Gruner + Jahr "Brigitte" mit neuen Ablegern und Vermarktungsprodukten

Mittwoch, 28. Januar 2015
"Brigitte"-Chefredakteurin Brigitte Huber hat viel vor in diesem Jahr
"Brigitte"-Chefredakteurin Brigitte Huber hat viel vor in diesem Jahr
Foto: Foto: Gruner+Jahr

Mehr Output mit weniger Leuten – diese wirtschaftliche Handlungsmaxime, die mittlerweile auch und gerade für Gruner + Jahr gilt, nimmt sich 2015 vor allem dessen Frauen-Flaggschiff „Brigitte“ zu Herzen. So viele Sonderhefte, Line Extensions und Aktionen gab’s noch nie.

So startet G+J neben dem monatlichen Best-Ager-Ableger "Brigitte Woman" (seit 2001) und dem Mütter-Heft „Brigitte Mom“ (seit 2011), dessen Frequenz erst 2014 auf dreimonatlich verdoppelt wurde, in diesem Jahr gleich zwei neue regelmäßige Line Extensions. Welche, das sagt „Brigitte“-Chefredakteurin Brigitte Huber noch nicht. Um Neustarts von "Young Miss" / "Bym" (für junge Frauen, 2006 eingestellt) und „Balance“ (Wellness, 2012 eingestellt) handele es sich aber nicht. Mit Blick auf erfolgreiche Online- und Heftthemen sowie Magazine („Flow“) könnte es auf Do-it-Yourself, Achtsamkeit, Job, Beauty oder Food/Living hinauslaufen.

Daneben soll es 2015 wie im vergangenen Jahr zwölf Sonderhefte geben, viermal mehr als noch vor zwei Jahren: Zum einen acht monothematische Specials der Haupt-„Brigitte“, etwa zu den Themen Stricken, Yoga und Reisen. Und zum anderen erneut vier Sondermagazine von „Brigitte Woman“, darunter das stets ausverkaufte Wechseljahre-Heft. Außerdem sollen alle Digitalprodukte weiterentwickelt, die 2014 gestartete Video-Offensive fortgesetzt und die Reichweitenmaßnahmen via SEO und Social Media forciert werden. So will G+J vom Boom der Bewegtbild-Werbung profitieren und das Durchschnittsalter der Markennutzer senken.

Das alles stemmt Huber mit den verbliebenen 79 Köpfen (60 Print plus 19 Digital), davon viele in Teilzeit. Vor ein paar Jahren waren es noch weit über 100. Wobei die G+J-Controller diese Relation wohl eher als frühere Über- denn als heutige Unterbesetzung interpretieren. Allein 2013 wurden zwölf Stellen gestrichen. Ende 2014 musste Huber mit einer radikalen Aktion weitere elf Kollegen kündigen. Dennoch verfüge „Brigitte“ weiterhin über „die größte Frauenmagazin-Redaktion“, betont sie. Hinzu kommt nun eine steigende Zahl freier Autoren.

Jenseits der Medienprodukte erhöht Publisherin Iliane Weiß 2015 den Takt. So will sie mit dem Angebot „Beauty Box“ Erlöse von zwei Seiten erzielen: Kundinnen können für etwa 40 Euro im Monat ein monatliches Paket mit wechselnden Kosmetikartikeln abonnieren, deren Verkaufswert darüber liegt. Bestücken sollen die Box Kosmetikhersteller, die ihre Produkte so zum Testen und Werben streuen können – und G+J ebenfalls entlohnen. Zahlen sollen auch Nahrungsmittelhersteller, die ihre Produkte vom „Brigitte“-Team testen lassen, um mit dem neuen „Brigitte Diät“-Siegel werben zu können. Außerdem organisieren die „Brigitte“-Modeexperten Fashion-Shows für Unternehmen, für deren Messestände oder Firmenfeiern.

Und das Stammgeschäft? Nach einem prima Jahr 2013 (zweistelliges Nettoplus) sind die Anzeigenumsätze bei „Brigitte“ 2014 brutto um rund 5 Prozent gesunken; netto dürfte das Minus noch größer sein. Die beiden Line Extensions dagegen lagen zweistellig im Plus. Sein Vertriebsjahr schloss das 14-tägliche Hauptheft mit 533.661 Verkäufen ab (IVW 4/2014), das sind knapp 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Das lediglich milde Minus erklärt Weiß mit den zahlreichen Aktivitäten 2014, zum 60-jährigen „Brigitte“-Jubiläum. Einiges davon soll 2015 fortgesetzt werden. Außerdem plant man im Herbst eine große Publikums-Werbekampagne. Mit welcher Agentur, das ist noch unklar. Derzeit lässt G+J titelübergreifend pitchen. rp

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