Google-News-Chef Gingras "Zum technologischen Wandel gehört auch Schmerz"

Montag, 05. Mai 2014
Richard Gingras
Richard Gingras

"Die Zukunft des Journalismus wird großartig sein": Ein Zitat wie dieses ist nicht ungewöhnlich, vor allem dann nicht, wenn es eine Veranstaltung wie den Europäischen Zeitungskongress in Wien eröffnet. Besonders macht die Aussage vielmehr ihr Absender, Richard Gingras, Chef von Google-News. In seiner Keynote appellierte der Manager, der unter anderem auch in Deutschland den Nachrichtenaggregator des Suchmaschinenkonzerns verantwortet, an die versammelte Printbranche, die vielfältigen Möglichkeiten des neuen Medien-Ökosystems zu nutzen. Ein Appell, der von einem Mann wie Gingras fast gönnerhaft statt ungewöhnlich klingt. Sein Newsaggregator steht im Fokus des Leistungsschutzrechtes für Presseverlage, das seit vergangenem Jahr in Deutschland in Kraft ist. Seit der Einführung hat Google immer wieder betont, nicht für die Textausschnitte (Snippets) bezahlen zu werden. Stattdessen stellte Gingras in seiner Keynote die Leistung von Google News, Monat für Monat Milliarden an Besuchern auf die Websites der Verlage zu leiten, in den Mittelpunkt. Die Bedeutung dieser Mechanik sei nicht hoch genug einzuschätzen.

Dass das Internet die in der Vergangenheit funktionierenden Geschäftsmodelle in Frage und deren Anbieter vor gewaltige Herausforderungen stellt, bezweifelte Gingras wiederum nicht. Aber der Journalismus könne vom offenen Internet profitieren, die Branche müsse nur bereit sein, die bisher besetzten, bequemen Plätze aufzugeben. "Eines ist schließlich klar: Der technologische Wandel wird sich nicht verlangsamen, und er geht nicht ohne Schmerz einher." Aber er biete auch viele Chancen. Das Medien-Ökosystem sei geöffneter als je zuvor, innerhalb der sozialen Medien könne "jeder Journalist sein". Parallel dazu sei es möglich, auf immer mehr Daten zurückzugreifen. Dieses darin verborgene Wissen zu extrahieren und zu nutzen, sei die Aufgabe der Medienschaffenden. Womöglich gebe es dadurch sogar mehr Möglichkeiten für investigativen Journalismus als früher. Als Beispiel hierfür nannte er unter anderem die amerikanische Plattform Propublica.

Zeitungsmacher müssten sich fortan neu orientieren und neue Ideen entwickeln. Es gelte mit Innovationen zu experimentieren, und sich eine individuelle Position, ein Alleinstellungsmerkmal, im wachsenden Umfeld ständig neuer Angebote zu sichern. Oder einen Platz in der Nische. Das zumindest könnte man vermuten, weil der Fokus von Google dann doch recht global klingt: Man wolle den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln helfen, sich in diesem Informationsdschungel zurecht zu finden. kl
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