Gegen Regalverstopfung Grossisten wollen bei der Presselieferung genauer hingucken

Mittwoch, 05. Februar 2014
Die Zeitschriftenregale sollen nach dem Willen der Grossisten entlastet werden
Die Zeitschriftenregale sollen nach dem Willen der Grossisten entlastet werden


Das wird die Verlage der schnell drehenden Massenmagazine freuen, allen voran Bauer: Die Presse-Grossisten haben neue Regeln beschlossen, nach denen sie die Einzelhändler beliefern und beraten wollen. Das Ziel: Weniger Regalverstopfung am Kiosk und im Supermarkt.
"Wegweisende Neuerungen im Sortimentsmanagement für Presse im Einzelhandel" haben die bundesweit 59 Grossisten auf den Weg gebracht, jubelt der Bundesverband Presse-Grosso. So planen die Zwischenhändler etwa, in Läden mit besonders vollen Zeitschriftenregalen die Angebotszeit für zweimonatlich oder seltener erscheinende Titel auf vier Wochen zu begrenzen und diese Standorte bei Verteilerweiterungen auszulassen.

Überhaupt wollen die Grossisten bei der Festlegung der Titelsortimente, Liefermengen und Angebotszeiten stärker als bisher die Shop-individuellen Regalauslastungen berücksichtigen - und zwar "auf Basis valider Vertriebsdaten". Ziel sei die kundenfreundliche Präsentation standortspezifischer, nachfragegerechter Sortimente. Wegen der steigenden Titelvielfalt und der sinkenden Lesernachfrage müsse die Branche "von Push- auf Pull-Marketing umdenken" und das Produkt- und Handelsmarketing konsequenter auf die Bedürfnisse der Verbraucher und Handelspartner ausrichten, sagt Frank Nolte, der Vorsitzende des Grosso-Verbandes.

Damit verkünden die Grossisten Maßnahmen, die Bauer seit langem laut fordert - und andere Großverlage eher hinter den Kulissen. Torsten Brandt, Chef der Vertriebsarbeitsgruppe im Verlegerverband VDZ, fordert nun eine konsequente Umsetzung. Und mit einem kleinen Seitenhieb in Richtung Bauer: "Besonders freue ich mich, dass dieser Maßnahmenkatalog in Arbeitskreisen der Grossisten entstanden ist, ohne dass einzelne Verlage oder Vertriebe Einfluss genommen haben", so Brandt, im Hauptjob Vertriebschef bei Axel Springer.

Vor kurzem hatte Bauer seine Kritik an der Grosso-Arbeit mit einer Studie zu belegen versucht: Danach beklagen 60 Prozent der Filialen im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), dass sie von den Grossisten zu viele Zeitungen und Zeitschriften geliefert bekommen, so dass die gesamte Ware nicht ins Regal passt. 51 Prozent halten auch die Stückzahl pro Titel für zu hoch (Horizont 4/2014). Das sind Ergebnisse einer nach eigenen Angaben repräsentativen Studie, die Bauer vom Marktforschungsinstitut Trend Research und der Agentur ST Promotions in 43 LEH-Filialen von 15 großen Handelsketten durchführen ließ.

Seit Jahren agiert der Verlag gegen "überfüllte" Zeitschriftenregale, in denen Nischenhefte den Massentiteln - viele davon sind von Bauer - unverhältnismäßig viel Platz wegnähmen, so Bauer. Die Sichtbarkeit der je Filiale 100 umsatzstärksten Titel müsse "oberste Priorität" haben, schließlich stünden diese für etwa 60 Prozent des Umsatzes am Presseregal. Weitere Brisanz gewinnt das Thema, weil am 26. Februar gerichtlich über das Verhandlungsmonopol des Grosso-Verbandes entschieden wird (Horizont 3/2014). rp
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