Google-Manager Jens Redmer "Wir können Dinge, die vor ein paar Jahren noch Science Fiction waren"

Freitag, 23. August 2013
Jens Redmer ist Head of New Products and Solutions bei Google (Bild: Olaf Ballnuss)
Jens Redmer ist Head of New Products and Solutions bei Google (Bild: Olaf Ballnuss)

Jens Redmer ist nicht nur einer der dienstältesten Google-Mitarbeiter. Der Head of New Products and Solutions arbeitet seit 20 Jahren in der Medienbranche und erinnert sich nicht nur daran, wie Broschüren erst eingescannt und dann zum E-Paper wurden, er weiß auch: Im Bereich Mobile werden heute die gleichen Fehler gemacht wie bei der Gestaltung der ersten Internetseite. Herr Redmer, Sie sind seit 2005 bei Google und damit einer der Dienstältesten. Was waren für Sie die einschneidendsten Veränderungen in Ihrer Branche? Ich bin mittlerweile seit 20 Jahren in der Branche und kann mich noch an die Zeit erinnern, als Unternehmen für ihr E-Paper stur Broschüren eingescannt haben. Seit 2007/2008, also seit das mobile Internet so richtig abgehoben hat, werden interessanterweise die gleichen Fehler gemacht wie vor 20 Jahren bei der Gestaltung der ersten Internetseite. Immer noch sehr viele Unternehmen betreiben keine mobile-optimierten Websites - darunter auch sehr große. In Deutschland gibt es eine Menge vertaner Möglichkeiten durch nicht vorhandene Mobile-Optimierung. Da hinken wir im europäischen Vergleich hinterher, auch bezüglich der Smartphone-Penetration. Aber Deutschland holt rasant auf.

Woran scheitert es momentan? Das Potenzial des mobilen Internets wird von ganz vielen Unternehmen überhaupt noch nicht verstanden. Die denken, es ist ein Trend, der nächstes Jahr kommt oder übernächstes. Doch die Realität, und wir sehen das relativ deutlich über die Suchanfragen, die von den verschiedenen Plattformen aus bei uns eingehen, zeigt: Es ist kein Trend mehr. Viele unserer Dienste werden von mobilen Geräten mittlerweile intensiver genutzt als von anderen. Da müssen bei vielen Unternehmen die Warnsignale angehen, welches Potenzial da verschenkt wird.

Wo liegt für Sie dieses Potenzial?

Google im Gespräch

Google im Gespräch
HORIZONT hat einen Blick hinter die Kulissen des Internetgiganten Google geworfen und dabei nicht nur mit Schaumstoff gefüllte Konferenzpools entdeckt, sondern auch mit mehreren Managern gesprochen: Brandingchef Thomas de Buhr, Personalleiter Frank Kohl-Boas, Head of New Product Jens Redmer und Entwicklungschef Wieland Holfelder.

Eine ausführliche Reportage über Google Deutschland lesen Sie in HORIZONT 34/2013

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Wir können mittlerweile Dinge, die vor ein paar Jahren noch Science Fiction waren. Wir können Suchergebnisse liefern, bevor der Nutzer überhaupt an eine Suchanfrage denkt. Wir sehen uns dabei wie eine Telefonschnittstelle. Wir verbinden die Inhalte des Internets und der Publisher mit den Interessen unserer Nutzer. Werbung ist dabei die sinnvolle Ergänzung und Begleitung des Suchergebnisses. Die Werbeergebnisse sollen genauso relevant und hilfreich sein wie die organischen Webergebnisse. Stellen Sie sich vor, wir würden immer ein großes Interstitial vor die Suchergebnisse legen und dafür 1000 Euro TKP nehmen. So etwas wollen wir gar nicht, weil es die Glaubwürdigkeit unserer Suchergebnisse unterminieren würde und nicht hilfreich für den Nutzer wäre. Wir bekommen aber jeden Tag solche Anfragen. Oder Unternehmen interessieren sich für das wohl wichtigste und wertvollste Stück Inventory der Welt: die Google-Startseite. Diese ist und bleibt aber werbefrei.

Suchergebnisse zu liefern, bevor der Nutzer überhaupt an eine Suchanfrage denkt, das klingt im Moment noch unheimlich. Vor allem machen sich die Menschen seit dem NSA-Skandal doch auch verstärkt Gedanken zum Thema Datenschutz. Wir müssen uns das Vertrauen unserer Nutzer jeden Tag erarbeiten. Wir versuchen das mit größtmöglicher Transparenz: Wir geben unseren Nutzern Einblick und Kontrolle über seine Daten. Er kann alles löschen, bearbeiten, übertragen, wie er will. kl
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