Grosso-Konditionen-Kampfjahr 2017 Sechs Verlage feilschen im Riesenbündnis – inklusive Axel Springer

Donnerstag, 16. Februar 2017
Das Pressevertriebssystem wird sich verändern
Das Pressevertriebssystem wird sich verändern
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Axel Springer Der Spiegel Funke


Hand in Hand im Handel: Für das wohl turbulente Vertriebsjahr 2017 formieren sich sechs Verlage zu einer ungewöhnlichen Allianz: Axel Springer, Bauer, Burda, Funke, Klambt und Spiegel. Bei dieser "strategischen Koalition" gehe es um eine "Modernisierung des deutschen Pressevertriebssystems" zum Wohle der gesamten Verlagsbranche, teilen die Verlage mit. Doch in erster Linie geht es um: Sehr viel Geld.

Ziel sei es, "die weltweit einzigartige Pressevielfalt und die damit verbundene Presse- und Meinungsfreiheit über den flächendeckenden und diskriminierungsfreien Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften abzusichern“. Angesichts der sich verändernden Mediennutzung und der Auflagenrückgänge müsse das System jedoch „effizienter und in Bezug auf Kostenverursachung und Wertschöpfung gerechter“ werden, damit Verlage im Sinne ihres „verlegerischen Auftrags der Pressevielfalt“ weiterhin profitabel und innovativ arbeiten könnten, heißt es.

Diese altruistische Lyrik vernebelt etwas den Kern der Sache: In den kommenden Monaten feilschen die Verlage und der Grosso-Verband um die Konditionen ihrer neuen Handelsverträge, die ab März 2018 gelten sollen. In diesem vertikalen (Verlage versus Grosso) und horizontalen (Verlage gegeneinander) Verteilungskampf, der zuletzt 2011 tobte, geht es diesmal um jährlich bis zu 80 Millionen Euro Verhandlungsmasse. Auch die Grossisten als Zwischenhandels-Logistiker dürften sich beim Pfründekampf bald wieder als die wahren Garanten der Pressefreiheit inszenieren.

Neu in diesem Jahr ist, dass sich nach der Kartellrechtsreform 2013 nicht nur die Grossisten absprechen und gemeinsam verhandeln dürfen, sondern auch die Verlage. Dabei kann erstaunen, dass ebenso Axel Springer beim Bündnis mit dabei ist, verfolgt der „Bild“-Konzern doch teils andere Interessen als die Magazinhäuser. Was Springers Teilnahme bedeuten kann und warum Gruner + Jahrs Abwesenheit dagegen wenig verwundert, lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 7/2017 vom Donnerstag, 16. Februar, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen. rp

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