Gruner + Jahr Nicole Zepter verlässt "Neon" / Nachfolgerin wird Ruth Fend

Dienstag, 02. August 2016
Nicole Zepter
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Zepter-Übergabe: Nicole Zepter, erst seit Mai 2015 Chefredakteurin des um ein Revival kämpfenden G+J-Monatsmagazins "Neon", schmeißt hin und verlässt das Haus. Nachfolgerin wird Ruth Fend, bisher Chefin des hauseigenen Zweimonatstitels "Business Punk".

Laut Gruner + Jahr hat Zepter ihren Vertrag gekündigt, "um sich wieder eigenen Projekten zu widmen". Auch (eher knappe) Dankesworte fehlen nicht in der Pressemitteilung. Fast länger fällt jedoch das Vorab-Lob für Nachfolgerin Fend aus, die den neuen Job zum 1. Oktober antreten soll: "Eine erstklassige Journalistin, die bei ,Business Punk‘ gezeigt hat, dass sie einen jungen, anspruchsvollen und einzigartigen Titel führen und weiterentwickeln kann." Die Nachfolge dort will G+J in den kommenden Wochen bekanntgeben. Theoretisch im Markt verfügbar wäre wieder Fend-Vorgänger Matthias Oden, zwischendurch mal Vize-Chefredakteur des Fachtitels "W&V".

Ruth Fend war bislang Chefin von "Business Punk"
Ruth Fend war bislang Chefin von "Business Punk" (Bild: Gruner + Jahr)
Zepters schneller Abgang bei "Neon" hat aber wohl einen Hintergrund: Das einstige Lebensgefühl-Magazin derer, die vor zehn Jahren Twenty-Somethings waren, hat im Vergleich zu seiner besten Zeit die Hälfte der Auflage verloren. Mit neuer Mannschaft und einem veränderten Heft versucht G+J seit diesem April das Revival. Der Relaunch soll den Sound treffen von Menschen, die heutzutage erwachsen werden, zwischen der letzten Abi-Party und dem ersten Bausparvertrag, inmitten der Wirrungen des Lebens, der Liebe und der Weltlagen. Gemessen an den "Neon"-Auflagen des 2. Quartals 2016 (Gesamtverkauf: 123.461 Hefte) ist das zumindest bisher misslungen: Die Abos sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent, der Einzelverkauf gar um 26 Prozent.

"Neon" sei eine der größten Zeitschrifteninnovationen der vergangenen 15 Jahre und heute eine etablierte und starke Marke, fühlt sich Publisherin Wibke Dauletiar bemüßigt zu sagen: "Es ist aber auch kein Geheimnis, dass wir uns in einer schwierigen Marktsituation befinden. An unserem Zutrauen in die Marke ändert das nichts. ,Neon‘ ist stark, profitabel und bietet Monat für Monat wunderbaren Journalismus."

Hinzu mag eine persönliche Komponente gekommen sein: Zepter hatte als Externe in einer durch den Umzug von München nach Hamburg ohnehin schon durcheinander gerüttelten Redaktion einen schweren Start. Bald schmissen beide Vize-Chefs und die Art Direktorin hin, interne Kritik wurde extern kolportiert, weitere Redakteure wollten oder mussten gehen. Parallel sanken die Verkäufe immer schneller, und der dringend notwendige Relaunch unter Zepters Ägide verzögerte sich über Monate.

Als nächstes wollte und sollte sie sich um das zweite Sorgenheft kümmern: Um „Nido“, den „Neon“-Ableger für junge Eltern. Das 2009 gestartete monatliche Magazin verkaufte zuletzt (2. Quartal 2016) nur noch 37.882 Hefte, 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch „Nido“ erhält rhetorische Rückenstärkung der Publisherin Dauletiar: Der kleine Titel habe sich „im Elternsegment als vertrauensvolle und moderne Marke etabliert“. Sie selber wird – dann zumindest vorerst – auch nicht mehr lange an Bord sein: Die 36-Jährige verabschiedet sich in Mutterschutz; neuer Publisher der News-Gruppe („Stern“) wird Alexander von Schwerin. rp

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