Grosso-Chef Frank Nolte über Reformen "Je konkreter wir werden, desto mehr steigen die Bedenken der Verlage"

Freitag, 06. Oktober 2017
Grosso-Chef Frank Nolte
Grosso-Chef Frank Nolte
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Frank Nolte Mindestlohn


Sie reden wieder miteinander: Nach dem Verlagsboykott der Grossisten-Tagung und dem Abbruch der Verhandlungen um neue Handelsverträge ab März 2018 wollen beide Parteien am 20. Oktober mit dem Feilschen fortfahren. Doch die Lage ist verzwickt, zumal es gleichzeitig um neue Strukturen und Marktregeln geht.

Im HORIZONT-Interview kommt Grosso-Verbandschef Frank Nolte den Verlagen entgegen und stellt weitere Fusionen von Grossisten, Umschlagszentren und Auslieferungsdepots in Aussicht: „Der Pressegroßhandel muss und wird sich anders aufstellen, da gibt es keine zwei Meinungen.“ Genau diese aber gibt es weiterhin zur Verteilung der Ersparnisse: „Reform kann nicht bedeuten, viel Geld aus dem System zu ziehen, das einfach nicht mehr da ist.“

Im rückläufigen Markt verliere man bei steigenden Betriebs- (Mindestlohn, Speditionspreise) und Fusionskosten (Abfindungen) allein in diesem Jahr wohl 3 Millionen Euro Roherlöse, die bei der Sicherstellung der Versorgung fehlten. Nötig seien daher Investitionen ins System. „Wir müssen größere Synergien schaffen, um das Vertriebsmarketing und Category Management sowie schlanke Prozesse zum Lebensmitteleinzelhandel auszubauen“, so Nolte.

Im Verlagsbündnis selbst indes unterscheiden sich die Wünsche: Bei Verkaufsstellendichte, Liefertagen, Remission und Marketing haben seltener erscheinende Titel andere Interessen als Schnelldreher, teure andere als billige, Zeitschriften andere als Zeitungen. Hier könnten Differenzierungen bei Leistungsumfang und Kostenbeteiligung helfen. „Doch je konkreter wir werden, desto mehr steigen die Bedenken von Verlagen, die von einer bestimmten Neuregelung betroffen sein könnten“, mahnt Nolte Veränderungsbereitschaft auch bei den Verlagen an. „Vertriebliche Schnörkel können wir uns in der Zukunft nicht mehr ohne Wenn und Aber leisten.“ Heißt: Wer Zusatzservices will, muss mehr zahlen. Die allein für die Zeitungen wichtige tägliche Auslieferung stehe jedoch nicht zur Disposition. „Das Grosso-System ist für alle da“, sagt Nolte, „Presse ist unteilbar – und das soll auch so bleiben“.

Wenig Verständnis zeigt er dafür, dass manche Verlagsleute als Teil des Verhandlungspokers manchmal so klingen, als redeten sie das Grosso-System schlecht. „Viele Verlage, gerade solche, die im Ausland aktiv sind, räumen die Leistungskraft und Verlässlichkeit des deutschen Pressegroßhandels offen ein – jedenfalls wenn keine Verhandlungen stattfinden.“ Das Interview lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 40/2017 vom 5. Oktober. rp

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