Gegen TV und die Internetriesen Burda-Vorstand Philipp Welte ruft Verlage zu gemeinsamen Werbe-Pitches auf

Freitag, 13. Oktober 2017
Philipp Welte
Philipp Welte
© Flo Fetzer für Hubert Burda Media

Verstehen sich die Verlage im Werbegeschäft bald weniger als Konkurrenten und stattdessen mehr als Verbündete? Im Wettbewerb gegen die beiden großen TV-Vermarkter und die US-Digitalriesen? Zumindest die rhetorischen Schulterschlüsse mehren sich.

Nachdem Funke-Geschäftsführer Manfred Braun in der vergangenen Woche seine Vision eines Riesenvermarkters für alle Verlage oder gar alle klassischen Mediengattungen erneut skizziert hat, legt Burda-Zeitschriftenvorstand Philipp Welte nun nach. Er ent-radikalisiert die Braun'sche Vision, zerlegt sie in realisierbare Szenarien – und macht das Ansinnen auf diese Weise auch für skeptische Verlage greifbar. "Könnten wir zu großen Pitches nicht auch mal alliiert antreten und unsere Kraft und Wirkung nachweisen, etwa gegenüber dem Fernsehen oder den digitalen Plattformen?", schlägt Welte im HORIZONT-Interview vor und klagt: "Stattdessen verharren wir dumpf in den kompetitiven Reflexen des letzten Jahrhunderts und unterbieten uns gegenseitig."

Somit plädiert der Burda-Vorstand indirekt dafür, die neuen Freiheiten des novellierten Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) beherzt auszuloten. Zum einen durch mehr gemeinsame institutionalisierte (und nicht wie bisher nur sporadisch kampagnenweise) Werbeangebote, die aus einer Hand (und nicht wie bisher nur einzeln) gebucht werden. Und zum anderen durch ein koordiniertes Verweigern von Media-Pitches, in denen die Verlage sonst preislich gegeneinander ausgespielt würden. "Jeder Gedanke, der den kollektiven Suizid am Werbemarkt verhindert, ist es wert, zu Ende gedacht zu werden", sagt Welte.

Brauns Vision eines Supervermarkters teilt er so nicht: "Es wird wohl nie nur einen einzigen Print-Vermarkter geben – dafür sind wir zu unterschiedlich und in den Strukturen zu komplex." Stattdessen glaubt Welte an "eine Handvoll großer Koalitionen". Nach HORIZONT-Infos war das zuletzt auch Thema im Vorstand des Fachverbands Publikumszeitschriften im VDZ. Vorsitz: Manfred Braun, der dort sein Amt im November abgibt. Als möglicher Nachfolger gilt: Philipp Welte. Und es gibt weitere Signale. rp 

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Mehr dazu sowie das Gespräch mit Welte über den "epischen Kampf um die Zukunft" und mögliche Widersprüche in der Verteidigungslinie der Verlage gegen die US-Digitalriesen lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 41/2017 vom Donnerstag, 12. Oktober, die auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

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