G+J Österreich Axel Bogocz soll gehen / Wird Horst Pirker Nachfolger?

Freitag, 10. Januar 2014
Axel Bogocz verlässt G+J Österreich (Bild: Unternehmen)
Axel Bogocz verlässt G+J Österreich (Bild: Unternehmen)

So langsam entpuppt sich der Chefsessel von Gruner + Jahrs Österreich-Dependance als wahrer Schleudersitz für deutsche Manager. Nach Informationen von HORIZONT.NET wird Axel Bogocz, erst seit September 2011 Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe News ("News", "Profil", "Woman"), das Unternehmen in Kürze verlassen. Damit amtierte Bogocz immerhin länger als sein Vorgänger Matthias Schönwandt, der sich nur vier Monate in Wien halten konnte. Doch die Gründe sind nun völlig andere. Bogocz trat bei der Verlagsgruppe News vor über zwei Jahren in einer schwierigen Situation an: Gleich zu Anfang musste er gerade erst bekannt gewordene jahrelange Unregelmäßigkeiten bei Auflagenmeldungen aufklären und ausbaden - ein wenig populäres Thema, das er vom langjährigen Vor-Vorgänger Oliver Voigt geerbt hatte.

In den Monaten danach jedoch vermissten erst Mitarbeiter, dann Geschäftspartner und Anzeigenkunden und schließlich auch Gesellschafter G+J zunehmend das notwendige Fingerspitzengefühl, das wohl notwendig ist für Erfolg im österreichischen Markt - dieses ganz spezielle Netzwerken auf dem Wiener Gesellschaftsparkett mit jener Mischung aus fast unterwürfiger Höflichkeit ("Küss die Hand ...") und verschmitztem Schmäh.

Bogocz, der zuvor über zehn Jahre bei der Bauer Media Group und ihrer "Bravo" arbeitete, wird dagegen als jemand beschrieben, der seine Geschäfte lieber vom Schreibtisch aus führe, eher hemdsärmlig auftrete und ein Freund direkter Worte sei. Was sich offenbar auch auf die Geschäftsläufe auswirkte - hier erwartete man sich wohl bessere Umsätze und Gewinne angesichts der starken Stellung der G+J-Titel in Österreich, Gruner + Jahrs zweitgrößtem Auslandsmarkt (nach Frankreich, vor Spanien). Zuletzt hatte Bogocz Mitarbeiter, Kunden und Gesellschafter dem Vernehmen nach durch - offenbar mit G+J nicht abgestimmte - radikale Sparkurs-Ankündigungen anstelle geschmeidig formulierter Vorwärtsstrategien irritiert. Bogocz sei ein guter Manager, "kam aber in Wien zur falschen Zeit an den falschen Ort", sagt einer, der die Lage dort kennt.

Bemerkenswert: Das, was Bogocz offenbar zu wenig betrieb, hatte sein Kurzzeit-Vorgänger Matthias Schönwandt (heute Chef der Zeitungsallianz Medienhaus Deutschland) wohl etwas übertrieben. Er hat im Mai 2011 nach nur vier Monaten seinen Hut nehmen müssen, weil er laut G+J gegen Konzern-interne Compliance-Regeln verstoßen hatte. Nach Infos der österreichischen Zeitung "Der Standard" sollen "Geschenke zur Pflege von Geschäftsbeziehungen in Größenordnungen im niedrigen Tausenderbereich" an Geschäftspartner der Grund gewesen sein. Schönwandt war damit nur kurz Nachfolger des langjährigen G+J-Österreich-Chefs Oliver Voigt, dessen Vertrag Ende 2010 ausgelaufen war und der sich zuletzt mit dem damaligen G+J-Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein überworfen hatte.

Klein hatte daraufhin erst Schönwandt und dann Bogocz verpflichtet. Im Frühjahr 2013 verließ er selber G+J. Seitdem ist in der Hamburger G+J-Zentrale Rolf Heinz als Mitglied des Executive Committees auch fürs Österreich-Geschäft zuständig - und im Vorstand CEO Julia Jäkel selber.

Nach den Erfahrungen mit Schönwandt und dann Bogocz darf man nun davon ausgehen, dass G+J als nächstes einen im österreichischen Geschäftsleben sozialisierten Manager als Chef seiner Wiener Dependance beruft. Österreichische Medien spekulieren - nicht ganz unplausibel - über Horst Pirker, den langjährigen Chef des Medienhauses Styria. Anschließend war Pirker Geschäftsführer von Red Bull Media House und zuletzt Chef des Grazer Entsorgungsunternehmens Saubermacher. Bei G+J will man sich "an Personalspekulationen nicht beteiligen". rp
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