Gabor Steingart So sieht der "Handelsblatt"-Chef Google

Montag, 08. September 2014
Gabor Steingart sieht Google durchaus differenziert
Gabor Steingart sieht Google durchaus differenziert
Foto: Screenshot: ZDF

Es war ein verkopftes, aber dennoch bemerkenswertes Gespräch, das gestern zur besten Schlafenszeit vom ZDF ausgestrahlt wurde. Richard David Precht unterhielt sich mit „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart. Und siehe da: Es gibt auch in Deutschland Medienmanager, für die Google und Facebook nicht (nur) böse Invasoren und Großmächte aus den USA sind.

Angst, böse Nachrede und manchmal auch Neid – wenn deutsche Medienmanager über Google und Facebook reden, kommen meistens negative Gefühlswallungen zum Ausbruch. Wie man kritisch, aber durchaus differenziert über die US-Giganten diskutieren kann, demonstrierte gestern Gabor Steingart im ZDF. Natürlich hätten Google & Co eine immense Macht, die sie auch ausnutzen würden. Doch wenn man nur die „verschatteten Seiten“ (Steingart)  kritisiert, gerate man in diese „typische deutsche kulturkritische Panikstimmung“. Welche Vorteile Google  bietet, unterstreicht der Wirtschaftsliberale Steingart ausgerechnet am „Kommunistischen Manifest“ von Karl Marx: „Das hat man dank Google in kurzer Zeit downgeloaded – wer in Augsburg käme so schnell an das Buch heran?“

Hier die besten Steingart-Zitate aus der Sendung:

Steingart über Datenwut:

„Es gibt Grund zur Besorgnis. Die Daten werden ja nicht nur gesammelt. Sondern miteinander vernetzt. Es entsteht sozusagen eine Rasterfahndung gegen sich selbst.“

„Bei der Datenfrage leben wir noch im Zustand des Wilden Westens. Da hat einer etwas in den Boden gerammt und behauptet: Das ist mein Gelände.“

…über die Bereitschaft vor allen Dingen jüngerer Menschen, private Daten freizugeben, „transparent“ zu sein:

„Google benutzt das Wort Transparenz wie früher die katholische Kirche die Liebe zu Gott. Es ist eine Monstranz, die Google vor sich her trägt. Dahinter verbirgt sich das ökonomische Interesse. Der Betriebszweck von Google ist nicht Transparenz, sondern Gewinn, und das wird verdunkelt durch einen Nebelbegriff.“

… über das Lesen und die Buchkultur:

„Ich finde es lobenswert, dass das Lesen sich löst von Raum, Zeit und der Darreichungsform. Das hätte ich vor einem Jahr noch nicht so gesagt. Das ist eine Selbstbefreiung.“

… über intelligente Maschinen:

„Ich glaube an Kühlschränke, die einem morgens schon die Nachrichten auf dem Display präsentieren.“

… was Google in Zukunft nicht mehr dürfen sollte:

„Wenn die deutschen Datenschutzgesetze es nicht mehr erlauben würden, Daten außer Landes zu nehmen und zu vernetzen, dann wäre viel gewonnen.

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