Gruner + Jahr Wie der Online-Feinkostshop Delinero von Amazon Fresh und Co profitieren will

Dienstag, 13. Juni 2017
Delinero stellt sich neu auf
Delinero stellt sich neu auf
© G+J

Alles frisch: Gruner + Jahr schmeckt seinen Online-Feinkostshop Delinero neu ab, mit überarbeitetem Sortiment, zusätzlichen Inhalten, einer Werbekampagne – und einer ausgelagerten Logistik. Ziel ist nicht nur weiteres Umsatzwachstum: Im fünften Jahr des Bestehens soll bald auch die Gewinnzone erreicht werden.

Ab dieser Woche zeigt sich Delinero mit neuen Inhalten und Design. Mit dem Relaunch will sich der nach eigenen Angaben „führende Onlineshop für Premium-Lebensmittel aus Europa“ unter dem neuen Claim „Entdecke Genuss“ (zuvor: „Besser essen“) großzügiger inszenieren. Außerdem sollen jetzt auch Rezepte, Videos, Hintergrundgeschichten und Food-Guides regelmäßige Anlässe zum Besuch der Website bieten, zum inspirierenden Verweilen. Bei der Auswahl der rund 3000 Produkte und beim „Storytelling“ (Delinero-Geschäftsführer Daniel Olesen-Fett) auf der E-Commerce-Site sind die Kollegen von „Essen & Trinken“ behilflich.

Der Relaunch wird begleitet von einer On- und Offline-Kampagne vor allem in G+J-eigenen Medien, die die Produktvielfalt in den Mittelpunkt stellt (Agentur: Fluent, Hamburg). Auch hinter den Kulissen ist einiges neu: Die Benutzerführung wurde für Mobile optimiert, neue Suchfilter eingebaut. Außerdem sind Lagerhaltung und Versand nun an einen Dienstleister ausgelagert – Kühl-Logistik gehört eben kaum zu den Kernkompetenzen eines Verlages.

Der Start von Amazon Fresh und anderer Anbieter bereitet Delinero-Chef Daniel Olesen-Fett keine Sorgen. Im Gegenteil: Davon „erwarten wir einen Schub für die Bekanntheit und Akzeptanz von E-Food – und damit auch für uns“. Als Wettbewerber sieht er diese Lieferdienste nicht, da es bei ihnen um tägliche Bedarfsdeckung gehe. „Bei Delinero dagegen stehen Inspiration und Genuss im Vordergrund“, sagt er und verweist auf den durchschnittlichen Warenkorbwert von 80 Euro.

Delinero wurde 2012 in Hamburg gegründet. Seit 2013 ist G+J an dem Shop beteiligt, 2015 erfolgte die vollständige Übernahme. Gestartet war Delinero als provisionsbasiertes Marktplatz-Geschäftsmodell, mit hohen Versandkosten und labiler Logistik mancher kleiner Hersteller; danach versuchte man es mit Sammelbestellungen. Mittlerweile kauft Delinero (rund 30 Mitarbeiter) die Produkte von kleinen Herstellern und Manufakturbetrieben aus ganz Europa selbst ein, auf eigenes Risiko und mit eigenem Category-Management.

Schwarze Zahlen schreibt Delinero damit wohl noch nicht. Olesen-Fett: „Aufgrund des wachsenden E-Food-Marktes sowie der umgesetzten strukturellen Optimierungsmaßnahmen sind wir zuversichtlich, den beschrittenen Wachstumspfad weiterführen zu können, jedoch mit Fokus auf Profitabilität.“ In den nächsten zwei Jahren werde Delinero einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich erzielen.

Der Shop ist ein Teil des Realitätschecks der vor vier Jahren verkündeten G+J-Strategie. Der Verlag versucht, die sinkenden Erlöse seines Stamm-Zeitschriftenportfolios mit neuen Titeln und im Digitalgeschäft unter anderem mit einer engeren Verzahnung seiner Heft-Websites, passender Nutzer-Plattformen und Handelsgeschäften auszugleichen. Bezüglich E-Commerce steht der Beweis noch aus: Den vor drei Jahren gestarteten Kindergeburtstags-Webshop Tambini hat G+J 2016 dicht gemacht, seine Anteile am Kleinkinderartikel-Onlineladen Tausendkind (2013 akquiriert) 2015 wieder verscherbelt. Nun sollen vor allem Delinero und der 2016 gestartete „Schöner Wohnen“-Onlineshop die E-Commerce-Hoffnungen erfüllen. rp

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