Großer Werbeverbund Europäische TV-Konzerne verbünden sich gegen Google

Freitag, 09. Juni 2017
Google bekommt Gegenwind von TV-Konzernen
Google bekommt Gegenwind von TV-Konzernen
Foto: Alphabet
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Pro Sieben Sat 1 gründet mit der französischen TF1 Group und der italienisch-spanischen Mediaset die European Broadcaster Exchange (EBX) und will damit die Vermarktung pan-europäischer Videokampagnen ermöglichen. Es ist damit der zweite große Verbund, der sich gegen Google aufstellt. Anfang Mai hatte auch die RTL Group angekündigt, länderübergreifende Vermarktung von Kampagnen zu ermöglichen und hat ITV in Großbritannien und RAI in Italien mit an Bord.
Die EBX will "den Bedarf an sicheren Umfeldern und qualitativ hochwertigen pan-europäischen Videokampagnen vollumfänglich bedienen", teilen die Partner mit. Das Unternehmen soll seinen Sitz in London haben, weil dort die meisten Mediaagenturen sitzen, die europaweite Kampagnen planen. Auch Google und Facebook, das derzeit ebenfalls im Bereich Bewegtbild aufrüstet, sind stark in der britischen Hauptstadt vertreten, auch wenn die offiziellen Europazentralen in Dublin sind. Nicht mit an Bord ist zum Start ein TV-Konzern vom wichtigen britischen Markt. Die EBX positioniert sich jedoch als offenes Modell, das weitere Medienunternehmen beteiligen will, die ihr Werbeinventar hineingeben. "Mit der Gründung des Joint Ventures schaffen die Medienkonzerne Strukturen, um globalen Wettbewerbern effizienter gegenüberzutreten", teilen die Partner mit.

Im Kern geht es zum Start des Joint Ventures, an dem die drei Konzerne zu gleichen Teilen beteiligt sind, um programmatische Videokampagnen - ein Bereich, in dem vor allem Google mit Youtube extrem stark ist und daher auch viel Werbegeld auf sich vereint. Das Joint Venture soll aber nur der "Startpunkt für eine tiefergehende strategische Zusammenarbeit sein", um die technologische Weiterentwicklung von Onlinewerbung voranzutreiben.

Pro Sieben Sat 1 und der größte europäische TV-Konzern RTL Group haben in Sachen Adtechnologie in den vergangenen Jahren zugekauft und ausgebaut. Um einen wirklichen Kontrapunkt gegen die international skalierenden US-Riesen zu setzen, braucht es jedoch deutlich größere Verbünde. Das ist auch den TV-Konzernen klar, allerdings gibt es kartellrechtliche Hürden. P7S1 und RTL Group könnten sich beispielsweise wegen ihrer Marktmacht in Deutschland nicht ohne weiteres zusammenschließen. Auch der nun angekündigte Verbund steht noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden, dürfte aufgrund der länderübergreifenden Zusammenarbeit jedoch durchgehen.

Die TF1 Group und Mediaset sind bereits Mitglieder der European Media Alliance, einem Mediennetzwerk führender TV-Konzerne, das P7S1 bereits 2014 initiiert hat, um gemeinsame Synergien und Investitionsmöglichkeiten zu schaffen. Zu Jahresbeginn hatten die Unternehmen bereits angekündigt im Bereich Multi-Channel-Netzwerke zu kooperieren. Seither sind auch TF1 und Mediaset an dem Youtuber-Netzwerk Studio71 beteiligt.

Die EBX wird ein eigenes Vertriebsteam aufbauen und eine automatisierte Handelsplattform für digitale Bewegtbildwerbung aufbauen. Die Unternehmen stellen Premium-Video-Werbeinventar in ihren Herkunftsländern zur Verfügung, das die Kunden dann programmatisch einkaufen können.

Die RTL Group hatte Anfang Mai angekündigt, den internationalen Vermarkter IP Network in RTL Ad Connect umzubenennen und vor allem neu zu positionieren. Das Angebot von RTL Ad Connect umfasst neben dem Video- und Audioinvetar der eigenen Sender auch Inventar von ITV in Großbritannien und RAI in Italien. Zur RTL Group gehören unter anderem die TV-Sender RTL in Deutschland, M6 in Frankreich und RTL 4 in den Niederlanden und Radiosender in Frankreich.  Aber auch der Multiplattform-Networks wie Stylehaul. Die Reichweite liegt des Verbundes mit ITV und RAI liegt insgesamt bei 160 Millionen Zuschauern. pap

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