Goldmedia Trendmonitor Das werden 2017 die wichtigsten Trends in Medien und Telekommunikation

Dienstag, 20. Dezember 2016
Goldmedia hat die wichtigsten Trends für 2017 identifiziert
Goldmedia hat die wichtigsten Trends für 2017 identifiziert
© Goldmedia

Das Jahresende ist die Zeit der Rückblicke, aber auch der Ausblicke auf das kommende Jahr. Die auf Medien und Telekommunikation spezialisierte Unternehmensberatung Goldmedia veröffentlicht regelmäßig zum Jahresende einen Trendmonitor, der sich mit den wichtigsten Entwicklungen des kommenden Jahres beschäftigt. Die wichtigsten Trends im Überblick.

1.

Computational Communication

Chatbots sind auf dem Vormarsch
Chatbots sind auf dem Vormarsch (Bild: Fotolia)
Chatbots gibt es bereits seit geraumer Zeit und auch das Phänomen des Roboterjournalismus ist in datenintensiven Bereichen wie zum Beispiel bei Sport- oder Börsennews nichts neues. Durch die steigende Zahl von Fake News und deren vermeintlichen oder tatsächlichen Einfluss auf die Wahlen in den USA ist das Thema nun in den Blickpunkt der breiten Öffentlichkeit gerückt. "Chatbots und das Feld der 'Computational Communications' werden massiv an Bedeutung gewinnen", sind sich die Experten von Goldmedia sicher.


2.

Bewegtbildwährung

Die TV-Nutzung verteilt sich auf immer mehr Empfangswege
Die TV-Nutzung verteilt sich auf immer mehr Empfangswege (Bild: Fotolia/Franz Pflügl)
Die zunehmende Nutzung von Online-Videos stellt die klassischen TV-Sender und deren Vermarkter vor neue Herausforderungen. Die klassischen Einschaltquoten bilden längst nicht mehr die gesamte Bewegtbildnutzung ab. Ab Januar 2017 erfasst die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) auch die Onlinereichweiten von TV-Inhalten, die allerdings erst mit einem Zeitverzug von 40 Tagen vorliegen. Außerdem arbeitet die AGF an der Integration von Youtube in seine Messung - wann es so weit sein wird, dass konvergente Bewegtbilddaten ausgewiesen werden, steht indes noch in den Sternen. 

Eine weitere Herausforderung für die Medienforscher ist angesichts von Adressable TV und Programmatic Advertising in Bewegtbildumfeldern außerdem der Nachweis der Reichweite der Werbung. "2017 wird das Jahr sein, in dem sich viele Marktakteure eingestehen werden, dass vom Ideal der Einheitswährung hin zu einem neuen Paradigma der getrennten Messung von Werbung und Content gedacht werden muss", meint Goldmedia-Geschäftsführer Florian Kerkau.

3.

Video-Networks

Youtube greift Spotify an
Youtube greift Spotify an (Bild: Unternehmen)
Online-Video ist nach wie vor einer der Mega-Trends. 86 Prozent der Onliner sehen sich regelmäßig Videos im Internet an. Neben Youtube, Netflix und Amazon buhlen mittlerweile auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Snapchat und Instagram mit Videofunktionen um Aufmerksamkeit und Werbekunden. Dabei haben sich in diesem Jahr Snapchat und Instagram zu Shootingstars entwickelt, die vor allem bei jungen Nutzern mit rasant wachsenden Abrufzahlen glänzen können. Wer aus diesem Rennen als Sieger hervorgeht oder ob es angesichts des wachsenden Marktes genug Platz für mehrere große Player gibt, ist noch nicht ausgemacht.

4.

Digitale Sprachassistenten

Der Echo-Lautsprecher kommt nach Deutschland
Der Echo-Lautsprecher kommt nach Deutschland (Bild: Amazon)
Apple war mit seinem Sprachassistent Siri vor mittlerweile fünf Jahren der Vorreiter, nun halten die digitalen Helfer dank smarter Lautsprecher wie Amazon Echo und Google Home auch im digitalen Zuhause Einzug. 2017 werden weitere Geräte auf den Markt kommen, darunter ein Echo-Pendant von Microsoft und ein neuer Sprachassistent von Samsung. "Sprache wird zum neuen Interface", bringt Goldmedia die Entwicklung auf den Punkt. Die ständig auf Empfang stehenden digitalen Helferlein im Privatbereich der Nutzer werfen allerdings auch Fragen etwa zum Datenschutz auf.

5.

Programmatic Advertising für Online-Audio

Programmatic Advertising hält auch bei Audio-Angeboten Einzug
Programmatic Advertising hält auch bei Audio-Angeboten Einzug
Dank populärer Musik-Streamingdienste wie Spotify, Amazon Music und Deezer erlebt die gute alte Radiowerbung in Form von Audio-Ads eine Renaissance. Im Gegensatz zu Display-Werbung und Online-Videos ist Programmatic Adverstising im Bereich Audio noch die Ausnahme. "Doch 2017 wird Programmatic Advertising im Audiomarkt zum relevanten Trend", ist sich Christine Link, Senior Consultant bei Goldmedia sicher. Derzeit arbeiten die relevanten Anbieter an den technischen Voraussetzungen. Bis Ende 2017 werden die Anbieter in der Lage sein, auch außerhalb geschlossener Systeme wie Spotify Zielgruppen für Audio-Kampagnen entsprechend zu adressieren.

6.

Musikstreamingdienste

Spotify nutzen weltweit derzeit rund 90 Millionen Menschen
Spotify nutzen weltweit derzeit rund 90 Millionen Menschen (Bild: Spotify)
Musik-Streamingdienste wie Spotify, Deezer und Napster boomen. Laut dem aktuellen Webradio-Monitor, den Goldmedia im Auftrag der Landesmedienanstalten erstellt, werden die Dienste vor allem über mobile Geräte genutzt: Rund 80 Prozent der Online-Audiohörer nutzen Apps und mobile Websites, um online Musik zu hören. Die großen Mobilfunkanbieter reagieren mit speziellen Musik-Flatrates und Partnerschaften auf diesen Trend. Während sich die Telekom ihren Kunden seit kurzem exklusiven Zugang zu Apple Music bietet, haben sich die Konkurrenten Vodafone und Telefonica mit Deezer und Napster zusammengetan.

7.

Pay-Video-on-Demand

Netflix ist ein Gigant auf dem Streaming-Markt.
Netflix ist ein Gigant auf dem Streaming-Markt. (Bild: Paul Sakuma Photography)
Während sich klassisches Pay-TV in Deutschland lange schwer getan hat, erfreuen sich Pay-Video-on-Demand-Dienste inzwischen großer Beliebtheit. Der Markt ist in Bewegung: Nach dem Deutschlandstart von Netflix hat sich mit Watchever bereits der erste Player aufgegeben. Mit Sky und der Pro-Sieben-Sat-1-Tochter Maxdome mischen auch zwei nationale Anbieter in dem wachsenden Markt für Videostreaming mit. Im kommenden Jahr wird mit Youtube Red ein weiterer Global Player in den deutschen Markt eintreten. Das Angebot für den Endkunden wird damit vielfältiger - aber auch unübersichtlicher. Eine Herausforderung für die Anbieter ist die valide Reichweitenerhebung - die für eine Vermarktung aber unerlässlich ist.

Goldmedia hat in diesem Bereich einen weiteren, auf den ersten Blick erstaunlichen Trend ausgemacht. Während das Angebot von Maxdome, Netflix & Co. in der Vergangenheit immer weiter ausgebaut wurde, setzt zumindest Netflix mittlerweile offensichtlich auf eine Fokussierung. Unter anderem wegen auslaufender Rechtedeals schrumpfte das Angebot an Filmen und Serien bei Netflix von rund 8100 Titel im Jahr 2014 bis Ende 2016 um ein Drittel auf rund 5300. Stattdessen konzentrieren sich die großen Anbieter verstärkt auf eigene Produktionen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eigene Inhalte sichern den Anbietern Exklusivität und weltweite Auswertungsmöglichkeiten. Günstig ist diese Strategie indes nicht: Netflix hat 2016 rund 6 Milliarden US-Dollar in eigene Inhalte investiert, im kommenden Jahr sollen es sogar 7 Milliarden werden.

8.

Influencer Marketing

Wurden durch die Hype-App Musical.ly bekannt: Die Schwestern Lisa und Lena
Wurden durch die Hype-App Musical.ly bekannt: Die Schwestern Lisa und Lena (Bild: Screenshot Instagram)
Influencer Marketing war einer der ganz großen Trends 2016 und wird auch im kommenden Jahr weiter an Bedeutung gewinnen. Im Online-Marketing gehören die jungen Internet-Stars mittlerweile zum Standardrepertoire, wenn es darum geht, junge Zielgruppen anzusprechen, die mit klassischen Medien immer schlechter zu erreichen sind. Google verfügt mit Youtube über die einflussreichste Plattform für Influencer und rüstet mit der Integration der Influencer-Plattform Famebit in diesem Bereich weiter auf. Andere bedeutende Plattformen für Influencer Marketing sind Instagram und Snapchat. Mit Musical.ly schickt sich eine weitere App an, den etablierten Netzwerken Konkurrenz zu machen. Mit dem Programm können Nutzer zu ihren persönlichen Lieblingssongs eigene Musikvideos erstellen und mit Freunden teilen. Vor allem bei Teenies ist Musical.ly derzeit die Hype-App schlechthin, die bereits die ersten Stars hervorgebracht hat: Die erst 14-jährigen Geschwister Lisa und Lena kommen dort bereits auf 13 Millionen Fans.

9.

Gaming

Auch Youtube startet ein Gaming-Portal
Auch Youtube startet ein Gaming-Portal (Bild: Youtube)
Der Boom auf dem Gamingmarkt hält weiter an und ist nach wie vor einer der wichtigsten Innovationstreiber im Bereich der Unterhaltungselektronik. Mit Pokemon Go hat ein Handy-Game Augmented-Reality-Anwendungen zum Durchbruch in den Massenmarkt verholfen. Die neue Generation der Spielekonsolen wie die Playstation Pro von Sony unterstützt bereits den ultrahochauflösenden Standard 4K und dürfte damit auch den Absatz von Ultra-HD-Fernsehgeräten ankurbeln. Auch im Bereich Virtual Reality hat sich Sony mit der Datenbrille Playstation VR ebenfalls an die Spitze der Entwicklung gesetzt und dürfte damit erheblich dazu beitragen, dass VR den Weg in den Massenmarkt findet.

10.

E-Sports

E-Sports boomt
E-Sports boomt (Bild: Sport 1)
Ein wichtiger Teil des Gamingmarktes ist der Bereich E-Sports. Aus dem einstigen Kinderzimmerphänomen ist längst ein milliardenschwerer Markt geworden. E-Sport-Events füllen Messehallen, Millionen Fans verfolgen professionelle Gamer live im Internet. Die von Amazon übernommene Streamingplattform Twitch.tv gehört in Deutschland zu den reichweitenstärksten Websites überhaupt. Mittlerweile versuchen auch klassische Medien wie Sky mit der Übertragung der Virtuellen Bundesliga oder Sport 1 mit einer eigenen E-Sports-App von dem riesigen Interessen zu profitieren. Die gesamte Szene professionalisiert sich derzeit. In diesem Jahr hat die Electronic Sports League gemeinsam mit acht führenden Team die World E-Sports Association (WESA) gegründet. "Neu gegründete Ligen und Verbände werden die Professionalisierung in 2017 maßgeblich vorantreiben und somit die Branche auch für Investoren aus den unter schiedlichsten Bereichen immer attraktiver machen", so die Einschätzung von Goldmedia-Consultant Hannah Reuter.

11.

Podcasts

Jetzt ist es raus: "Fest und flauschig" heißt der Podcast  von Jan Böhmermann und Olli Schulz bei Spotify
Jetzt ist es raus: "Fest und flauschig" heißt der Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz bei Spotify (Bild: Spotify)
Podcasts sind nun wahrlich kein neues Phänomen - bereits vor etwa einem Jahrzehnt wurden die Audiodateien zum Runterladen durch den Siegeszug des iPod populär, wurden aber vor allem von technikaffinen Early Adopters genutzt. Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones und Daten-Flatrates erleben Podcasts nun eine Renaissance. Die Zahl der regelmäßigen Podcast-Hörer stieg laut der jüngsten ARD/ZDF-Onlinestudie von 2,1 Millionen im Jahr 2012 auf 7,5 Millionen in diesem Jahr. Zu dem Trend haben auch der viel beachtete Wechsel von Jan Böhmermann und Olli Schulz von der öffentlich-rechtlichen Jugendwelle Radio Eins zu Spotify beigetragen. Dass hier noch viel Luft nach oben ist, zeigt ein Blick in die USA. Dort hören 36 Prozent der Bevölkerung ab 12 Jahren regelmäßig Podcasts. Damit wird das Thema auch für die Vermarktung interessant.

12.

Sportkonzerne

Die Rechte für die kommenden Weltmeisterschaften werden erneut teurer
Die Rechte für die kommenden Weltmeisterschaften werden erneut teurer (Bild: HORIZONT)
Die Kommerzialisierung des Sports schreitet weiter voran. In Deutschland wird diese Entwicklung vor allem durch die Fußball-Bundesliga vorangetrieben. Ab der kommenden Saison übersteigen die Einnahmen der Deutschen Fußball-Liga aus der Vermarktung der Medienrechte erstmals die Schwelle von 1 Milliarde Euro pro Saison. Viele Clubs agieren mittlerweile wie professionelle Wirtschaftsunternehmen - allen voran die (potenziellen) Spitzenvereine aus München, Dortmund, Schalke und Berlin. Während sich die großen Clubs zu Sportkonzernen mit einem professionellen Management entwickeln, halten kleinere Vereine an ihren traditionellen Strukturen fest. "Für sie wird es in der Folge immer schwerer, auch sportlich auf Augenhöhe mit der größer werdenden Riege der Fußballkonzerne zu bleiben. Eine Zweiteilung des Profifußballs in Fußballvereine und Sportkonzerne könnte sich langfristig herausbilden", so die Einschätzung von Marcus Hochaus, Leiter der Sport Unit bei Goldmedia. dh

Den gesamten Goldmedia Trendmonitor 2017 gibt es auf der Website des Unternehmens
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