HORIZONT liest…„Sneaker Freaker“ Weil der richtige Schuh dein Leben verändert

Donnerstag, 12. Dezember 2013
Die aktuelle Ausgabe
Die aktuelle Ausgabe

Es gibt sie in allen Farben, in fast allen Materialien, in allen daraus möglichen Kombinationen, als selbst designte Einzelstücke, ungetragen im Originalkarton, als Neuauflage von Klassikern oder als hippe Innovation: Die Rede ist von Turnschuhen - die zu der Zeit, in der der Schuhtick zur klassischen weiblichen Eigenschaft stilisiert wurde, offenbar noch niemand kannte. Denn geht es um den neuesten Air Max oder das New-Balance-Modell mit Original Teppich aus dem englischen Pub als Sohle, werden die Schuhschränke mancher Männer nicht nur größer, sondern auch wertvoller als die der Freundin. Inspiration liefert der Szene das Magazin "Sneaker Freaker".

Inhalt

"Sneakerheads", das sind Personen, die ihre neuen Turnschuhe eher selten als erstes zum Joggen anziehen. Der Begriff steht für Anhänger einer Mode-Subkultur, die buchstäblich nichts anderes im Kopf haben als Sneaker. Die neuesten Modelle, seltene Produktionen, von denen es manchmal weltweit nur ein paar hundert gibt, oder einfach nur gute Treter sind die Gesprächsthemen der Szene und Inhalt von "Sneaker Freaker". Seit Dezember 2010 gibt es die deutsche Ausgabe des 2002 gegründeten Magazins, das insgesamt in mehr als 42 Ländern verkauft wird.

Alle Unterschiede entdeckt?
Alle Unterschiede entdeckt?
Das Heft, das auf den ersten Blick als dicke Werbebroschüre für Sportmarken daher kommt, überzeugt trotz aller enthaltenen Markenkollaborationen schnell mit einer der wichtigsten Tugenden im Journalismus: Leidenschaft. Die Begeisterung der Autoren wiederum macht die Liebe der Sneakerheads zu ihrem Schuhwerk nachvollziehbar, das gerne auch mal ungetragen im Wandschrank ausgestellt wird. Und natürlich - neben Farbe, Material und Style dreht sich alles um die jeweilige Marke. Egal ob Adidas, Asics, New Balance oder Puma, durch die Zusammenarbeit mit den Größen der Branche, gemeinsam entworfenen Schuhmodellen, Events sowie der eigenen Messe Sneakerness wird das Sprachrohr der Sneaker-Szene zum vollwertigen Teil von ihr.

Aktuelles Heft

Wie viel es tatsächlich über Turnschuhe zu sagen gibt, zeigt das 72 (!) Seiten lange Special über den Air Max von Nike. In liebevoller Kleinarbeit zeichnen die Autoren Woody und Oliver Georgiou die Geschichte einer der beliebtesten Sneaker-Linien aller Zeiten nach: vom Air Max 1 aus dem Jahr 1987 über den Air Max BW (Big Window) von 1991 bis hin zum aktuellen Air Max +2013, für die Redaktion der feinste Air Max dieses Jahrhunderts. Es gibt eine Übersicht über die für den Schuh typischen Luftkissen, Erinnerungen an die Air-Max- Revolution -Kampagne, für die Nike samt beteiligter Agenturen von den Beatles verklagt wurde ("Mit Musik von den Beatles die Firma Nike zu bewerben, galt 1987 als schwere Blasphemie"), und ein Interview mit Sammlerin Chanica, die täglich mindestens drei Stunden im Internet nach bestimmten Modellen sucht: "Es ist wie eine Sucht. Mir fehlen nur etwa 15 Paar, die ich noch nie in meiner Größe gesehen habe. (...) Ich werde mich freuen wie ein Kind, wenn ich diese letzten Paare endlich finde." Journalistisches i-Tüpfelchen im Liebhaber-Special ist allerdings das Interview mit Tinker Hatfield, dem Designer des ersten Air Max, im Nike-Hauptquartier in Portland. Für Autor Woody der einzige Weg, das Special überhaupt zu eröffnen: "mit einer Pilgerfahrt, um mit dem Schöpfer selbst zu sprechen".

Basketballspieler Anthony Jerome Webb im Interview
Basketballspieler Anthony Jerome Webb im Interview
Mit noch viel mehr Turnschuhen füllt die Redaktion um Chefredakteur Pascal Prehn auch die weiteren 138 Seiten - bei gleichbleibender Leidenschaft. Bei der hauseigenen Kollaboration des Torsion Integral mit Adidas liest sich das so: "Das Suede an Zunge und Ferse ist so dunkel und geheimnisvoll wie der Blick in einen bodenlosen Abgrund. Das Mint-Nubuk ist reines Dynamit, das graue Leder der Funke und die robuste Mesh-Toebox das Ausrufezeichen. Peng!" Der Leser erfährt von Jon Buscemi und dessen Edel-Sneaker mit Vorhängeschloss und 785-Dollar-Preisschild, der Autobahn-Edition des New Balance 577 (unter anderem mit eingearbeitetem Führerschein-Ausschnitt in der Einlegesohle) und der Wiederauflage der Puma-Treter "Great White" und "Black Beast", die diesmal mit Nubuk verziert sind als Hommage an das Hai-Leder am Original, von dem es gerade einmal 30 handgefertigte Paar gegeben hatte.

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In der Online-Kolumne "HORIZONT liest..." wühlt sich die Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Auflage

In der Auflagenstatistik der IVW taucht "Sneaker Freaker" nicht auf, eigenen Angaben zufolge liegt die Auflage bei 25.000 Exemplaren.

Zielgruppe

Die Zielgruppe von "Sneaker Freaker" sind Sneakerheads laut Lehrbuch: Trendsetter mit überdurchschnittlich hoher Markenbindung, für die Turnschuhe ein Must have sind und zum Leben gehören wie die Luft zum Atmen. Das ist nur marginal übertrieben formuliert: mehr als 300 Euro monatlich gibt die Zielgruppe für Sneaker aus, Abonnenten kaufen oft mehr als 20 Sneaker pro Jahr. Geshoppt wird mit Vorliebe in Online-Shops, um sofort Zugriff auf Neuerscheinungen zu haben. Zudem besuchen die Leser regelmäßig auch ihren stationären Shop des Vertrauens, um nichts zu verpassen.

Facts

"Sneaker Freaker" erscheint viermal jährlich im Kölner Intro-Verlag. Der Copypreis liegt bei 4,90 Euro. Die 1/1-Anzeigenseite kostet laut Preisliste 3200 Euro. kl

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