.

Noch im Februar 2016 und zuvor im Mai 2015 hatten die Verantwortlichen optimistischer geklungen. Als generelle Absage an Paid Content oder an Laterpay, dessen Konzept sie lobt, will Molzow ihre Entscheidung jedoch nicht verstanden wissen – sie schließt nicht aus, die Kooperation bei Spezialthemen wieder aufleben zu lassen. Nur im Boulevard-Journalismus mit seinen schnellen, kurzen Texten habe es eben nicht funktioniert, so die Geschäftsführerin.

Umso größere Hoffnungen setzt sie aufs Content Marketing (CM). So gibt es seit Herbst im Haus einen „Geschäftsführenden Redakteur“ als „Bindeglied zwischen Redaktion und Vermarktung“. Neben seinen Aufgaben als „Mopo“-Sportchef soll er Ideen für CM-Aktionen beisteuern und Kontakte zu möglichen Kunden herstellen. Erste Print-, Online- und Video-Projekte sind bereits umgesetzt, etwa für die S-Bahn Hamburg, die eigene Aktion „Gesundes Hamburg“ und Sonderhefte mit den Fußballclubs HSV und St. Pauli. Einen Konflikt in dieser offiziellen Doppelrolle in Redaktion und Vermarktung kann Molzow nicht erkennen, zumal die CM-Werbeformate bei der „Mopo“ klar mit „Anzeige“ gekennzeichnet seien. rp

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