Griechenland-Referendum "Bild" zieht wieder mal den Zorn des DJV auf sich

Freitag, 03. Juli 2015
"Bild" provoziert derzeit mit einem eigenen Referendum zum Thema Griechenland
"Bild" provoziert derzeit mit einem eigenen Referendum zum Thema Griechenland
Foto: Screenshot Bild.de

Die Griechenlandberichterstattung der "Bild" war in der jüngeren Vergangenheit schon häufig Gegenstand hitziger Debatten. Die Boulevardzeitung macht keinen Hehl daraus, dass sie von weiteren Finanzhilfen für das von der Staatspleite bedrohte EU-Land nichts hält. Nun hat "Bild" noch eins drauf gesetzt und lässt ihre Leser darüber abstimmen, ob Deutschland die Griechen weiterhin finanziell unterstützen sollte. Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten.
Am Sonntag könnte sich das weitere Schicksal Griechenlands entscheiden. Dann stimmen die Bürger des Landes darüber ab, ob die Regierung den von der EU geforderten Sparkurs mitgehen oder ablehnen soll. "Bild" ist der Meinung, dass hier die Falschen abstimmen dürfen: "Wir Deutschen sollten gefragt werden, ob wir weiter zahlen wollen!", heißt es auf der Titelseite der Print-Ausgabe sowie auf der Homepage der Zeitung. Darunter können die Leser zu der Frage "Sollen wir Griechenland mit weiteren Steuer-Milliarden unterstützen?" ein Kreuzchen setzen. Bislang ist das Ergebnis eindeutig: Beinahe 200.000 Stimmen zählt das System, fast 90 Prozent haben für "Nein" votiert.
13:45 Uhr: Das Votrum der "Bild"-Leser ist bislang eindeutig
13:45 Uhr: Das Votrum der "Bild"-Leser ist bislang eindeutig (Bild: Screenshot Bild.de)
Aus Sicht der "Bild" dürfte das vorläufige Ziel damit erreicht sein. Die Seele der den Griechen nicht zugetanen Leser kocht - und der restliche Teil der Republik darf sich wieder einmal an der Zeitung abarbeiten. Chefredakteur Kai Diekmann versteht es gleichzeitig wie immer virtuos, den Rummel auf seiner bevorzugten Kommunikationsplattform Twitter anzuheizen. Weil Griechenlands Finanzminister Yannis Varoufakis ankündigte, den Ausgang der Abstimmung in Griechenland mit seinem politischen Schicksal zu verknüpfen, tut Diekmann es ihm kurzerhand gleich. Auch wenn dies weniger ernsthaft gemeint sein dürfte: "Entweder ihr stimmt mit Nein, oder ich trete zurück", twitterte Diekmann in Richtung der "Bild"-Leser.
Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) fand das Vorgehen der "Bild" in Sachen Griechenland noch nie lustig - und tut das auch jetzt nicht, im Gegenteil: "Diekmann entfernt sich damit zum wiederholten Mal von seinem Auftrag als Journalist und macht selber Politik", schäumt DJV-Chef Michael Konken. "Das ist nicht seine Aufgabe. Journalisten sollen Informationen anbieten, einordnen und erklären." Stattdessen werde hier "eine politische Show inszeniert."

Konken fordert den Springer-Verlag, in dem die "Bild" erscheint, darüber hinaus auf, seine eigenen Regeln einzuhalten. Darin werde das "unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas" vorgegeben, zitiert Konken.

Die Reaktion Diekmanns ließ nicht lange auf sich warten: Als Antwort auf den entsprechenden Tweet des DJV setzte der "Bild"-Chef einfach drei feixende Engel-Emoticons ab. ire
Meist gelesen
stats