HORIZONT liest ... "GQ" Für Gentlemen und Frauen, die Männer verstehen wollen

Donnerstag, 16. Januar 2014
Die aktuelle Ausgabe der "GQ"
Die aktuelle Ausgabe der "GQ"

Vielleicht könnte sich im Verhältnis zwischen Mann und Frau schon bald etwas ändern. Keine Missverständnisse mehr, keine Diskussionen über Hausarbeit, keine enttäuschenden Geburtstagsgeschenke. Wie das gehen soll? Frauen lesen häufiger Männermagazine. Statt sich immer nur mit der Suche nach dem Körper zu beschäftigen, der gerade gut ankommt, Gefühle auszutauschen und Probleme zu wälzen, die die meisten Leserinnen selbst am besten kennen, könnte man sich einfach für jene Themen interessieren, die Männern Herzklopfen bereiten. An der Kommunikation zumindest scheitert es nicht - dafür ist "GQ" der beste Beweis.

Inhalt

Mit Klischees hat das Männermagazin aus dem Hause Condé Nast sowieso nicht allzu viel am Hut. Seit "GQ Gentlemen's Quarterly" im Jahr 1997 erstmals in Deutschland erschienen ist, bietet die Redaktion auf durchschnittlich 175 Seiten wesentlich mehr als nackte Frauen, Autotests und Fitnesstipps. Stattdessen liefert das Blatt eine derart große Auswahl an Portraits, Wirtschaftsnachrichten, Reportagen und Interviews, vor der sich manch andere Vertreter der (weiblichen) Zeitschriftenzunft eine Scheibe abschneiden könnten. Ähnliches gilt für die Modestrecken: Egal ob Cowboy, Dandy, Geschäftsmann oder Bauarbeiter, unaufgeregt und verhalten opulent, cool statt prollig sind die Aufnahmen.

Arbeitende Männer-Models, fotografiert von Solve Sundsbo
Arbeitende Männer-Models, fotografiert von Solve Sundsbo

Letzteres gilt auch für das Team um Chefredakteur José Redondo-Vega, das immer wieder auch abseits des gedruckten Heftes auf sich aufmerksam macht. Die Aktion "Mundpropaganda - Gentlemen gegen Homophobie" beispielsweise, bei der knutschende Prominente für einen vorurteilsfreien Umgang mit Homosexualität eintreten, bringt der Zeitschrift bis heute Lob aus der Leser- und Medienwelt Thomas Hitzlsperger und "Die Zeit" kamen erst ein Monat später.

Das aktuelle Heft

Der Gentlemen des Monats ist Matthew McConaughey, der zugleich den Titel der aktuellen Februar-Ausgabe ziert. Das allein schon wäre Grund genug, sich am Kiosk für die "GQ" zu entscheiden. Das Interview mit dem Schauspieler, geführt von Lars Jensen, ist es erst recht. Auf drei Seiten erfährt der Leser nämlich nicht nur, dass McConaughey für bekifftes Bongo spielen 50 Dollar Strafe zahlen musste, sondern auch, wie er für den Film "Dallas Buyers Club" 20 Kilo verlor ("Ich trank jeden Tag meine zwei Gläser Rotwein. Du musst nicht aufhören zu trinken, wenn du abnehmen willst") und trotz seiner zahlreichen Rollen in romantischen Komödien der "letzte echte Mann Hollywoods" geblieben ist.

Echte Männer das sind genauso aber auch solche, die sich trauen, eine fünftägige Kreuzfahrt mit der in die Jahre gekommenen Rockband Kiss und deren Sänger Paul Stanley zu unternehmen. "Ist das Rock n Roll oder Pauschalurlaub für taube Senioren?", fragt sich Autor Christoph Koch und nimmt den Leser mit auf eine "tabulose Rock'n'Roll-Klassenfahrt", mit skurrilen Fans, lustigen Wettbewerben (Plektrum-Weitschnippen) und einer Band, die in den 70er und 80er Jahren mit Hits wie "Shout it out loud" ihre Blütezeit erlebte. Laute Musik, Bier trinkende Männer und Textstellen wie diese: "An Bord sind aber auch Menschen wie Barry, ein Irak-Veteran so groß und breit wie ein zweitüriger Kühlschrank. Er trägt die kompletten fünf Tage eine etwa 40 Zentimeter große Paul-Stanley-Puppe mit sich herum und sagt: ,Kiss haben mir durch die dunkelsten Stunden meines Lebens geholfen, im Krieg genauso wie zuhause. Es ist halt nicht alles Spaß, wenn es um Kiss geht." Aber für Frauen ist es künftig vielleicht ein bisschen einfacher, wenn es wieder einmal um Männer geht.

Der richtige Style ist auch bei Männern alles
Der richtige Style ist auch bei Männern alles

Außerdem lesenswert: Die Kolumnen von Peter Praschl, Thilo Mischke und David Baum, die sich im aktuellen Heft mit unangenehmen Lesern und kulinarischer Rache, Männerfreundschaft und der High Society in Ischgl auseinandersetzen. Sowieso wird in der "GQ" immer bis zur letzten Seite geblättert. Dort gewährt die Redaktion monatlich satirische Einblicke in die fiktiven Facebook-Profile Prominenter. "Ich arbeite manchmal bei Günther Jauch als Telefonjoker für Sportfragen. Früher war ich als Sportjournalist von den Aktiven gefürchtet. Ich habe manchmal welche für tot erklärt. Aber ehrlich: Dieses Internet ist verwirrend. Und nicht immer korrekt!" Diesmal hat es Waldemar Hartmann getroffen.

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie in der heutigen Zeit. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In der Online-Kolumne "HORIZONT liest..." wühlt sich die Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Auflage

Condé Nast hat im 3. Quartal vergangenen Jahres 138.264 Ausgaben der "GQ" verkauft, was einem Plus von rund 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutet. Ordentlich zu legte auch der Einzelverkauf, 47.993 Exemplare gingen über die Kiosktheke (plus 6,2 Prozent). Demgegenüber steht allerdings ein Minus von 8,8 Prozent bei den Abos: 19.006 Exemplare waren es im 3. Quartal 2013.

Zielgruppe

Laut AWA 2013 lesen "GQ" vor allem Männer, die durchschnittlich 36 Jahre alt sind, einkommensstark, gebildet und beruflich erfolgreich. Die Inhalte der Männerzeitschrift spiegeln die Vorlieben der Zielgruppe nahezu eins zu eins wider: So probieren "GQ"-Käufer gerne etwas Neues aus, sind sowohl qualitäts- als auch luxusorientiert und haben als Trendsetter ein Gespür für alles, was gerade und künftig angesagt ist.

Von Büromenschen und Skifahrern
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Facts

"GQ" erscheint monatlich im Münchner Verlag Condé Nast zum Copypreis von 5 Euro. Die 1/1-Anzeigenseite in 4c kostet laut Preisliste 20.900 Euro. Zweimal jährlich erscheint zudem das Sonderheft "GQ Style" zum Copypreis von 6,80 Euro in einer Druckauflage von 90.000 Exemplaren. kl
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