HORIZONT liest ..."Bunte" Weil Klatsch und Tratsch die Gesellschaft zusammenhalten

Donnerstag, 11. Juli 2013
Die aktuelle "Bunte"
Die aktuelle "Bunte"

Sie ist eigentlich immer weg. Im Sekretariat ist sie nicht, beim Chef sowieso nicht, bei den Kollegen? „Nein, aber wenn du sie gefunden hast, schaue ich auch mal rein." Diese - natürlich nicht repräsentative - Situation ereignet sich immer mal wieder in der HORIZONT-Redaktion, vorzugsweise donnerstags. Die „Bunte" wollen alle. Weil die heile Welt zwischen zwei Termine passt. Und die Hochzeit von Prinzessin Madeleine manchmal eben einfach Priorität hat.

Inhalt

Vom Totalabsturz des volltrunkenen US-Reality-Stars Brandi Glanville bis zur Brust-OP von Angelina Jolie: In der Soziologie gelten Klatsch und Tratsch, neben anderem, als sozialer Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Indem sich zwei Personen über private und intime Details oder Verfehlungen gesellschaftlicher Leitpersönlichkeiten austauschen, produzieren und reproduzieren sie eine soziale Beziehung, in der Begriffe wie Moral sowie das Urteil zwischen gut und böse eine wesentliche Rolle spielen. Es sind Zeitschriften wie die „Bunte", die dem Leser das glamouröse Leben der Stars und Sternchen, der Royals und Reichen bestaunen lassen - ihm gleichwohl aber zeigen, dass auch Schönheit und Luxus Liebeskummer nicht weniger schmerzhaft machen.

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Die Aufgabe erfüllt die Zeitschrift aus dem Hause Burda seit 1954 mit Bravour, kaum eine andere Zeitschrift in Deutschland unterhält besser. Mit den neuesten  Geschichten über Adel und Affären, mit Interviews und Insiderberichten, mit pikanten Details genauso wie mit glamourösen Bildern der nationalen High Society. In der „Bunte" blättert man zwischendurch, auf kurzen oder langen Zugfahrten, im Wartezimmer beim Zahnarzt - manchmal augenzwinkernd, manchmal vielleicht ein bisschen über den Titel gebeugt, nie jedoch, ohne am Ende nicht  mindestens an einer Headline oder einem Outfit hängengeblieben zu sein, nicht ohne der Kollegin ein paar Episoden zum besten gegeben zu haben.

Dass sich derartige Prozedere jeden Donnerstag wiederholen, dafür sorgt Patricia Riekel, seit 1997 „Bunte"-Chefredakteurin. Im Jahr, als sie in München übernahm, erschien das erste Mal ein Politiker (Gerhard Schröder) auf dem Titel. Die Bilder, die den ehemaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping im Swimmingpool zeigten, während die Bundeswehr gleichzeitig vor ihrem Einsatz in Mazedonien stand, erschienen ebenfalls in Riekels Blatt - und zwangen den Minister letztlich zum Rücktritt. Mit ihrem Gespür für die richtige Kombination aus Skandal- und Sonnenscheinjournalismus hat die Chefredakteurin die „Bunte" zur Cashcow des Burda-Verlages gemacht. Nicht umsonst hält sie sich seit für die Branche mittlerweile unglaublichen 16 Jahren im Amt - und verantwortet dabei gleichzeitig das Schwesterblatt „Instyle".

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Aktuelles Heft

Laut Riekel ist die „Bunte" der "Seismograph der deutschen Gesellschaft und ihrer Befindlichkeiten". Aktuell beschäftigt das Land demnach offenbar vor allem der rätselhafte Tod von Chantal de Freitas, der früheren und verlassenen Ehefrau von Schauspieler Kai Wiesinger. „Als Todesursache wird plötzlicher Herztod festgestellt, verursacht durch einen hartnäckigen Grippevirus, der zu einer Herzmuskelentzündung führte. Wie kann eine Frau, die immer so gesund wirkte, so unvermittelt sterben? Hat auch die Trennung von ihrem Mann eine Rolle gespielt? Hat ihr Herz das nicht verkraftet? Aus ihrer engsten Umgebung hört man: Sie starb an gebrochenem Herzen."

Auf die Seite 1 hat es auch „unser neuer Tennis-Liebling" Sabine Lisicki geschafft, die der Leser auf den folgenden Seiten „ganz privat" kennenlernt. So erfährt er unter anderem vom treuen Yorkshireterrier Happy, der Lisicki auf alle Turniere begleitet, und dem Plattenbau im Ostberliner Stadtteil Hohenschönhausen, in dem die unglückliche Wimbledon-Verliererin aufgewachsen ist.

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Und dann natürlich: Stars, Stars, Stars. Stars mit Hüten, Stars im Bikini, Stars bei der Berliner Fashion Week. Mit dem Adel spekuliert man über das künftige Baby von William & Kate und verrät im „Bunte"-Horoskop: „Das Baby ist wie sein Vater, Prinz William, 31, ein gefühl- und fantasievoller kleiner Krebs, der noch mehr emotionale Geborgenheit und Ruhe braucht als andere Krebs-Kinder. Es wird später viel Ehrgeiz entwickeln, um seine Ideale von einer besseren Welt umzusetzen." Altkanzler Helmut Kohl treibt sich währenddessen bei einer „Homo-Hochzeit" herum („Ein politisches Statement im Wahljahr?"). Beautytipps und ein Spezial zum Leben auf dem Land runden das Rundum-Sorglos-Klatschpaket in dieser Woche ab. So kann Entschleunigung auch gehen.

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In dieser Online-Kolumne wühlt sich die HORIZONT-Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Auflage

Im 1. Quartal 2013 hat die "Bunte" laut IVW 560.971 Exemplare verkauft - 4,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (siehe auch Ausweisung im Mediaradar). Vor allem die Aboauflage hat gelitten. Sie sank um 6,8 Prozent auf rund 91.700 Exemplare. Im Einzelverkauf vermeldet die IVW 270.189 Stück - im 1. Quartal 2012 waren es noch 289.948.

Zielgruppe

Die Kernzielgruppe definiert Burda klar: Frauen zwischen 25 und 49 Jahren, die Lifestyle, Luxus und Geschichten über Menschen lieben. Laut AWA 2013 erreicht die „Bunte" 3,54 Millionen Leser.

Facts

Die „Bunte" erscheint jeden Donnerstag im Münchner Burda-Verlag. Der Copypreis liegt bei 3,20 Euro. Eine 1/1-Anzeigenseite kostet laut Preisliste im Durchschnitt 34.600 Euro. Um die Vermarktung kümmert sich das Burda Community Network (BCN). kl

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