HORIZONT liest ... "11 Freunde" Weil Fußball eben mehr ist, als 22 Spieler und ein Ball

Donnerstag, 08. August 2013
Das Heft zum Bundesliga-Saisonauftakt
Das Heft zum Bundesliga-Saisonauftakt

Kulttrainer und Gladbach-Präsidiumsmitglied Hans Meyer kennt eine Menge Dinge, die heute besser sind als früher. In seiner "11 Freunde"-Kolumne zählt er auf. Die Textilien, die Frisuren, die Stadien. Damit liegt er sicher richtig. Eine Fehleinschätzung muss ihm allerdings schon angekreidet werden: Es gibt keinen Mann, und schon gar keinen Fußballer, der für eine Lederhose die falsche Figur hätte - das ist wirklich kein glaubwürdiges Argument, nicht zum FC Bayern zu wechseln! Nichtsdestotrotz: Allein das monatlich einleitende Interview unter dem Motto "Gehen Sie davon aus" ist es Wert, "11 Freunde" zu lesen.

Inhalt

Aber auch abseits der Meyer'schen Kolumne hat "11 Freunde" Potenzial zur Lieblingslektüre. Das Heft ist Fußballberichterstattung anders: Mit genug Herz, aber auch viel Verstand und nicht zuletzt jeder Menge Witz wird ans Thema herangegangen. Die Zeitschrift ist etwas für alle, die sowohl Fußball als auch das Feuilleton und hin und wieder "Titanic" mögen. Gegründet im Jahr 2000 liefert es unter Chefredakteur Philipp Köster und bis heute nicht nur Zahlen und Fakten. Wo andere vorhersehbar über Pep Guardiola referieren, steckt es den spanischen "Heilsbringer" in eine Feinrippunterhose und zeigt einfach mal die Pressekonferenz zur Amtseinführung aus seiner Sicht. Die darauf markierten Promi-geilen Anwesenden sollte man mehr mit satirischem als ernstem Blick identifizieren.

Das aktuelle Heft

DVD-Blockbuster: Fußballer und Trainer im Heimkino
DVD-Blockbuster: Fußballer und Trainer im Heimkino

Der Einstieg gelingt ähnlich spielerisch: Auf drei Doppelseiten stellt die Redaktion die Highlights der Saison vor - in Form von DVD-Covern mit Blockbustern wie "How I met your mother", in den Hauptrollen das getrennt lebende Ehepaar van der Vaart, "Der Vorortreiniger" mit Hoffenheims neuem Durchputz-Trainer Markus Gisdol und "The Mentalist". Die Titelrolle ist Bochums charismatischem Trainer und Retter vor dem Abstieg in die Dritte Liga Peter Neururer wie auf den Leib geschrieben.

Noch ein paar Seiten lockeres Wort-Gekicke, dann folgt der Anpfiff für ernsthafte Auseinandersetzungen: Mit Harald Schmidts Wahrnehmung der Bundesliga, dem Drama um den lange insolvenzbedrohten MSV Duisburg, einer Schilderung des internationalen Transfergeschäfts, die dem letzten Zweifler die Augen öffnen sollte, der immer noch denkt, beim Fußball gehe es um sportliche Leidenschaft, und nicht zuletzt ein Text von Schiedsrichter Felix Zwayer, der die neuen Regelauslegungen der kommenden Saison erläutert. Wann ist Handspiel Handspiel? Wie sieht es mit Ellbogenschlägen aus und welche Änderungen erfährt die Abseitsregel? Da könnte so manche Stammtischdiskussion einfach eingespart werden.

Der Schiri hat immer recht - denn er kennt die neuen Regeln
Der Schiri hat immer recht - denn er kennt die neuen Regeln

Für den anschließenden Ausblick auf die kommende Bundesliga sollte der geneigte Fan Zeit einplanen: Ob HSV-Führungsduo Thorsten Fink und Oliver Kreuzer, Frank Ribery zwischen Medien und Realität, Mike Hankes erste Trainingstage im Freiburger Team, die Fankultur auf Schalke, ein Portrait über den vom Bundestrainer ignorierten Stefan Kießling oder den BVB, der jetzt die Balance zwischen Fan-Sympathie und europäischem Geschäft halten muss - da ist einfach nichts, was nicht gelesen sein will.

Erdiger, bodenständiger wird es dann bei Liga 2. Die neue Geschäftsführung beim VFL Bochum, der neue Köln-Trainer Peter Stöger, vier Kaiserslautern-Fans - wer sich wie Harald Schmidt hauptsächlich für Teams an der Spitze der Bundesliga interessiert, wird hier wahrscheinlich langsam müde. Aber spätestens bei der Bildstrecke über einen ganz neuen "Trend" wird er sicher wieder wach: Fankutten nämlich, so hört und sieht man, erfahren auf dem Golfplatz, der Rennbahn und beim Schach eine erstaunliche Renaissance. Beim nächsten Ausflug ins Fußball-Abseits sollte man sich unbedingt nach den Jeansjacken mit entsprechenden Aufnähern umsehen!

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In dieser Online-Kolumne wühlt sich die HORIZONT-Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Auflage

Nachdem die verkaufte Auflage der "11 Freunde" im Jahr 2010 schon einmal auf mehr als 89.000 verkaufte Exemplare geklettert, 2011 allerdings wieder auf rund 74.000 Stück gesunken war, verzeichnet Gruner + Jahr im 2. Quartal 2013 insgesamt 80.976 verkaufte Exemplare. Im Einzelverkauf performt der Titel unterschiedlich: Im 2. Quartal 2011 gingen 44.516 Exemplare über die Verkaufstheke, 2012 waren es 50.330 und im Vergleichszeitraum 2013 lediglich 41.684 Stück. Ein erfreuliches Plus verzeichnen die Fußballfans dafür bei den Abozahlen: Die stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 10 Prozent auf 32.971 Exemplare.

Zielgruppe

Der klassische Leser des Hefts ist männlich, zwischen 20 und 49 Jahre alt, vielseitig interessiert und hoch gebildet. Die Leser sind häufig urban geprägt und sehr aktiv.

Facts

"11 Freunde" erscheint monatlich im gleichnamigen Verlag in Berlin, seit Juni 2010 gehören 51 Prozent der Anteile zu Gruner + Jahr. Herausgeber ist Mitbegründer Matthias Hörstmann, auch bekannt als Vater von "Intro". Das Heft gibt es zum Copypreis von 4,50 Euro am Kiosk, das Jahresabo kostet 47 Euro. Eine 1/1-Anzeigenseite kostet laut Preisliste 12.700 Euro. son

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