HORIZONT liest... "Mixology" Bargeschichten von hinter dem Tresen

Donnerstag, 13. März 2014
Die aktuelle Ausgabe von "Mixology"
Die aktuelle Ausgabe von "Mixology"

Auch wenn wohl die meisten Menschen schon mal eine Bar von innen gesehen haben - ein Magazin für Barkultur ist deswegen noch lange nicht für jeden etwas. So verhält es sich auch bei "Mixology". Das anspruchsvolle und optisch hochwertige Magazin ist eine echte Fachpublikation, die sich eher an den professionellen Bartender als an den durchschnittlichen Biertrinker richtet. Und das ist auf fast jeder Seite zu spüren. Dennoch hat das Heft auch für Spirituosen-Liebhaber und Gerstensaft-Freunde seine Momente.

Inhalt

Der Blick auf das doppelseitige Inhaltsverzeichnis macht zunächst einmal Lust auf mehr, da die größten Geschichten der aktuellen Ausgabe mit tollem Bildmaterial geteasert werden. Beim genauen Blick auf die einzelnen Rubriken verliert der Leser dann jedoch leicht den Überblick. Nicht immer folgt die Einordnung eines Beitrags in eine bestimmte Kategorie einer transparenten Logik. Dazu gibt es in der Aufmachung der Themen (bis auf die pointierten Top-Themen mit Bild) keinerlei Unterschiede. Größe und Relevanz eines Themas ist dadurch nicht immer klar gekennzeichnet.

Die verschiedenen Rubriken selbst sind vielfältig. Neue alkoholische Getränke - seien es nun Biere, Weine oder Schnäpse - werden im "Taste Forum" auf den Prüfstand gestellt, hiesige Bars werden präsentiert sowie historische und prominente Marken (in der aktuellen Ausgabe: Tullamore Dew) porträtiert. Die zweifelsfreien Höhepunkte für den Leser, der nicht vom Fach kommt, sind die mehrseiten Reportagen "Stadtgeschichten" und "Trinkwelt". Erstere entführt stets in eine internationale Stadt (diesmal sogar in zwei: Genf und Lausanne) und stellt dabei nicht nur die jeweilige urbane Barszene vor, sondern bietet auch einen ganz eigenen Blick auf Sehenswürdigkeiten und gibt kulinarische Empfehlungen. Wer das "Lexikon der Nacht" verinnerlicht, das über die wichtigsten Institutionen und berühmte Kinder der Stadt informiert, ist für den Small Talk mit Einheimischen bestens gerüstet. Für sich genommen stehen die "Stadtgeschichten" in "Mixology" einem Reiseführer für einen dreitägigen Städtetrip bis auf das Fehlen einer Umgebungskarte in Nichts nach.

Die Rubrik "Stadtgeschichten" - diesmal entführt sie die Leser in die Barszene der Schweiz
Die Rubrik "Stadtgeschichten" - diesmal entführt sie die Leser in die Barszene der Schweiz

"Trinkwelt" beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit der Bar- und Trinkkultur in Skandinavien und Finnland. Anders als die "Stadtgeschichten" verzichtet die Rubrik auf bunte Illustrationen, sondern besteht auf drei Seiten praktisch nur aus Text. Die Redaktion weiß anscheinend weshalb: "Nordic Drinking" wird im vorliegenden Fall mit seiner historischen und bisweilen humorvollen Tonalität zum kurzweiligen Lesestück - ohne den Informationsgehalt für Bartender zu vernachlässigen.

Neben vielen Stammrubriken verzichtet das Magazin nicht auf zwei bis drei Interviews mit Branchengrößen. Unternehmenschefs kommen dabei genauso zu Wort wie in der Szene bekannte Bartender und Connaisseurs.

Das aktuelle Heft

Eine aktuelle Ausgabe nutzt die "Mixology"-Redaktion in ihrem Nachrichtenblock zur Vorstellung von neuen Produkten aus dem Barkosmos, die - wie praktisch alle Inhalte - mit viel Liebe zum Detail aufbereitet werden - und sei es nur der Launch einer nerdigen Eiswürfel-Form. Für alle Bier-Fans gibt es die "Bier-News", in der alle zwei Monate neue Produkte präsentiert werden.

Für die programmatisch betitelte, prominente Rubrik "Stars in Bars" hat sich "Mixology" mit Dale DeGroff zum Interview getroffen, einem der bekanntesten Bartender weltweit. Auch wenn die Branchengröße viele Anekdoten zu erzählen hat - das Gespräch beweist, dass sich das Magazin im Kern an ein Fachpublikum richtet und insbesondere Branchenwissen vermittelt.

Etwas fürs Auge - die Rubrik "Food & Drink" in der aktuellen "Mixology"
Etwas fürs Auge - die Rubrik "Food & Drink" in der aktuellen "Mixology"

Dass das Heft gerade auch seine optischen Reize hat, beweist die Sektion "Food & Drink", in der die Redaktion ihr Faible für Barfood beweist - schließlich hat heute jeder gute Bartender zu einem Drink auch das passende Häppchen parat. Auch wenn erneut sehr textlastig, so ist auch diese Rubrik in der aktuellen Ausgabe sauber und formvollendet gelayoutet. Dass die Redaktion auch über den Tellerrand hinausblicken kann und das Ziel verfolgt, das Fachwissen ihrer Leserschaft auszubauen, demonstriert sie mit ihrer Story über "Orange Wines", die fast wie ein Lexikon-Beitrag anmutet und detailliert und pointiert den neuen Weinstil charakterisiert.

Was "Mixology" im Kern ausmacht, ist die Verbundenheit der Heftmacher zur Barszene, die man der aktuellen Ausgabe in nahezu jedem Artikel anmerkt. Trotzdem wird das Magazin erst dann richtig gut, wenn es den dunklen Tresenbereich verlässt und in die weite Welt hinausblickt. Dann kann es "Mixology" sogar mit Publikumstiteln aufnehmen. Ob das allerdings der Anspruch der Macher ist, darf bezweifelt werden.

Horizont liest...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In dieser Online-Kolumne wühlt sich die HORIZONT-Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Auflage

Das Magazin zählt eine verbreitete Auflage von 8.264 Exemplaren. Von den Lesern leben 86 Prozent in Deutschland und 14 Prozent im Ausland.

Zielgruppe

Der Titel versteht sich als Fachpublikation und richtet sich an Bartender, Barbetreiber und Connaisseurs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Verantwortlichen bezeichnen "Mixology" als "wichtige Plattform und Informationsquelle" in der Bar- und Sprirituosenbranche. Ziel der Berichterstattung ist die Vermittlung von Trends und Innovationen im Markt. Dazu wird über Cocktails, Cocktailbars, Clubs, Nightlife sowie über Kultur und Fachliteratur berichtet.

Wie genießt der gemeine Skandinavier eigentlich seinen Schnaps?
Wie genießt der gemeine Skandinavier eigentlich seinen Schnaps?

Facts

"Mixology" erscheint alle zwei Monate zu einem Copypreis von 7,50 Euro (sechsmal jährlich). Eine 1/1-Anzeigenseite kostet 4480 Euro. Das Magazin erscheint im eigenen Mixology Verlag mit Sitz in Plattenburg. Erstmals erschien es im Jahr 2003 und wurde seinerzeit von professionellen Bartendern gegründet. Herausgeber sind Helmut Adam und Jens Hasenbein. Der Chefredakteur von "Mixology" ist Markus Orschiedt. tt
Meist gelesen
stats