Gruner + Jahrs Sparkurs "Geo"-Gruppe mit 14 Kündigungen / "Netzwerken statt schreiben"

Mittwoch, 29. Oktober 2014
Das Streichkonzert am Baumwall geht weiter
Das Streichkonzert am Baumwall geht weiter
Foto: Foto: G+J
Themenseiten zu diesem Artikel:

Gruner + Jahr Sparkurs Kündigung Betriebsrat


Schwarzer Mittwoch am Hamburger Baumwall: Nach "Stern", "Gala" und seit ein paar Stunden auch "Brigitte" verkündet nun Gruner + Jahrs "Geo"-Gruppe intern ihr Sparprogramm. Es ist ebenfalls Teil der bekannten G+J-Pläne, in den nächsten drei Jahren bis zu 400 der 2400 Stellen in Deutschland zu streichen. Der Verlag kündigt 14 "Geo"-Mitarbeitern, das wäre etwa ein Viertel der geschätzt insgesamt 60 Redaktionsangestellten der Gruppe. Und die übrig gebliebenen Kollegen mögen dann bitte eher netzwerken als produzieren – das sollen künftig mehr Dienstleister erledigen.

Die Mitarbeiter wurden an diesem Mittwoch informiert. Eine Sprecherin von Gruner + Jahr bestätigt entsprechende HORIZONT-Informationen und begründet die Einschnitte mit rückläufigen Vertriebs- und Anzeigenerlösen. Daher starte das monatliche Reportage-Magazin "Geo" (Chefredakteur: Christoph Kucklick) einen "Umbau- und Verkleinerungsprozess", der das Team von einer Autoren- in eine "Netzwerkredaktion" umwandeln soll, die mehr Inhalte, Produktionen und Services von außen einkauft, also von freien Autoren, Info-Grafikern und weiteren Dienstleistern. Heißt: Der Anteil der selbst geschriebenen Geschichten und selbst produzierten Stücke wird sinken. Sechs Mitarbeiter erhalten betriebsbedingte Kündigungen.

Weitere acht betriebsbedingte Kündigungen stehen bei den Reisemagazinen "Geo Saison" (monatlich) und "Geo Special" (monothematisch, zweimonatlich) an. Sie werden künftig von einer gemeinsamen Reiseredaktion produziert, inklusive zentraler Chefredaktion unter Lars Nielsen. Und mehr als bisher werden fertige Produktionen extern zugekauft, außerdem Teile der Dokumentation und Schlussredaktion. Im Verlag weist man darauf hin, dass diese Maßnahmen Strukturen schafften, die sich bei anderen Titeln der "Geo"-Familie ("Geo Wissen", "Geo Kompakt", "Geo Epoche") längst etabliert hätten – und das angeblich "ohne Einbußen bei der Qualität". Die somit insgesamt 14 Kündigungen sollen Anfang 2015 erfolgen, dann gelten jeweils die Kündigungsfristen. Zuvor soll mit dem Betriebsrat ein Sozialplan ausgehandelt werden.

Die Einschnitte jetzt sind Teil des Sparprogramms, das G+J Ende August bestätigt hatte (Hintergründe hier). In den kommenden drei Jahren will das Verlagshaus in Deutschland 75 Millionen Euro Sach- und Personalkosten einsparen und dabei schrittweise bis zu 400 Stellen streichen – vor allem durch Fluktuation, aber auch durch Kündigungen. So wurde Anfang September öffentlich, dass der "Stern" 26 (von knapp 200) Redaktionsmitarbeitern kündigt. Ein Monat später, dass "Gala" im Bereich Foto/Grafik sechs Stellen (von rund 20 dort) streicht. Und an diesem Mittwoch wurden neben den "Geo"- auch die "Brigitte"-Sparpläne bekannt: Elf betriebsbedingte Kündigungen soll es bei dem Frauenmagazin geben. rp

Meist gelesen
stats