"Guardian" Digitalumsätze und Verkauf von Beteiligungen sichern Zukunft der Zeitung

Mittwoch, 05. März 2014
Online macht der "Guardian" 70 Millionen Pfund Umsatz (Bild: Screenshot theguardian.com)
Online macht der "Guardian" 70 Millionen Pfund Umsatz (Bild: Screenshot theguardian.com)


Das Überleben des "Guardian", nicht erst seit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden eine der angesehensten Medienmarken der Welt, stand in der jüngeren Vergangenheit aufgrund wackliger finanzieller Basis auf Messers Schneide. Insofern sind es sehr gute Nachrichten, die nun aus London kommen: Durch
den Verkauf einer Beteiligung und das gut laufende Online-Geschäft ist das Erscheinen der Zeitung erst einmal gesichert. Bis Ende März 2014 sollen die Digital-Umsätze der Zeitungssparte Guardian News & Media, in der das gedruckte Blatt, die Sonntagszeitung "Observer" sowie das Web-Angebot theguardian.com erscheinen, um 25 Prozent auf 70 Millionen Pfund (rund 85 Millionen Euro) steigen. Wesentlichster Faktor für den Optimismus der "Guardian"-Gesellschafter ist allerdings der Verkauf von Anteilen des hochprofitablen Kleinanzeigenportals Auto Trader an den Joint-Venture-Partner Apax im Januar. Der Deal brachte dem "Guardian" kurzfristig 619 Millionen Pfund ein und habe das Überleben der Zeitung für mindestens 30 Jahre gesichert, wie es in einer Online-Meldung heißt.

Der "einzigartige Beitrag" des "Guardian" zu nationalen wie internationalen Fragen sei damit für künftige Generationen gesichert, sagt Dame Liz Forgan, Vorstandsmitglied bei Scott Trust, der Dachgesellschaft der Guardian Media Group. "Wir freuen uns auf eine Ära redaktioneller Innovationen durch die 'Guardian'-Titel, die anerkannte Pioniere sowohl im Journalismus als auch in der digitalen Verbreitung sind." Bereits vor dem Verkauf von Auto Trader habe man im volatilen Mediengeschäft stark performt, sagt Andrew Miller, Geschäftsführer der Guardian Media Group. "Der Verkauf verändert unsere Bilanz und versetzt uns in die Lage, Weltklasse-Journalismus aus einer Position der finanziellen Stärke anzubieten."

Im Sommer wird die GMG ihre Konzernbilanz vorstellen. Dabei erwartet man ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 196,3 Millionen Pfund. Es wäre die erste Umsatzsteigerung seit acht Jahren, wie das Unternehmen mitteilt. Unter dem Strich wird für die Zeitungssparte aber dennoch ein Verlust stehen. Dieser soll aber geringer ausfallen, als die 31 Millionen Pfund, die man vor zwei Jahren verbuchte.

Wie sich die Umsätze weiter entwickeln, wird auch davon abhängen, mit welchem Erfolg der "Guardian" neue Erlösquellen erschließt. Die Einführung einer Paywall etwa hat Chefredakteur Alan Rusbridger bislang abgelehnt. "Statt nur das Zeitungsformat in eine elektronische Form zu übertragen, versuchen wir herauszufinden, wie die digitale Welt monetarisiert werden kann", so Rusbridger in einem Statement für das Magazin "Journalist". Ein Beispiel: Kürzlich kam die hauseigene Branded-Content-Unit Guardian Labs mit Unilever ins Geschäft, um eine Nachhaltigkeitsplattform für den Konsumgüterriesen umzusetzen. ire
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