HORIZONT liest ... "Business Punk" Wenn ein Wirtschaftstitel Nieten trägt

Donnerstag, 05. September 2013
Die aktuelle Ausgabe
Die aktuelle Ausgabe

Dogmatisch betrachtet ist der Name eine Farce. "Business" und "Punk" haben danach so viel miteinander zu tun wie ein Nadelstreifenanzug mit einem Nietenhalsband. Bei dem Titel aus dem Hause Gruner + Jahr darf man die eigene Kompromisslosigkeit jedoch getrost in Frage stellen. "Business Punk" ist das junge Personality-Magazin für die Rebellen auf der unkonventionellen Seite der Wirtschaft, die nicht von neun bis fünf, sondern mit Leidenschaft und Idealismus arbeiten - und die Currywurst lieber mögen als Fruchtjoghurt.

Inhalt

Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2009 folgen die "Business Punk"-Gründer Nikolaus Röttger und Anja Rützel einem gewaltigen Anspruch: ein Printmagazin zu gestalten für die Digital Natives, für Menschen, die öfter auf ihr Smartphone als aus dem Fenster schauen, die weltweit vernetzt sind, sowohl Nachrichten als auch Trends online abrufen und nur noch selten zu einem gedruckten Produkt greifen. Dass das gelingt, bestätigen die Leser: "Ihr packt das Web in ein Heft. Eigentlich geht das nicht. Aber ihr macht das - irgendwie ...Weiter so", heißt es beispielsweise auf der Feedbackseite.

Mario Gomez hat sich für "Business Punk" schick gemacht
Mario Gomez hat sich für "Business Punk" schick gemacht
Das "irgendwie" folgt dabei einer Linie, die Wirtschaftsthemen geschickt mit allen anderen relevanten Themen des Lebens verbindet: schrille Mode neben der neuesten Technik, schnelle Autos, ein bisschen Sport, dazwischen Lifestyle: Accessoires und Momentaufnahmen, trendige Tipps und Tricks im Häppchenformat. Detaillierte Umsatzzahlen und Gewinnprognosen findet man in dem jüngsten Vertreter der G+J-Wirtschaftsmedien nicht - wer sich gerne durch harte Fakten arbeitet, wird "Business Punk" belächeln und schnell zur Seite legen. Wer gerne hübsch illustrierte Geschichten in außergewöhnlichem Layout über Menschen erzählt bekommt, für die der Job nicht Pflicht, sondern vor allen Dingen Leidenschaft ist, der liest bis zur letzten Seite.
Bademode für die Sommermonate
Bademode für die Sommermonate

Das aktuelle Heft

"Work hard" und "Play hard" - die Ideologie, die als Untertitel auf das Cover gedruckt ist, steht auch unter der neuen Regie von Redaktionsleiter Matthias Oden zwischen jeder "Business Punk"-Zeile. Da gibt es den Report über das Day-Trading-Devisen-Geschäft des ambitionierten Managers Dominik Kofert, gefolgt von der Story über den amerikanischen Designer Jeremy Scott, der als potenzieller Nachfolger von Karl Lagerfeld bei Chanel gilt, oder das große Interview mit Fußballstar Mario Gomez. Für die nötige Prise Idealismus und Erfindergeist sorgt das Dossier Green Tech, in dem "Business Punk" die Projekte verschiedener Start-Ups vorstellt. Das Solarstrompanel von Markus Schulz und Daniela Schiffer zur eigenen Stromerzeugung zum Beispiel, das man sorglos mit Kleidung von Urban Outfitters oder Fred Perry kombinieren kann", für das sich aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Cebit in Hannover interessiert.

Nicht nur für Fans von "Game of Thrones": Besuch bei Autor George R.R. Martin
Nicht nur für Fans von "Game of Thrones": Besuch bei Autor George R.R. Martin
Und es gibt charmante Häppchen, die schnell zwischen zwei Meetings gelesen sind: die Tipps von Schulkindern für das Leben im Büroalltag (denn wer es auf dem Pausenhof schafft, der schafft es überall), zwei Seiten über verschiedene Arbeitswege (die potenziell schönsten Abschnitte des Tages), Empfehlungen für die stilvolle Büro-Einrichtung (wie fingerkuppenförmige Pinnnadeln) und eine Infografik für Leser, die nicht genau wissen, welcher Unternehmertyp sie eigentlich sind ( Sau oder Guru").

Weitere Lesetipps: Jessica Salters Text über George R.R. Martin, den Autor der erfolgreichen US-Fernsehserie "Game of Thrones", der gegen den Zorn seiner ungeduldig auf Fortsetzung des Epos' wartenden Fans anschreibt, oder Reclaim the Streets" von Christian Cohrs über BMW-Ausnahmetalent Bruno Hoffmann - und über ein Musterbeispiel dafür, wie das Hobby zum Job und dieser zur Entscheidung darüber wird, wie man denn eigentlich leben möchte: "Heute können Fahrer auf ihren Bikes berühmt werden und davon leben. Wenn sie gut genug sind und jemanden finden, der sie dafür bezahlt, und wenn man als Fahrer eine Symbiose mit den Sponsoren eingeht. Nur ein bisschen. Und nicht mit jedem. Schließlich geht es auch um die Street-Credibility."

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In dieser Online-Kolumne wühlt sich die HORIZONT-Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Auflage

"Business Punk" ist nicht bei der IVW gemeldet, objektiv überprüfbare Zahlen gibt es deshalb nicht. Gruner + Jahr meldet eine verkaufte Auflage von 42.000 Exemplaren. Besonders begehrt sei das Magazin im Bahnhofsbuchhandel, woraus der Hamburger Verlag auf einen hohen Leseranteil in der "mobilen Leistungselite der Digital Natives" schließt.

Zielgruppe

Laut Mediadaten versucht "Business Punk" alle Menschen, die etwas bewegen wollen, anzusprechen. Überwiegend sind es dann aber doch Männer zwischen 20 und 35 Jahren, "Vordenker und Entrepreneure, kreative Manager und managende Kreative". Dementsprechend sind die meisten Leser berufstätig mit einem hohen Haushaltseinkommen, überdurchschnittlich gebildet, urban und kosmopolitisch.

Facts

"Business Punk" erscheint viermal jährlich bei Gruner + Jahr, Hamburg. Eine 1/1-Anzeigenseite kostet laut Preisliste 10.000 Euro. Der Copypreis liegt bei 6 Euro. kl
Unternehmer auf Typfindung
Unternehmer auf Typfindung
Meist gelesen
stats