HORIZONT liest ... "Brigitte Mom" Coole Mütter, tolle Kinder

Donnerstag, 20. März 2014
Die aktuelle Ausgabe von "Brigitte Mom"
Die aktuelle Ausgabe von "Brigitte Mom"

"Hallo, kleines Popo-Gesicht". Um zu verstehen, was "Brigitte Mom" von anderen Eltern-Zeitschriften unterscheidet, reicht die erste Zeile im aktuellen Heft. Weil "Scheiße" in keinem Fall im aktiven Wortschatz von Müttern auftauchen darf, fehlt es mitunter an den richtigen Worten, beispielsweise um eine häusliche Katastrophe wie Brechdurchfall treffend zu beschreiben. Ja, Kinder sind das Größte, aber man darf ruhig mal sagen, dass das eigene Leben durch sie ganz schön auf den Kopf gestellt wird, lautet die Botschaft. Es ist diese Art der ironischen Selbstbespiegelung, die "Brigitte Mom" zur lesenswerten Alternative für all die Mütter macht, deren altes Ich sich nicht mit der Geburt des Kindes vollkommen aus dem Hier und Jetzt verabschiedet hat.

Inhalt

Mit "Brigitte Mom" hat Gruner + Jahr seinem braven "Eltern" vor drei Jahren eine ebenso freche wie herzliche, unterm Strich deutlich persönlichere Variante an die Seite gestellt. Das Heft, für das redaktionell "Brigitte"-Chefredakteurin Brigitte Huber verantwortlich zeichnet, trägt erkennbar die Handschrift des Frauentitels, kommt aber in Sachen Bildsprache und Layout deutlich jünger daher. Neben hochwertigen Fotostrecken spielen auch Illustrationen und Typologien eine große Rolle.

Die Inhalte von "Brigitte Mom" sind im Inhaltsverzeichnis in den unkonventionell betitelten Ressorts "Schön sein", "Schlau werden", "Haben wollen", "Weg wünschen" und "Anders machen" gebündelt, das Heft folgt dieser Ordnung jedoch nicht, sondern verteilt die Themen nach dem eher klassischen Lauf beginnend mit Mode & Beauty, endend mit Sex und Reise. Aufwendig produzierte und ästhetisch schöne Fotostrecken wechseln sich mit Häppchen zu neuen Produkten und Trends ab. Reportagen und Essays bereiten Situation und Problemstellungen aus dem Alltag auf. Und "Brigitte Mom" hat noch eine weitere, moderne Form des Erzählens: Sie fängt zu bestimmten Themen Stimmen von Müttern ein und reiht diese unkommentiert aneinander.

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Das aktuelle Heft

Mode spielt eine große Rolle in "Brigitte Mom". Im aktuellen Heft geht es zum Beispiel um Jeans - präsentiert ganz im Stil der TV-Großfamilie "Die Waltons" und fotografiert von Keith Schofield. Dafür stehen keine gecasteten Models vor der Kamera, sondern Mutter Nikki und ihre drei leiblichen und zwei adoptierten Kinder, die im sommerlichen Licht Südafrikas pure Lebensfreude versprühen. Die Modestrecken ergänzt "Brigitte Mom" mit lustigen oder nachdenklich stimmenden Zitaten. In der Produktion zu Ringelmode darf passenderweise der Dichter Joachim Ringelnatz ran: "Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt".

Doch "Brigitte Mom" hat auch ernsthafte Themen. In der vorherigen Ausgabe schrieb eine Mutter an die neue Frau im Leben ihres Exmannes und damit auch im Leben ihrer Tochter. Diesem Brief antwortet nun Leserin Kathrin als "die Neue" und schildert ihre Sicht der Dinge auf die unterschwellig immer präsente Frau. "Ein Mensch, den ich überhaupt nicht kannte, bestimmte meinen Kalender und den Ort, an dem ich lebte. Du hast mein Leben diktiert."

Die positive Art, auch an schwierige Themen heranzugehen, zeigt sich in dem Artikel "Man nennt sie Sonnenscheinkinder" über Kinder mit Downsyndrom. Conny Wenk fotografiert Kinder und Mütter, die den Mut haben sich auf dieses Glück einzulassen", schreibt "Brigitte Mom" und ergänzt die schönen Bilder um die Fragestellung, welche Folgen Frühtests für Trisomie 21 eigentlich für die gesellschaftliche Akzeptanz der Downkinder haben werden.

Der zweite Teil von "Brigitte Mom" beginnt mit "Moms Dschungelbuch" und stellt all das in den Mittelpunkt, was man auch noch lesen, hören, sehen, probieren sollte. Von der DVD "Flussfahrt mit Huhn" bis zu Keksen in Form von Hasenohren, die an Tassen gesteckt werden können. Den Abschluss bildet eine Reisereportage in der Mama Svenja, Papa Lars und Sohn Marlon für 363 Tage auf Weltreise gehen.

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In der Online-Kolumne "HORIZONT liest..." wühlt sich die Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Auflage

"Brigitte Mom" wird noch nicht in der IVW gelistet. Laut Gruner + Jahr liegt die verkaufte Auflage bei 84.500 Exemplaren. Die Druckauflage beträgt 165.000 Stück, davon 110.000 im Magazin- und 55.000 im Pocketformat.

Zielgruppe

Das Heft richtet sich an Frauen zwischen 20 und 40 Jahren, an "Frauen mit wenig Zeit und viel Stress. Und Perfektionsdrang". Es will "den scheinbar chaotischen Alltag, die scheinbare Unlogik gewisser Handlungsweisen, die scheinbare Widersprüchlichkeit von Bedürfnissen mit Liebe, Gelassenheit und Witz betrachten".

Facts

"Brigitte Mom" erscheint seit diesem Jahr quartalsweise im Hamburger Verlag Gruner + Jahr. Eine 1/1-Seite 4c kostet 13.100 Euro. Der Copypreis beträgt 3,80 Euro für das Magazinformat, 2,80 Euro für das Pocket-Format. pap

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