HORIZONT liest ... "Closer" Das Trash-TV der Zeitschriftenbranche

Donnerstag, 24. Oktober 2013
Die aktuelle Ausgabe
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Der Abend zu lang, die Nacht zu kurz, der Tag im Büro zu stressig, die Bahn zu spät: Es gibt Situationen, in denen das Gehirn eine Pause braucht. Und es gibt eine Zeitschrift, die dafür genau richtig ist: "Closer". Moment, das ist nicht despektierlich gemeint. Das Bauer-Blatt ist bunt, schrill und unterhaltsam, es führt den Leser sowohl in die Küchen der Nation als über den deutschen Boulevard, ohne dass er sich dabei allzu sehr anstrengen muss. Und "Closer" schafft, was den Prominenten selbst nicht immer gelingt: Es sorgt für Glamour.

Inhalt

Zugegeben, als "Closer" im Februar 2012 in Deutschland an den Start ging, war die Klatsch-Postille nicht gerade willkommen. Ein People-Magazin, das sich ausschließlich deutschen Prominenten widmet - ob der fragmentierte Zeitschriftenmarkt ausgerechnet darauf gewartet hat? Anscheinend: Die Mischung aus Stars, Mode, Beauty und den Geschichten, die so manches Leben schreibt, trifft den Nerv der Zielgruppe, in der ersten IVW-Meldung verzeichnete Bauer mehr als 111.000 verkaufte Exemplare des Neulings. Unter dem Credo "modern und national" positioniert sich das Magazin scheinbar ohne große Anstrengungen neben den Branchengrößen "Instyle", "Gala" oder "Bunte".

Nah, näher, "Closer": Ein Blick in Heidi Klums Liebes-Palast
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Näher dran will die Redaktion um Chefredakteur Tom Junkersdorf sein, das sagt nicht alleine der Name. Die News, die das Team aus dem Leben von Dieter Bohlen und den van der Vaarts, Oliver Pocher oder den Geissens ausgräbt, sind nicht immer spektakulär, jedoch meist exklusiv - und beschäftigen nicht selten die hauseigenen Medienanwälte. Zwischen all den Romanzen und Liebeleien, heißer Luft und kalten Abfuhren ist es aber vor allem der frische Wind, der beim Leser ankommt, und der nach demselben Rezept funktioniert wie ein Trashformat im Fernsehen: Es sorgt einfach für gute Unterhaltung.

Aktuelles Heft

Der Horror-Crash der DSDS-Sternchen hat es zur Coverstory geschafft
Der Horror-Crash der DSDS-Sternchen hat es zur Coverstory geschafft
Eine dramatische Woche liegt hinter den deutschen Stars und Sternchen. Bärbel Schäfer trauert um ihren Bruder, Nena wirft möglicherweise alles hin, Til Schweiger muss seine Blitz-Trennung und Sylvie van der Vaart sowieso noch immer die Scheidung von Rafael verkraften. Doch am schlimmsten hat es Ines Redjeb getroffen. Ach so, kennen Sie nicht? Ines Redjeb war Kandidatin bei "Deutschland sucht den Superstar" und berichtet exklusiv in "Closer" von ihrem Horror-Unfall mit "DSDS"-Kollegin Kim Gloss: "Kim war etwas runtergefallen - das Handy, das Feuerzeug oder ein Lippenstift - aber auf jeden Fall hat Kim sich nach unten gebückt, um es aufzuheben. Und dann hat sie die linke Hand, die noch am Lenkrad war, wohl nicht mehr im Griff gehabt und ist in den Gegenverkehr geknallt. Das war natürlich ein großer Fehler von ihr!" Dazu gibt es die letzten Bilder vor dem "Horror-Unfall", die "schockierende Kranken-Akte" sowie das erste Foto zurück zu Hause - auf dem Ines allerdings ihr Gesicht wegen der noch sehr schlimmen Verletzungen nicht zeigen will.

Doch in den Geschichten auf den nächsten Seiten geizt "Closer" nicht mit detailliertem Bildmaterial. Zwölf Aufnahmen aus Heidi Klums neuem "Liebes-Palast", sechs Bilder aus dem Kanaren-Urlaub von Lena Gercke und Sami Khedira, in dem die beiden "Krisen-Gerüchte einfach wegküssen", dazu eine Strecke zum Start der neuen Staffel von "The Voice", die belegen soll, wie auffällig ruhig sich Jury-Mitglied Nena verhält. Hat sie etwa wirklich keine Lust mehr auf die Sendung?

Nah, näher, "Closer" Teil 2: Bei Lena Gercke und Sami Khedira bleibt wenig unenthüllt
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Kurz bevor es dann vielleicht doch etwas viel wird mit dem inländischen Promi-Klatsch schwenkt "Closer" um ins wahre Leben. In der Rubrik "Real Life" spricht aktuell etwa Treue-Testerin Sandra aus Baden-Württemberg über ihre Geheimnisse, Anja aus Berlin berichtet von ihrer schweren Fettverteilungsstörung, anschließend berät der "renommierte Mediziner" Dr. med. Timo Bartels" in privater Sprechstunde, außerdem kommen sowohl Rechts- als auch Deko-Experten zu Wort (Richter Alexander Hold und Tine Wittler übrigens). Und weil am Ende Tiere und Babys immer am besten funktioneren, gibt es die dort auch noch. Mehr Inhalt geht nicht.

Auflage

Was Ines Redjeb auf dem Cover, ist "Closer" in der IVW-Auflagenstatistik: ein junger Star. Im 3. Quartal verzeichnet die Zeitschrift durchschnittlich 241.692 verkaufte Exemplaren - ein Zuwachs von 38,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (siehe auch Ausweisung im Mediaradar). Auch im Einzelverkauf ist das Plus aktuell zweistellig (35,5 Prozent), 223.942 Stück gingen über den Ladentisch. Den größten Sprung machte "Closer" allerdings in den letzten Monaten bei den Abo-Zahlen: Insgesamt 4500 Leser beziehen das Bauer-Blatt wöchentlich - im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es lediglich 1269 Abonnenten.

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In dieser Online-Kolumne wühlt sich die HORIZONT-Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Zielgruppe

Stars, Mode, Beauty, Lifestyle, Wohnen und Kochen: In "Closer" ist fast für alle etwas dabei - nur nicht für Männer. Laut Mediadaten ist die Zielgruppe vor allem weiblich und durchschnittlich 35,4 Jahre alt, an erfolgreichen TV-Formaten, Prominenten und - natürlich - an Frauenthemen interessiert.

Facts

"Closer" erscheint jeden Mittwoch im Hamburger Bauer Verlag - und damit einen Tag vor den Konkurrenzblättern "Gala", "Bunte" oder "Instyle". Der Copy-Preis kletterte im August 2013 von 1,60 auf 1,80 Euro. Eine 1/1-Anzeigenseite kostet laut Preisliste 14.983, ab dem neuen Jahr 19.500 Euro. kl

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