Giannis Varoufakis "Günther Jauch" sieht keine Anzeichen für Fälschung von Stinkefinger-Video

Montag, 16. März 2015
Stein des Anstoßes: Das Video zeigt Giannis Varoufakis bei einem Vortrag in Zagreb
Stein des Anstoßes: Das Video zeigt Giannis Varoufakis bei einem Vortrag in Zagreb
Foto: Screenshot Youtube
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Günther Jauch Giannis Varoufakis


Es war der Aufreger in der Talkshow "Günther Jauch" am Sonntagabend im Ersten: In einem Einspieler zeigte der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis Deutschland den Mittelfinger - verbal und tatsächlich. In der Sendung behauptete der Politiker, das zwei Jahre alte Video sei manipuliert worden - die Redaktion der ARD-Talkshow widerspricht.
Eigentlich sollte es bei Günther Jauch am Sonntagabend um die griechische Schuldenkrise und das angespannte Verhältnis zwischen dem hoch verschuldeten Staat und Deutschland gehen. Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis war per Video zugeschaltet, um sich den Fragen von Günther Jauch zu stellen - doch die Diskussion wurde von einem zuvor gezeigten Video beherrscht, dass den Wirtschaftswissenschaftler bei einem Auftritt im Jahr 2013 in Zagreb zeigte. Thema des Vortrags war bereits damals die Finanzsituation des südeuropäischen Landes. Varoufakis plädierte in seinem Vortrag dafür, dass Griechenland sich für zahlungsunfähig erklären sollte: "My proposal was that Greece should simply announce that it is defaulting - just like Argentina did - , within the Euro, in January 2010, and stick the finger to Germany and say: 'Well, you can now solve this problem by yourself.'" Dabei streckt der heutige Finanzminister Griechenlands kurz aber deutlich sichtbar den Mittelfinger in die Höhe.
In der Sendung am Sonntagabend bestritt der griechische Finanzminister vehement die Echtheit des Videos und behauptete, das Video sei manipuliert worden: "That video was doctored! I've never gave the finger!" Jauch versprach, die Echtheit des Videos zu überprüfen, was in der laufenden Sendung allerdings nicht mehr gelang.

Am Montag nahm die Redaktion dann per Pressemitteilung Stellung. Darin heißt es, man lasse die Echtheit des Videos durch "mehrere Netzexperten" prüfen - nach bisherigem Kenntnisstand könne man aber "keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung in dem während der Live-Sendung gezeigten Video feststellen", betont die Redaktion.

Auch der Urheber des Videos namens Alessandro del Prete betonte via Twitter, dass das Video echt sei: "Absolutely not fake." Das Video wurde demnach am 15. Mai 2013 im Cinema Europa in Zagreb aufgenommen - also lange bevor Varoufakis zum griechischen Finanzminister ernannt wurde.
Angesichts der aktuellen Spannungen zwischen Deutschland und Griechenland gerät der Politiker, der aktuell ohnehin massiv in der Kritik steht, durch das Video allerdings weiter unter Druck. Erst vergangene Woche hatte eine Foto-Homestory in der französischen Illustrierten "Paris Match" für Schlagzeilen gesorgt, in der sich Varoufakis unter anderem Klavier spielend und beim Abendessen mit seiner Frau in seiner Wohnung in Athen ablichten ließ. Angesichts der von ihm ausgerufenen "humanitären Krise" in Griechenland hagelte es Hohn und Spott für die Hochglanzfotos des Politikers und seiner Frau. Varoufakis hat die Homestory mittlerweise bereut. Aus der Welt schaffen lassen sich die Bilder indes nicht mehr; ebensowenig wie das Stinkefinger-Video - ob es nun echt ist oder nicht. dh
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