Google-Deutschlandchef Philipp Justus "Einzelne Umfelder auf Youtube waren nicht passend"

Donnerstag, 06. Juli 2017
Google-Deutschlandchef Philipp Justus
Google-Deutschlandchef Philipp Justus
© Björn-Arne Eisermann
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Google Philipp Justus YouTube EU-Kommission Chrome Adblocker


Um den Sturm, der gerade auf Google einpeitscht, zu überstehen, schadet es sicher nicht, jemanden wie Philipp Justus an der Spitze zu haben. Smart und nahezu druckreif spricht der Vice President für Central Europe über Googles Brand-Safety-Problem, gesteht Fehler ein, gelobt Besserung.
An seiner Stimmung können sowieso weder die genannten Probleme noch die drohende Rekordstrafe der EU-Kommission etwas ändern. Google sei heute bei "nahezu allen Kunden" frühzeitig eingebunden und unterstütze sie in ihrer strategischen Ausrichtung, sagt Justus im Interview. HORIZONT Online veröffentlicht das Gespräch in Auszügen.

Philipp Justus über ...

... die Reaktion Googles auf das Urteil der EU-Kommission zu Google Shopping
Bei allem Respekt, wir stimmen den Schlussfolgerungen der EU-Kommission nicht zu. Derzeit sind wir dabei, die Entscheidung ausführlich zu prüfen, auch die Erwägung eines Einspruchs gegen die Entscheidung. Entsprechend werden wir weiterhin unseren Standpunkt klarmachen.


... den Umgang mit Googles Brand-Safety-Problemen:
Natürlich erwarten Unternehmen, dass ihre Werbung in Umfeldern erscheint, die zu ihren Marken passen – und zwar so, wie das Unternehmen das definiert. Unser Anspruch an uns selbst ist es, das zu ermöglichen. Trotzdem waren wir damit auf Youtube in den vergangenen Monaten nicht immer erfolgreich. Dort gab es einzelne Umfelder, die Unternehmen nicht als passend empfunden haben. Deshalb haben wir eine Reihe von Veränderungen umgesetzt. Wir haben unsere Richtlinien verschärft, die festlegen, auf welchen Youtube-Videos überhaupt Werbung erscheinen darf. Zudem haben wir Werbungtreibenden mehr Kontroll- und Einstellungsmöglichkeiten gegeben, mit denen sie ihre individuellen Umfelder selbst festlegen können. Was für die eine Marke passt, passt nicht automatisch für die andere.

„Wir haben Werbungtreibenden mehr Kontroll- und Einstellungsmöglichkeiten gegeben, mit denen sie ihre individuellen Umfelder selbst festlegen können. “
Philipp Justus
Google-Deutschlandchef Philipp Justus
Google-Deutschlandchef Philipp Justus (Bild: Björn-Arne Eisermann)

... den Adblocker im Google-Browser Chrome: 
Nutzer sehen allzu oft schlechte Ads im Web – wie solche, in denen unerwartet Musik läuft, oder die sie zwingen, zehn Sekunden zu warten, bis sie auf die eigentliche Zielseite gelangen. Diese frustrierenden Erfahrungen können einige dazu bringen, alle Ads zu blockieren – ein hoher Preis für alle Publisher. Online-Ads müssen einfach besser werden. Aus diesem Grund sind wir bereits letztes Jahr der Coalition for Better Ads beigetreten, die sich für qualitativ hochwertige Online-Werbung einsetzt. Die kürzlich angekündigten Better Ads Standards enthalten eine klare, datenbasierte Anleitung, wie die Branche Online-Ads für verbessern kann. Im Dialog mit der Coalition und anderen Gruppen der Branche planen wir, in Chrome ab 2018 alle Ads auf Websites zu blockieren, die nicht den Better Ads Standards entsprechen. Und damit das sehr klar ist: Dies schließt natürlich auch solche Ads ein, die von Google stammen oder bereitgestellt werden.


... die Zusammenarbeit mit deutschen Markenartiklern: 
Die Bereitschaft, Markenführung in der digitalen Welt als Kernbestandteil von Markenführung überhaupt zu betrachten, damit zu experimentieren und digitale Medien in den Mittelpunkt des Mediamixes zu stellen, ist in den vergangenen drei Jahren extrem angestiegen. Hier ist nicht nur Google, sondern die ganze Industrie einen sehr großen Schritt vorangekommen. Wir arbeiten sehr eng mit ganz vielen Markenunternehmen – zum Beispiel aus der FMCG-, Automotive oder Healthcare-Branche – zusammen. Nahezu alle Kunden involvieren uns schon frühzeitig, wenn es um Ideen für Kampagnen oder einen Produktlaunch geht. Wir arbeiten hier beratend mit den Werbungtreibenden zusammen und unterstützen die Unternehmen auch in ihrer strategischen Ausrichtung. Diesen Weg wollen wir weiter beschreiten.

„Das mobile Angebot, egal, ob Site oder App, muss immer Priorität haben. “
Philipp Justus
Google-Deutschlandchef Philipp Justus
Google-Deutschlandchef Philipp Justus (Bild: Björn-Arne Eisermann)

... über den Nachholbedarf in Mobile: 
Werbungtreibende müssen die mobile Geschwindigkeit in den Griff bekommen und die Erfahrung, die Nutzer auf den mobilen Sites machen, optimieren. Das heißt: Das mobile Angebot, egal, ob Site oder App, muss immer Priorität haben. Viele Unternehmen in Deutschland sehen ihr mobiles Produkt immer noch als zweitrangig, um das sie sich kümmern, wenn die normale Website gebaut ist. Falsche Werbeformate, die zu lange laden, zu viel Datenvolumen in Anspruch nehmen und dann auch noch nerven, tun ihr Übriges und wirken sich nicht nur negativ auf den Nutzer, sondern auch auf die beworbenen Produkte aus. Dieser Zusammenhang scheint in der Branche noch nicht selbstverständlich zu sein. kan 

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