Gruner + Jahr "Den einen Helden gibt es nicht"

Mittwoch, 28. März 2018
Julia Jäkel ist die Medienfrau des Jahres 2017
Julia Jäkel ist die Medienfrau des Jahres 2017
© Carsten Milbret

Vor einem Jahr rief G+J die Trendumkehr aus. Von nun an sollte es wieder bergauf gehen. 2017 traf das zumindest für das deutsche Geschäft zu. Hier hat sich der Trend verstetigt und das operative Ergebnis verbessert. Doch der Gesamtumsatz des 10.500 Mitarbeiter zählenden Hamburger Verlags schrumpfte erneut. Das lag zuvorderst am Ausstieg aus den Märkten Spaniens und Österreichs. Aber auch das Geschäft in Frankreich schwächelt. CEO Julia Jäkel gibt sich optimistisch. Es gehe darum "Neues zu schaffen, Neues und noch mehr Neues".

Im Kernmarkt Deutschland stiegen bei Gruner + Jahr sowohl der Umsatz als auch in besonderem Maß das Ergebnis. Das lag maßgeblich an den Magazingründungen und dem Digitalgeschäft. Unterm Strich verbesserte sich das Operating Ebitda 2017 sogar um 6,1 Prozent auf 145 Millionen Euro; somit stieg die Marge von 8,7 auf 9,6 Prozent. Der Gesamtumsatz aber lag mit 1,5 Milliarden Euro um 4,2 Prozent unter Vorjahr. 

Schuld sind Portfoliobereinigungen. Vom einst hohen Grad an Internationalität ist dem Verlag nurmehr Frankreich als Auslandsmarkt geblieben. Genau dort schwächelt Gruner + Jahr derzeit. Neben dem Printanzeigengeschäft entwickelte sich am Standort Paris auch der digitale Videovermarkter Advideum rückläufig. 

Wachstumstreiber des vorigen Jahres war für Gruner + Jahr die von Jonas Thiemann und Carlo Szelinsky gegründete App-Vermarktungsplattform Applike. HORIZONT Online sagt G+J-CEO Julia Jäkel allerdings: "Den einen Helden gibt es nicht, es sind mehrere", denn "erfreulicherweise tragen alle unsere neuen Geschäfte etwas bei". Dazu zählt sie "die vielen neuen Magazine, das Geschäft rund um die Marken, unsere Content-Communication-Tochter Territory und natürlich das Digitalgeschäft, das erneut zweistellig gewachsen ist, auch unsere Websites oder Chefkoch". 

Auf die Frage, welche Rolle das Stammgeschäft rund um Stern und Gala, Brigitte und Schöner Wohnen, Geo und Capital noch spielt – abgesehen von einer sinkenden – antwortet Jäkel: "Natürlich wachsen generell die Auflagen nicht mehr, aber die Wirtschaftlichkeit ist stark. Und digital legen sie zu und sind auch dort profitabel". Sie bildeten daher "noch lange unsere kraftvolle Basis" und ermöglichten G+J damit zusätzliche Geschäfte, "etwa die Brigitte Academy oder Stern Gesund Leben mit Eckart von Hirschhausen oder die Möbel-Kollektion von Schöner Wohnen". 

Der Wandel des Hauses werde sich fortsetzen, prognostiziert Jäkel und blickt optimistisch ins laufende Geschäftsjahr: "Wir müssen weiter Neues schaffen, Neues und noch mehr Neues. Und von all den Innovationen müssen wir dann genug hinbekommen. Alles wird natürlich nicht klappen. Daneben müssen wir unser Stammgeschäft hegen und pflegen. Wenn uns das gelingt, wird auch 2018 gut". usi 

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