Gastbeitrag zum neuen "Taz"-Haus Die Macht des Eigentums

Donnerstag, 17. Juli 2014
Foto: E2A Eckert Eckert Architekten AG & Heneghan Peng Architects, Dublin
Foto: E2A Eckert Eckert Architekten AG & Heneghan Peng Architects, Dublin

Die dritte Generation der "Taz" baut sich ein neues Haus - und hat dazu einen Architekturwettbewerb ins Leben gerufen. Das Siegerprojekt ist avantgardistisch, ökologisch und konservativ. Ein Gastbeitrag von Nikolaus Bernau. Gut zwei Generationen von Menschen, die sich selbst als links betrachten, haben nun schon mit der "Taz", der "Tageszeitung", gelebt. Sie haben gelitten, gestritten, geliebt, abbestellt, wieder neu bestellt und immer gehofft, hier eine Gegenstimme zum Mainstream zu finden, die nicht zugleich völlig ideologieverblendet ist. Die "Taz", das war immer mehr als eine normale Zeitung - nicht zuletzt deswegen ließen sich Tausende von Journalisten hier nach allen Regeln der Kunst (selbst)ausbeuten. Das Blatt war der Gegenentwurf zu allem, was die deutschen Verlagshäuser und öffentlichen Medienanstalten sonst bieten.

Jetzt will die "Taz", passend zum anstehenden Wechsel hin zur dritten Generation, ein neues Haus beziehen. Vor knapp einem Jahr wurde das Projekt erstmals debattiert, jetzt liegt der Architektenentwurf vor, 2017 soll das Haus eingeweiht werden. Für ein Unternehmen, das von einer Genossenschaft und überaus selbstbewussten Mitarbeitern geprägt wird wie die Zeitung Taz, ist das sehr schnell. Zumal hier die auseinandergefallenen Teile des Unternehmens, die Redaktion und der Verlag sowie seine diversen Töchter, wieder zusammengeführt werden sollen. Die "Taz" will zudem teilhaben an der Renaissance der südlichen Friedrichstadt in Berlin. Rund um die einstige Blumengroßmarkt-Halle, einen luftigen Bau aus den 1960ern, der jetzt für die Akademie des Jüdischen Museums genutzt wird, entsteht dort ein neues Wohn- und Geschäftshausquartier. Die "Taz" hat den Zuschlag bekommen für ein Grundstück direkt an der Friedrichstraße.

Gewonnen hat den Wettbewerb mit Piet und Wim Eckert aus Zürich wieder einmal ein Schweizer Büro. In Berlin haben die Eidgenossen derzeit viel Erfolg - kein Wunder angesichts des Überdrusses an den klassizierenden Natursteinrasterfassaden der 1990er und 2000er und der Dauerkrise der Stadt.

Erstaunlicherweise ist das Siegrprojekt, das ästhetisch so avantgardetreu auftritt, ökologisch vorbildlich sein will, doch überaus konservativ. Motto: Wer sich auf anderer Leute Archive verlässt oder Miete zahlt, verliert an Unabhängigkeit. Und noch eins fällt auf, erinnert an die alte Bundesrepublik und ihren Traum von der gewagten Demokratie: die von Konservativen aller Arten so oft totgesagte Symbolik des Glases als Metapher für politische Transparenz. Wer will, wird künftig durch die herrlich weite neue Treppenhalle bis in die Redaktionsdebattenräume hineinsehen können. Mal sehen, wann die ersten Rollos eingezogen werden, um wenigstens den Anblick der legendären Redaktionskräche zu verhindern.

HORIZONT.NET zeigt Bilder vom aus dem Wettbewerb:

1. Preis:
-
-


2. Preis:
-
-

Fotos: Arge Mars Architekten + Architekturbüro Creutzfeldt
Fotos: Arge Mars Architekten + Architekturbüro Creutzfeldt

2. Preis:
Foto: E2A Eckert Eckert Architekten AG
Foto: E2A Eckert Eckert Architekten AG


Den gesamten Gastbeitrag von Nikolaus Bernau lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 29/2014.
Meist gelesen
stats