HORIZONT liest... "Playboy" Wenn nackte Haut zur Weltmarke wird

Donnerstag, 19. Dezember 2013
In Ausgabe 1/2014: die traditionelle Wahl zum Playmate des Jahres
In Ausgabe 1/2014: die traditionelle Wahl zum Playmate des Jahres

Achtung, Klischeefalle: Der "Playboy" wird nur gekauft wegen der guten Interviews und Reportagen - natürlich auf gar keinen Fall wegen der nackten Frauen! Dieser Running Gag ist mittlerweile nicht mehr komisch, sondern nur noch ausgelutscht. Natürlich wollen die Käufer des "Playboy" nackte Haut sehen und bekommen davon auch reichlich - sonst würden sie wohl zur züchtigen Konkurrenz greifen. Allerdings bietet das Magazin neben seinem nicht mehr so ganz exklusiven Alleinstellungsmerkmal zumeist auch guten Journalismus - und braucht sich dabei vor den vielen "braven" Männermagazinen nicht verstecken.

Inhalt

60 Jahre hat sie mittlerweile auf dem Buckel, die Marke "Playboy", ihr Gründer Hugh Hefner, 87, ist noch heute offiziell Chefredakteur seines Lebenswerks. Die Entstehungsgeschichte ist die typisch amerikanische Selfmade-Story. Mit geliehenem Geld finanziert und dem Vernehmen nach von Hand am Küchentisch geklebt, erschien die Erstausgabe im Dezember 1953 (verkaufte Auflage: 55.000 Stück). Schon damals drehte es sich vor allem um Sex - auf dem Titel: Marilyn Monroe (wie übrigens auch auf der deutschen Erstausgabe der "Bravo").

60 Jahre später hat der "Playboy" zu kämpfen, so wie die meisten gedruckten Zeitungen und Zeitschriften. Hinzu kommt aber noch ein sehr eigenes Problem: Mit seiner Darstellung von spärlich bis gar nicht bekleideten Damen traf der "Playboy" in den Nachkriegsjahrzehnten nicht nur den Zeitgeist, sondern brach auch das ein oder andere Tabu. Im digitalen Zeitalter aber muss niemand, auch kein pubertierender 13-Jähriger, mehr eine Zeitschrift kaufen, um nackte Frauen zu betrachten.

Dass der "Playboy" trotzdem weiter lebt, liegt an seinem ebenso legendären wie sagenumwobenen Ruf. Die Marke ist weltbekannt und omnipräsent, das Logo des stilisierten Hasenkopfs mit Fliege findet sich auf Parfums, Handtüchern, Autos - und natürlich auf der heute in 35 Ländern verlegten Zeitschrift. Sorgen um Modelnachwuchs muss sich der deutsche Chefredakteur Florian Boitin auch nicht machen: Einmal nackt im "Playboy" zu sein, das scheint auch anno 2013 noch immer der Traum vieler Frauen zu sein - egal ob prominent oder nicht. Dabei sind die Aufnahmen wirklich sehr freizügig, bleiben aber jederzeit ästhetisch. Auch eine Folge des Hochglanzpapiers, das der "Playboy" verwendet.

Model Katarina Benček sorgt mit Sonnenbrille für warme Gefühle
Model Katarina Benček sorgt mit Sonnenbrille für warme Gefühle

Aktuelles Heft

Ausgabe 1/2014 steht natürlich ganz im Zeichen der Wahl des Playmate des Jahres. In keinem Heft finden sich so viele Fotostrecken und so viele nackte Brüste wie in der Jahresendausgabe, Kalender inklusive. Neben den Playmates der einzelnen Monate gibt es das Januar-Model 2014 und im Rahmen der deutsch-amerikanischen Freundschaft auch Bilder vom US-Playmate des Jahres 2012. Ach, und das "Cyber-Girl des Monats" darf sich auf den letzten Seiten auch noch vorstellen.

Abseits der Erotik bietet das aktuelle Heft auch Stoff für alle, die den "Playboy" nur wegen der eingangs erwähnten Interviews und Reportagen zur Hand nehmen. Die Interviews mit Michael "Bully" Herbig vor dem Start dessen neuen Films "Buddy", Comedy-Legende John Goodman und "Fack ju Göhte"-Star Elias M'Barek sind gut geführt und informativ. Am meisten Spaß machen aber die 20 Fragen von Brigitte Steinmetz an den Charakterdarsteller Danny Trejo, ab kommender Woche in Robert Rodriguez' "Machete Kills" zu sehen.

"Machete Kills"-Star Danny Trejo muss sich zu einem Lächeln zwingen
"Machete Kills"-Star Danny Trejo muss sich zu einem Lächeln zwingen

Nicht zu kurz kommen auch Auto und (Action)Sport - der Jahreszeit angemessen gibt es eine Serie zu Wintersport für Hartgesottene. Das längste und interessanteste Lesestück liefert Autor Thomas Becker mit seinem Feature über das mehr oder minder legalen Promi-Autorennen "Gumball 3000". Dort heißt es etwa über den Teilnehmer und Ski-Rennfahrer Jon Olsson:

"Neun Medaillen hat er bei Winter-X-Games schon gewonnen, darunter eine goldene in der Disziplin Big Air. Seine Coachs verzweifeln, wenn sich der Sunnyboy mitten in der Rennsaison zum Freestyle-Event nach London verabschiedet. Aber gut, Felix Neureuthers Trainer bekommen ja schon die Krise, wenn der Slalom-Star mal laut darüber nachdenkt, Mikado zu spielen."

"Gumball 3000" ist das Autorennen der Superreichen und -Verrückten
"Gumball 3000" ist das Autorennen der Superreichen und -Verrückten

Und dann gibt es noch die prominenten Gast-Autoren, in dieser Ausgabe steuert Filmemacher Ethan Coen (The Big Lebowski, No Country for Old Men) eine mehrseitige erotische Kurzgeschichte bei. Abgeschlossen wird das Heft mit den Musik- und Literaturempfehlungen, die angenehmerweise vor allem eines nicht sind: Mainstream. Wo andernorts die neue Platte von Robbie Williams und das neue Buch von Dan Brown gelobt werden, empfiehlt der "Playboy" im "Kultur-Pool" etwa die Nachwuchs-Band "The Strykes" und den Thriller "M" von Friedrich Ani.

Auflage

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

Die verkaufte Auflage des "Playboy" betrug im dritten Quartal 2013 203.609 Exemplare (minus 4,73 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Etwa jedes fünfte Heft kommt im Abonnement zu den Lesern nach Hause. Insgesamt werden laut Verlag so rund 1,06 Millionen Menschen erreicht.

Zielgruppe

Die Zielgruppe des "Playboy" sind wenig überraschend erwachsene Männer. Aber auch unter der weiblichen Bevölkerung hat das Magazin eine treue Stammleserschaft. Über Details macht der Verlag keine Angaben, schließlich gilt: "Playboy ist keine Frage des Alters, sondern ein Lebensgefühl."

Facts

"Playboy" erscheint immer am ersten Donnerstag eines Monats in der Playboy Deutschland Publishing GmbH, Teil der Burda News Group. Der Copypreis ist mit Ausgabe 1/2014 von 5,50 Euro auf 5,90 Euro gestiegen. Eine 1/1-Anzeige kostet im Schnitt 26.443 Euro. fam
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