Google-Personalchef Frank Kohl-Boas "Besser eine Entscheidung treffen als untätig bleiben"

Mittwoch, 04. September 2013
Frank Kohl-Boas entscheidet über das Google-Personal (Bild: Olaf Ballnus)
Frank Kohl-Boas entscheidet über das Google-Personal (Bild: Olaf Ballnus)
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"Jeder, der mit in einem Interview sitzt, hat die Möglichkeit, Google künftig zu prägen." Frank Kohl-Boas weiß, wovon er spricht. Als Google-Personalleiter verantwortet er das Recruiting für den Bereich Nordeuropa - und legt Larry Page wöchentlich die Listen derer vor, die neu eingestellt werden sollen.
Herrr Kohl-Boas, nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Mitarbeiter aus? Die Einstellung neuer Mitarbeiter bei Google erfolgt konsensbasiert. Verschiedene Abteilungen müssen sich alle weitestgehend einig sein. Das verhindert, dass Recruiter ihr eigenes Abziehbild einstellen. Deshalb gilt bei uns: A interviewers recruit A candidates, B interviewers recruit C candidates. Larry Page lässt sich jede Woche die Liste derer, die wir neu einstellen wollen, vorlegen. Das Bewusstsein, dass er die Listen absegnet, macht das Recruiting zu einem noch wichtigeren Prozess. Jeder, der mit in einem Interview sitzt, hat die Aufgabe und die Möglichkeit, Google künftig zu prägen.

Google im Gespräch

HORIZONT hat einen Blick hinter die Kulissen des Internetgiganten Google geworfen und dabei nicht nur mit Schaumstoff gefüllte Konferenzpools entdeckt, sondern auch mit mehreren Managern gesprochen: Brandingchef Thomas de Buhr, Personalleiter Frank Kohl-Boas, Head of New Product Jens Redmer und Entwicklungschef Wieland Holfelder.


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Was zeichnet eine Google-Führungskraft aus? Unsere Mitarbeiter haben eine hohe Eigenmotivation. Sie wollen sich einbringen und etwas leisten. Aufgabe unserer Führungskräfte ist es daher, das Dreieck aus Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Leistungsbefugnis so groß wie möglich zu gestalten. Die Onlinewelt ist wahnsinnig schnell, deshalb brauchen wir in allen Bereichen pragmatische Menschen, die Verantwortung übernehmen möchten und eigenständige Entscheidungen treffen können. Wir haben dabei eine hohe interne Fehlertoleranz bei Google - es ist immer besser eine Entscheidung zu treffen als untätig zu bleiben, selbst wenn sich diese im Nachhinein vielleicht als falsch herausstellt.

Auf welche aktuellen Veränderungen müssen Ihre Mitarbeiter reagieren? Die allgegenwärtige Vernetzung zwingt zum ständigen Umdenken und Neudenken. Google-Charaktere müssen Grenzen selbst setzen können in einer Welt, in der klare Regeln abwesend sind. Ganz Ähnliches gilt übrigens auch für jede Marketingabteilung. Unsere Kundenberater sprechen mit ihren Kunden sehr viel darüber, dass Markenkommunikation in der heutigen digitalen Welt ganz neu gedacht und angegangen werden muss. kl
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