Griechenland sagt Nein "So sieht Weltgeschichte aus" - Die Pressestimmen zum Greferendum

Montag, 06. Juli 2015
Das "Greferendum" ist heute früh Top-Thema in den Medien - wie hier bei der "taz"
Das "Greferendum" ist heute früh Top-Thema in den Medien - wie hier bei der "taz"
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Die Griechen haben das von der Europäischen Union geforderte Sparpaket mit großer Mehrheit abgelehnt. Was bedeutet das für Griechenland und für die EU? Kommt der "Grexit", also der Austritt Griechenlands aus dem Euro? Oder gibt es noch einen anderen Ausweg aus der Krise? Ein Blick auf die Kommentare in den Medien zeigt: Die Unsicherheit ist jetzt so groß wie nie.

Christian Rickens, Spiegel Online

Selbst bei einem Reform-Ja der Griechen wäre die Zeit für eine neue Rettungsmission knapp geworden. Angesichts des Nein erscheint sie aussichtslos. Der Rest der Währungsunion wird das irgendwie verkraften, Deutschland erst recht. Doch für Griechenland beginnen nun bittere Wochen.

Tim Rahmann, WiWo Online

Was feiern die Griechen also? Ihre zurückgewonnene Selbstachtung? Den "Sieg der Demokratie", wie Tsipras behauptete? Oder die Ablehnung eines „deutschen Europas“? Was es auch sein mag: Nach der Party vom Sonntag wird der Kater vom Montag folgen. Für Griechenland wird es nicht leichter. (...) Die Europäische Union, nicht mehr nur die Eurogruppe, wird aufgerufen sein, das Leid so gut es geht zu lindern. Griechenland wird humanitäre Hilfe brauchen.

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Oliver Stock, Handelsblatt Online

So lange die Regierung in Athen keine entscheidenden Reformen voranbringt, fließt kein einziger Euro mehr. Daran ändert auch der Ausgang der Volksabstimmung in Griechenland nichts. Nur diese Position können die Regierungschefs vor ihren eigenen Völkern vertreten. Und nur diese Position schützt den Euro davor, dass er wie ein zu kurz gekochtes Ei als Weichwährung endet.

Carsten Knop, Faz.net

Das Einigungsprojekt wird an der griechischen Frage nicht scheitern. Sie sorgt aber dafür, dass sich die Europäer überlegen müssen, was sie wollen: Wie viel Macht soll Brüssel haben? Wie homogen muss ein Währungsraum sein? Noch ist es eine Debatte mit bindender Zentripetalkraft, die dafür sorgt, dass die Ideen in ihrer Bahn weiterhin um einen europäischen Kern kreisen und sich nicht verselbständigen. Gut wäre, wenn das so bliebe, auch außerhalb Griechenlands.

Ulrike Herrmann, taz.de

Die Euro-Granden haben im Vorfeld stets behauptet, ein Grexit sei ungefährlich. Das ist eine glatte Lüge. Die Risiken sind überhaupt nicht einzuschätzen, und es wäre sehr wahrscheinlich, dass bei der nächsten Krise das nächste Euroland rausfliegt – schon weil die Finanzmärkte darauf wetten würden. So sieht Weltgeschichte aus.

Sascha Lehnartz, Welt Online

Selten ist im vereinten Europa in so kurzer Zeit soviel Porzellan zerschlagen und Vertrauen zerstört worden. Mit diesen "Partnern" wird man sich nun in Brüssel wieder an einen Tisch setzen müssen. Viel Zeit bleibt nicht. Wenn nichts passiert, hat Griechenland in ein paar Tagen kein Geld mehr. Die wirtschaftlichen Folgen wären verheerend, die Arbeitslosigkeit würde explodieren, der Grexit wäre kaum noch zu verhindern. Wenn das noch jemand ernsthaft abwenden will, müssen sich beide Seiten bewegen.

Cover der Woche 27/2015
Bild: Collage HORIZONT

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Stefan Ulrich, Sueddeutsche.de

Die EU muss nun den Schaden minimieren, den die Regierung Tsipras angerichtet hat. Sie muss den Griechen Nothilfe leisten und sie weiter in Europa willkommen heißen. Soll sie jedoch mehr tun und Griechenland durch ein weiteres enormes Rettungsprogramm im Euro-Raum halten, dann müssen die Griechen ihr Nein überdenken und Reformen und Kompromisse anbieten. Tun sie das nicht, kommt der Euro künftig ohne Eule aus.

Paul Ronzheimer, Bild.de

Es ist eine historische Entscheidung für Griechenland und die EU: Die Griechen haben sich mit einem Nein selbst aus dem Euro gewählt! Für Deutschland und die gesamte EU kann es jetzt nur noch eine Antwort geben: Grexit – und zwar sofort!

Heinrich Wefing, Zeit Online

Dies ist nicht das Ende Europas. Dies ist auch nicht das Ende des Euro. Das laute, überwältigend klare Nein der griechischen Bürger im Referendum am Sonntag muss nicht einmal das Ende des Euro in Griechenland bedeuten. Ein Grexit ist nicht unausweichlich. Es ist immer noch denkbar, dass am Ende dieses jahrelangen Ringens um Athens Staatsschulden eine Lösung steht, die für beide Seiten erträglich ist, und Griechenland nicht zurück in die Drachme treibt. Aber eine solche Lösung ist nach dem Volksentscheid noch wesentlich schwieriger geworden, und es wird alle Staatskunst Europas brauchen, jetzt einen haltbaren Kompromiss zu finden.
WERBUNG Für Deutschland und die gesamte EU kann es jetzt nur noch eine Antwort geben: Grexit – und zwar sofort!
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