Gruner + Jahr Soheil Dastyari und Frank Stahmer vor neuen Aufgaben?

Montag, 01. Februar 2016
Frank Stahmer (l.) und Soheil Dastyari
Frank Stahmer (l.) und Soheil Dastyari
Foto: Gruner + Jahr

Die Zeichen stehen auf Stühlerücken: Gruner + Jahr steht vor der Neuordnung eines Teil seines Führungsteams. Gründe sind die Übernahme der Corporate Publishing-Firma Medienfabrik und das Joint Venture mit dem "Landlust"-Verlag – dessen Umsetzung viel länger dauert als gedacht.

Baustelle Nummer Eins ist die vom Medienkonzern Bertelsmann im November angekündigte Neusortierung aller Geschäfte mit Kundenkommunikation unter dem Dach seiner Zeitschriftentochter Gruner + Jahr. Konkret: Bertelsmanns Corporate Publishing-Firma Medienfabrik, die bislang zur weiteren Konzerntochter Arvato gehört, schlüpft beim Verlag G+J unter, zu dessen deutlich kleineren Kundenmediensparte Corporate Editors.

Nach HORIZONT-Informationen soll Soheil Dastyari Chef des dann nach Verlagsangaben "größten Content-Communication-Dienstleisters Deutschlands" werden. Dastyari ist bereits Co-Geschäftsführer von G+J Corporate Editors, neben Sandra Harzer-Kux. Geschäftsführer der Medienfabrik sind Stefan Postler und Gero Hesse. Zwar ist davon auszugehen, dass auch für drei Letztgenannten Führungsjobs in dem neuen Konstrukt abfallen – doch mit einem Ober-Chef Dastyari würde ein Mann des Junior-Partners die Führung übernehmen: Die Medienfabrik beschäftigt etwa 470 Mitarbeiter, G+J Corporate Editors lediglich rund 100.

Konsequenzen dürfte Dastyaris mutmaßliche künftige Mammutaufgabe auch für weitere wichtige G+J-Sparten haben, denn der 43-Jährige ist zugleich auch noch Geschäftsführer der "Stern"-Gruppe (inklusive des kriselnden "Neon"), führt das verlagsweite Marketing – und verantwortet darüber hinaus noch wichtige Neustarts, darunter "Barbara" und das fürs 1. Quartal angekündigte neue – wöchentliche! – Frauenmagazin. Weil das alles sogar für einen so gleichsam energetischen wie selbstbewussten Manager wie Dastyari wohl zu viel werden würde, dürfte er einige dieser Aufgaben (zumindest operativ) abgeben, heißt es hier und da.

Ein Verlagssprecher will diese Informationen nicht kommentieren. Nur so viel: "G+J Corporate Editors und Medienfabrik planen derzeit, wie die beiden Einheiten künftig zusammenarbeiten werden." Auf Seiten G+J sei Dastyari "hier federführend" in seiner bisherigen Funktion. Entscheidungen seien bisher nicht getroffen.

Baustelle Nummer Zwei ist das bereits im Juli angekündigte Joint Venture mit dem Landwirtschaftsverlag (LV) in Münster, in das G+J vier Living- und Food-Magazine und der Agrar-Fachverlag LV seine beiden Publikumstitel einbringt, darunter den Millionenseller "Landlust". Sechs Monate danach ist das geplante Gemeinschaftsunternehmen noch nicht einmal beim Kartellamt angemeldet. Stattdessen hatte LV-Geschäftsführer Hermann Bimberg im November im HORIZONT-Interview einen überaus selbstbewussten Gruß nach Hamburg geschickt: Beide Verlage seien gut beraten, die Eigenständigkeit von "Landlust" zu erhalten: "Das ist unsere Voraussetzung für das Joint Venture. Bisher haben wir ja nur die Absicht geäußert, und jetzt reden wir mit G+J über die Bedingungen, damit es für beide Seiten passt."

Das klingt nicht nach leichten Verhandlungen. Dabei steht nach HORIZONT-Informationen bereits fest, wen G+J in die Doppel-Geschäftsführung des geplanten 50/50-Joint Ventures schicken will: Frank Stahmer, bisher Geschäftsführer von G+J-Titeln wie "Gala", "Brigitte" und "Geo". Auch hier ist unklar, ob und welche dieser Aufgaben er dann abgeben würde.

Der G+J-Sprecher zu diesem Thema: "Die Gespräche laufen hervorragend, die Verträge werden derzeit ausgearbeitet. Eine Information hat das Kartellamt bereits im August 2015 erhalten. Die Anmeldung wird erfolgen, sobald die Verträge unterzeichnet sind. Über die personelle Besetzung an der Spitze werden wir informieren, wenn es soweit ist." rp

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